Schiedsrichter, Telefon!

On 22. August 2010 by gialloblu

Gelbe Karte für Jan Seidel - das Radar hat angeschlagen!Wie von togo in „Ein gebrauchter Tag“ treffend beschrieben, hatte die Eintracht gestern kein Glück mit dem Schiri, der unter anderem Kruppkes regulären Treffer aberkannte. Wer keine böse Absicht unterstellen will, sagt gerne Sätze wie: Schiedsrichter sind auch nur Menschen. Oder: Jeder hat mal einen schlechten Tag. Oder: Eintrachts Kombinationsfußball ist halt zu schnell fürs menschliche Auge. Ich möchte an dieser Stelle jedoch einen Satz in Erinnerung rufen, den man früher oft im Stadion hörte, wenn der Schiri Tomaten auf den Augen hatte: Schiedsrichter, Telefon! Doch was bedeutet diese Parole überhaupt? Welcher Bezug besteht zwischen einem Schiedsrichter, einem Telefon und einer unterirdischen Leistung? Glücklicherweise zwitscherte mir ein Vögelchen das Kennwort der Mailbox von Schiedsrichter Jan Seidel aus dem brandenburgischen Hennigsdorf. Welche Nachrichten kriegte Seidel in der vergangenen Woche also auf sein Telefon gesprochen?

„Guten Tag Herr Seidel, ich rufe von einem Unternehmen an, das im Taunus ansässig ist, Wasserfilter produziert und, so ganz nebenbei, in Wiesbaden einen Fußballverein finanziell unterstützt. Ich habe hier auf meinem Tisch einen Auftrag vom Wasserwerk Hennigsdorf liegen. Und ich hoffe wirklich, dass wir am kommenden Montag nicht versehentlich einen defekten Filter einbauen werden. Sie wollen bestimmt auch nicht, dass Sie, Ihre Familie und Ihre Freunde und all die anderen braven Bürger von Hennigsdorf demnächst an Durchfallerkrankungen und Erbrechen leiden, oder? Also dann, ein schönes Wochenende!“

„Hallo, hier ist Ihre Volkswagen-Vertragswerkstatt. Wir haben hier ja Ihren Wagen zur Inspektion. Ich soll Sie fragen, und das kommt von ganz oben, ob Sie am Samstag nicht in unserem gemeinsamen Interesse pfeifen könnten. Bedeutet, dass Sie, obwohl der BTSV Werbepartner unserer Unternehmensbank ist, gegen den BTSV pfeifen. Die Eintracht soll nämlich nicht aufsteigen, denn der Konzern garantiert dem VfL, wie anderen Franchisenehmern übrigens auch, Gebietsschutz. In diesem Fall auf dem Gebiet erste und zweite Bundesliga. Kurzum, pfeifen Sie vernünftig. Sonst lassen wir am Montag unseren kiffenden Schülerpraktikanten noch vor der Frühstückspause alle Bremsenkomponenten Ihres Wagens aus- und wieder einbauen. Auf Wiederhören!“

„Guten Tag, ich rufe an im Auftrag der hessischen Staatskanzlei, Wiesbaden. Wie sie vielleicht wissen, prüft Hessen eine Verfassungsklage gegen den Länderfinanzausgleich, weil es jährlich Milliarden für weniger tüchtige Länder wie Brandenburg ausgeben muss. Hessen könnte von einer Klage absehen, wenn es aus den Nehmerländern ein kleines Zeichen der Dankbarkeit erhielte. Rufen Sie also bitte zurück und erklären Sie, wie Sie persönlich als Brandenburger im Rahmen der Aktion ‚Solidarität ist keine Einbahnstraße‘ Gutes für Wiesbaden tun können, damit Ihre Dorfjugendlichen sich auch zukünftig in topmodernen Buswartehäuschen besaufen können.“

„Hallo Jan, du kleiner Arschbandit, hier spricht dein Schiedsrichter-Obmann. Braunschweig geht klar, gell? Du erinnerst dich an die Anweisungen aus der DFB-Zentrale? Damit das Premium-Produkt Dritte Liga für die Allgemeinheit interessant bleibt, muss Eintracht der Liga unbedingt erhalten bleiben! Lass die bloß nicht gewinnen und am Ende aufsteigen! Wenn du Mist baust, musst du zur Nachschulung: Und zwar in dieser weißen, engen Hose, durch die man deinen schwarzen Slip so gut sehen kann. Schlaf schön!“

