Wenn der Ball musikalisch wird

On 18. August 2010 by togo

Da boxt der Papst im Kettenhemd: Stimmung in BraunschweigMusik – irgendwie gehört sie doch zum Fußball wie das Ei in den Pfannkuchen. Die Gesänge der Fans, die akustische Untermalung vor und nach der Partie sowie in der Halbzeitpause. Um ein ganz spezielles Genre der Musik geht es in diesem Artikel für unsere Leopedia – die Fußballlieder!

Es gibt wohl kaum einen Bereich der Musik, in dem derart viel Geschmacksverirrung unterwegs ist wie in diesem. Wer erinnert sich nicht mit Grausen an den WM-Song ’90, in dem wir schon auf dem Brenner waren und (hups, wie lustig) auch darauf brannten? Oder so manchen austauschbaren Geldmach-Versuch irgendwelcher Party-Combos, die ihre Ergüsse nicht selten von Verein zu Verein schleppen, bis sich endlich mal jemand erbarmt, die Grütze zum Clublied zu erklären?

Natürlich gibt es auch über unsere Eintracht einige Lieder. Einige sind grausam, andere durchaus tauglich. Ich habe mich mal an eine kleine Liste gemacht, um die Übersicht zu bekommen, was denn so an Material zum BTSV existiert. Natürlich mit meinem Senf versehen und ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit! Falls noch was fehlt – nutzt die Kommentarfunktion zum Klugscheißen, der Dank und der Respekt der Leopedia-Gemeinde ist Euch gewiss!

Den Anfang macht ein unglaublich unmotivierter Song aus den Siebzigern, das  pragmatisch EINTRACHT LIED genannte Stück von Swen Jörgs. Wenn man dem Song so hört, hat man das Gefühl, man werde auf das Schützenfest eines kleinen ostfälischen Dorfes verschlagen – reine Schunkelmusik, leider nicht der besseren Art und Weise. Da ist dann zum Beispiel vom Städtchen Braunschweig die Rede (1977, als das Lied veröffentlicht wurde, hatte die Stadt bereits weit über 200.000 Einwohner). Der Rest des Songs sind lustlose Plattitüden über Fußball und sein Publikum, und man merkt, dass der Name des Vereines hier komplett ausgetauscht werden könnte. Dass Swen Jörg mit der Eintracht nix am Hut hat, bewies er 1985 – da brachte er ein Vereinslied (gleicher Name – gleicher Text?) raus für unseren geschätzten Nachbarn Hannover 96 😉

Zum hundertjährigen Bestehen, mitten in der Tenzer-Ära, stürmte Rockabello mit seinem „Unsere Eintracht“ auf den Markt. Ein grausamer Text der Marke „reim‘ Dich oder ich hau Dich!“, steril unterlegt mit einem ganzen Synthie-Orchester, das konnte auch der gemischte Eintracht-Chor nicht mehr retten. Ein klarer Favorit für die Skip-Taste, wenn die „Eintracht Hits forever“ mal wieder im Player liegen.

„Löwenstark“ war leider nur der Titel des Stücks von Nykstrom. Der Song selbst ist unglaublich lahmarschig, wobei man dem Künstler die Identifikation mit dem Club durchaus abkauft. Der Song selbst aber ist dazu geeignet, jede Lust auf Fußball wegzuwischen – zu einem Wiegenlied liegt man nunmal lieber in seinem Bett und schließt die Äuglein.

Ach, Daily Terror. Helden meiner Kindheit! Als Pedder Teumer am 11.04.2009 verstarb, war es schon so, als sei ein guter Freund von uns gegangen. Denn die Alben von Daily Terror habe ich bereits als Zehnjähriger geil gefunden und immer wieder gehört. Klar, dass die Band als erklärte Fans ihrer Eintracht zwei Songs gewidmet hat.: „Schluckspechte“ und „Hey Braunschweig“ (später von Moiterei gelungen gecovert – wobei Moiterei im Grunde ja die Nachfolgeband von Daily Terror ist)! Beide Lieder sind urtümlich schnell und kräftig, bester Punkrock also, und die Texte zeigen die komplette Identifikation mit Braunschweig und der Eintracht. Absolutes Pflichtprogramm bei jeder Eintracht-Fahrt!

Im Rahmen eines Bandwettbewerbs suchte die Eintracht 2000 ein neues Vereinslied. Die Jury entschloss sich letztendlich für die Rotten Food Bits mit „Wir stehn zu Dir“ – eine gute Wahl! Denn die Rotten Food Bits hatten es geschafft, einen identifikatösen Text mit einem treibenden Beat und einprägsamen Riffs zu kombinieren. Und ich muss heute noch grinsen, wenn ich den Opa auf der Rückseite des CD-Covers sehe, dazu den Spruch „Auch Eintracht-Fan, aber Nordhorn“ 😉 Ein Song, der zum Eintracht-Spiel gehört wie Bartels Junior!

Für Viele DAS Eintracht-Lied: „Wir, wir, wir sind die Eintracht“ von Sound Express. 1988 ging die Single in den Verkauf, und seit mittlerweile 22 Jahren gehört der Song fest ins Repertoire der Fans. Und das trotz leicht prolligem Gesang und gewohnt leichtem Text vollkommen zurecht. Denn, was machen wir, wenn sie Maradona bringen? Rrrrrichtig! Daumen hoch für Sound Express!

„Bis ans Ende der Welt“ von den BS Allstars (daran beteiligt u.a. Jazzkantine, Such A Surge, Cappuccino, Daily Terror, Sweety Glitter, Hyper Child, Explosion, Sonnit, Fee) ist die Profi-Version des aus dem Eintracht-Stadion nicht mehr wegzudenkenden „Zwischen Harz und Heideland“. Ich muss zugeben, dass ich anfangs skeptisch war, wie man einen solchen Wechselgesang auf nen Silberling pressen will. Das Ergebnis ist aber nicht nur gut, es ist genial!

…und dann ist da noch Stürmerstar, die der Eintracht mehr als nur einen Song gewidmet haben. Mit „So wie damals“ hatte die Band kürzlich einen Comeback-Achtungserfolg in der Szene gelandet – reich werden kann man mit Eintracht-Liedern eh nicht. Es folgte „Die besten Fans der Welt“ – wer damit wohl gemeint ist? Gestern Abend stellte die Band dann im Studio von Radio Okerwelle den neuen Song „Weil wir Braunschweiger sind“ vor. Das Lied selbst gefällt absolut, und das nervige Laber-Intro kann man ja eventuell rausschneiden 😉

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