Nachruf: Der Gemütliche Conni

On 7. August 2010 by togo

Gastbeitrag von DerBaron

Ganz Braunschweig trauert: Der "Gemütliche Conni", Helmut Eckleben, ist verstorben.„Ihr saad doch Bärenbengels!“ Mit diesen Worten und dem unverkennbaren klaren Braunschweiger „A“ begrüßte Conni nicht etwa kleine, vorbeilaufende Dreikäsehochs. Diese Worte richtete er an sieben gestandene Männer, die ihre Freundschaft aus alten Schultagen mit festen gemeinsamen Treffen am 23.Dezember eines jeden Jahres am Leben hielten. Über 14 Jahre betonte Conni immer wieder, wie es ihn freue, dass wir so zusammenhalten und ihm und seiner Kneipe nebenbei über Jahre die Treue hielten, auch in kleineren Besetzungen immer wieder mal zwischendurch.

Aber wie hätte man ihm auch nicht verbunden bleiben können. Wo gibt es heute noch gemütliche, überschaubare Kneipen, in denen nur die zahlreichen Gespräche der Gäste die Geräuschkulisse bilden und wo keine lärmenden Rhythmen jedes Wort überlagern? Wie viele Gastwirte mag es wohl geben, die jeden – aber wirklich jeden – einzelnen Gast per Handschlag begrüßen? Es ist diese Mischung aus Herzlichkeit und Aufgeschlossenheit, die die Atmosphäre dieser einzigartigen Kneipe ausmacht.

„Zum gemütlichen Conni“ heißt es nicht umsonst. Es ist gemütlich. Man muss sich einfach wohlfühlen, selbst, wenn man kein Eintracht-Fan ist. Hat man aber nur ein wenig blau-gelbes Blut in den Adern, dann muss einem das Herz aufgehen. An jeder Wand, in jeder Ecke, in jeder Nische hängen Bilder. Fußballbilder, viele Mannschaftsfotos unserer Eintracht. Aus besseren Zeiten. Nicht selten passiert es, dass Conni dann auch schon mal seufzt, um dann aus vergangenen und erfolgreicheren Tagen zu berichten. Hinterm Tresen hängen unzählige Wimpel von verschiedensten Vereinen – still dokumentieren sie, dass hier nicht nur Braunschweiger Sportler und Prominente aus- und eingegangen sind.

Doch was nützen all die Bilder und Erinnerungen, wenn das Gemäuer nicht mit Freundlichkeit beseelt ist. Es ist der persönliche Umgang, der besticht. Eine immer herzliche und gut gelaunte „Siggi“, Connis Frau, bringt die neue „Härke“-Rutsche, oftmals von ihr angekündigt mit dem Signal „Tatütata – das Bier ist da“. Zwischendurch, das darf niemals fehlen, werden die besten und knusprigsten Hähnchen bestellt. Wo gibt es gleich nochmal eine solche Kombination? Richtig. Wird man nicht finden. „Bimbo“, Connis jahrzehntelanger Freund und Wegbegleiter, bringt eine neue Runde. Immer ein persönliches Wort, nie um eine Anekdote verlegen. Wie Conni selbst. Conni lässt es sich nie nehmen, zwischendurch am Klavier ein paar Minuten zum Besten zu geben – wo gibt es so etwas, geschweige denn heutzutage? Aufmerksam entgeht ihm nicht, dass wir schon seit mehreren Stunden seine Gäste sind und so gibt es dann auch die üblichen VW-Runden. Unkundige stutzten dann, wenn einer der größten Eintracht-Fans die VW-Runde ankündigte. Am Ende eines langen Abends konnten sie aber, wenn sie wollten, schlussfolgern, dass Polo und Golf wohl „Vom Wirt“ angefertigt werden.

In dieser einzigartigen Atmosphäre fiel es nie schwer, auch mit anderen Gästen, egal welcher (Vereins-)Herkunft, ins Gespräch zu kommen. Eintracht bezeichnet man als große Familie und genau dieses Gefühl konnte man bei Conni anfassen. Natürlich wurde jeder einzelne auch beim Herausgehen verabschiedet. Conni sagte immer „Tschüss, mein Freund“ und irgendwie fühlte es sich auch so an. Er wird Braunschweig fehlen und er wird jedem einzelnen fehlen, der diese Atmosphäre kennenlernen durfte. Und auch für uns ist es nur schwer vorstellbar, dass unsere jährlichen Treffen nun anders verlaufen werden, ohne das anerkennende „Bärenbengels“.

Danke, Conni, für viele unvergessliche Abende und Stunden, die uns immer in Erinnerung bleiben werden.

Bis denne

2 Responses to “Nachruf: Der Gemütliche Conni”

  • Das hört sich nach einem wahren Helden an. Schade…. davon gibt es immer weniger. Aber sehr nett geschrieben, ohne zuviel Schmalz.

    Schweigeminute.

  • Oh ja – ist schon traurig. Conni wird Braunschweig sehr fehlen. Diese schroff, ehrliche Herzlichkeit die mir immer entgegengeschlagen ist. Man fühlt sich wohl und kommt ins Gespräch.
    Die vielen Devotionalien, die sich um die Kneipe und deren Besucher und vor allem die Wirtsleute ranken, lassen einen schmunzeln und das Herz aufgehen. Der Laden ist einzigartig und wird dies in der Erinnerung auch bleiben. Man kann eigentlich nur hoffen, dass Sigrid, Heidi und Bimbo auch ohne Conni noch lange die Kraft haben, den Betrieb aufrecht zu erhalten. In Connis Sinne.

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