„Guten Tag mein Sohn Jan, ich ruf an aus dem Büro des Vatikan. Dem heiligen Vater missfällt die aktuelle Tabelle in Liga drei: Vorne stehen diese Protestanten aus Braunschweig und die inzwischen vorwiegend serbisch-orthodoxen Offenbacher. Dann diese schrecklichen Heiden aus Rostock, die noch an Thor und Wotan glauben. Die Regensburger sind durch diese bedauerlichen Vorfälle im Internat der Domspatzen in Ungnade gefallen. Bleibt also nur der SV Wehen-Wiesbaden, der halbwegs das Banner der heiligen katholischen Kirche in der Liga hochhalten könnte. Mein Sohn, hilf Wehen. Oder möchtest du herausfinden, ob es eiskalt mordende Mönche, so wie im Da Vinci Code, wirklich gibt? Friede sei mit dir.“

Darum: Wer unter euch frei von Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf Schiedsrichter Seidel. Oder auf sein Auto. Vorausgesetzt natürlich, er weiß, wo es steht.

7 Responses to “Schiedsrichter, Telefon!”

  • Zum letzten Telefonat wird dann auch der Spruch „den Papst in der Tasche haben“ verständlich.

  • Naja, wenn ein Uli Hoeneß los poltert, bekommt es die Fußballwelt wenigstens mit. Hier besteht jetzt dieGefahr, dass außerhalb Braunschweigs und teilweise Wehens keine Sau mitkriegt, was passiert ist und dass Herr Seidel zumindest unfähig ist, diese Liga zu pfeifen – von Betrug möchte ich vorerst noch nicht reden, ich warte noch auf die Antwort vom DFB. Der, hoffe ich, wird durch die Skandale der letzten Jahre doch sicherlich sensibilisiert sein.

  • Und Uli Hoeneß was hätte dann gemacht? Rumgetobt und verlangt, dass der Schiri nie mehr ein Spiel der Eintracht pfeift, ok – aber die Punkte hätte er auch nicht bekommen.
    Aber sieh’s positiv: besser so einen Mist am Anfang der Saison als am Ende.

  • Genau so ist es ja auch. Führt Eintracht 2:0, kann man sich ja denken, was die schnellen Spitzen wahrscheinlich mit den Wehenern gemacht hätten. Aber es kam nunmal nicht so. Klar war es ein gutes Spiel der Wehener und sie selber sind auch nicht schuld an der Leistung(darf man das so nennen; sagen wir Anwesenheit) des Schiris. Im Normalfall hätte Eintracht einen dreckigen Sieg eingefahren, hätte sich den Mund abgewischt und wäre nach Hause gegangen. Schade, dass Eintracht keinen Uli Hoeneß in seinen Reihen hat und lieber der Schuld der eigenen Mannschaft gibt. Was soll man tun. So ist das Leben nunmal.Drei Punkte, die letzte Saison zumindest zur Aufstiegsrunde berechtigt hätten, fehlen nunmehr. Sehr schade!!!!

  • Die fraglichen Szenen waren eindeutig, da brauchen wir gar nicht drüber diskutieren, und auch dass das Spiel anders ausgegangen wäre. Mich wunderte halt nur, dass in den diversen TV- und Zeitungsberichten (inkl. Interview mit Eurem Trainer) der Sieg trotzdem als „verdient“ bezeichnet wurde. Aber das hast Du ja schon im Kommentar in meinem Blog erklärt – vielen Dank, das kam in den Berichten eben nicht so deutlich raus.

  • Moin Gunnar,

    es geht nicht um den Sieg für Wehen, sondern um die entscheidenden Szenen, die Herr Seidel nunmal in den Sand gesetzt hat. Wir sind uns sicherlich alle einig, auch alle Welt, dass das Spiel eine komplett andere Wendung nimmt, wenn Herr Seidel den glasklaren Elfer in der ersten halbzeit gibt oder das Tor von Krupkke. Deshalb finde ich es schwierig, Wehen einen verdienten Sieg zu attestieren, wenn das Spiel derart von offensichtlichen Fehlentscheidungen bestimmt wurde. Denn die kann man nicht ausblenden und so tun, als wäre es um zwei Mal falschen Einwurf gegangen.

    Zum Glück ist der Spielbericht auf der Webseite des NDR nachzuschauen, da kann dann alle Welt sehen, was passiert ist. Ich selber rede nicht von Betrug, andere tun es aber.

  • Ist völlig verständlich, dass man als Braunschweiger ob der Schiri-Leistung nicht gerade entzückt ist, aber wie kommt’s, dass trotzdem alle Welt von einem „verdienten Sieg“ des SVWW spricht?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*