Geht es Euch auch so? Immer, wenn jemand ganz besonders plump flunkert, muss ich an Chiara Ohoven denken. Die (ja, was ist die überhaupt? Gute Frage!), äh, Tochter ihres Vaters und mittlerweile erwachsene Frau rückte einst in den unvermeidbaren Fokus der Öffentlichkeit, weil sie sich gut sichtbar die Lippen hatte aufspritzen lassen, anschließend vor laufender Kamera allerdings ernsthaft behauptete, dass alles echt sei:
Der Chiara Ohoven des Fußballs ist dann wohl Tim Danneberg, 24 Jahre alt und gebürtiger Mindener. Drei Jahre lang spielte er recht ordentlich für Eintracht Braunschweig Fußball. Diesen Sommer lief sein Vertrag aus, und Danneberg wollte nicht so recht verlängern. Er wolle mindestens in die Zweite Bundesliga wechseln, um seinem Ziel, der Ersten Bundesliga, näher zu kommen, ließ er verlauten. Schade, dachten da viele, aber nachvollziehbar. Dann alles Gute, Tim!
Pustekuchen! Statt bei einem glamourösen Zweitligisten wie SC Paderborn, FSV Frankfurt oder Rot-Weiß Oberhausen, wo bekanntlich die Luft brennt vor lauter knisternder Atmosphäre, hat Danneberg beim SV Sandhausen unterschrieben. Sandhausen ist Klassengefährte der Eintracht, hat regelmäßig wenige bis gar keine Zuschauer (von Auswärtsfahrern sprechen wir mal besser gar nicht erst) und lief vergangene Saison als Vierzehnter ein. Sandhausen selbst hat etwa 15.000 Einwohner und ist bekannt für sein packendes Nachtleben – sollte der Spätbus nach Mannheim nicht doch mal ausfallen.
Nun, dieser SV Sandhausen hat seit der Sommerpause plötzlich Geld und kaufte alles weg, was nicht schnell genug auf die Bäume flüchten konnte. 13 Neuzugänge vermeldeten die Sandhäuser mittlerweile, und sollte sich die Saison nicht so entwickeln, wie man es erwartet, dürfte da sicher noch der eine oder andere dazu kommen. Tim Danneberg jedenfalls kam bereits vorher und ist jetzt weiter denn je entfernt von seinem Ziel Beletage.
Dass Tim Danneberg seine Zweitligapläne nicht aufgrund des tollen Klimas in Sandhausen (wo ständig die Sonne scheinen muss, wie ich bereits früher einmal feststellen durfte) aufgab, liegt auf der Hand. Und es ist ja nicht verwerflich, dass ein junger Fußballer weniger den Sport als vielmehr die Entlohnung im Vordergrund sieht. Mal im Ernst: Jeder von uns käme doch ins Grübeln, wenn ein Job-Angebot vorläge, bei dem man deutlich mehr als bisher verdienen könne. Da ist es dann auch egal, wenn dieser Job am Arsch der Welt liegt. Die Differenz zum bisherigen Salär kann man dann wohl als Schmerzensgeld betrachten.
Leider steht Danneberg nicht dazu. Wie einst Chiara Ohoven erzählt er uns einen vom Pferd. In einem Interview in der Braunschweiger Zeitung gibt er zu Protokoll:
Mich aber als Söldner darzustellen, ist Schwachsinn. Aufs Geld hätte ich geguckt, wenn ich schon 30 oder 31 Jahre alt wäre – aber nicht mit 24. Zumal ich in Braunschweig fast das gleiche hätte verdienen können.
Ah ja. In Sandhausen bekommt er lediglich zwei Mettbrötchen mehr im Monat. Das Geld war es also nicht. Aber was treibt einen durchaus talentierten Fußballer denn dann ausgerechnet nach Sandhausen? Danneberg bleibt die Antwort nicht schuldig:
Für meine Entwicklung, für meine Persönlichkeit ist es wichtig, dass ich mich nochmal in einer neuen Mannschaft, auf einem neuen Niveau durchsetze.
Clevererweise sagt Danneberg nicht, ob dieses neue Niveau höher oder niedriger ist als das in Braunschweig. Denn so stimmt diese Aussage definitiv: Das Niveau in Sandhausen ist ein anderes als das in Braunschweig. Das wird wohl jeder, der beide Städte und beide Vereine kennt, bestätigen
Heute Abend kommt Tim Danneberg zurück nach Braunschweig, mit seiner neuen Mannschaft. Die Eintracht-Fans werden ihm seinen Wechsel und dieses Interview vielleicht ein wenig übelnehmen. Aber die stimmgewaltigen Sandhäuser Fans werden das schon ausgleichen, immerhin soll dem Vernehmen nach ein Vierziger-Bus auf den Weg in die Löwenstadt geschickt werden. Für diesen Bus sucht man übrigens noch händeringend nach Mitfahrern. Wirklich ein ganz neues Niveau.






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Na, Tim? Sportlich verbessert?
Gerade hast Du das 0:3 in Koblenz kassiert… möchte mal gerne wissen, was sie Dir bei den Vertragsgesprächen alles erzählt haben… oder möchtest Du unbedingt in Liga 4, um Dich dort bei den Spielen gegen die Reserveteams für deren erste Mannschaften zu empfehlen?
Pingback: Leopedia
Hallo togo!
Absolute Übereinstimmung!
Überdies habe ich mich beim Lesen köstlich amüsiert, denn über den Wahrheitsgehalt hinaus, da gefällt mir Deine “sarkastische” Schreibweise sehr gut!!!
BGG
Orion7
guter Kommentar zum Söldner Danneberg…