Landeshauptstadt schafft sich ab

On 5. September 2010 by gialloblu

In Hannover ist es schön.

Die Zeitschrift Der Spiegel veröffentlichte letzten Montag einen Vorabdruck aus Thilo Sarrazins viel diskutiertem Buch über die gescheiterte Integration muslimischer Migranten in Deutschland. Vom Erfolg dieses Bestsellers angespornt setzte sich der prominenteste Mitarbeiter der Bundesbank am Dienstag gleich wieder an die Tastatur, um ein weiteres Buch zu schreiben. Diesmal ist es nicht Der Spiegel, sondern die leopedia, die sich das Recht sicherte, exklusiv einen Auszug aus seinem allerneusten Buch abzudrucken:

Leben Fußballfreunde grundsätzlich am Rande unserer Gesellschaft, oder gibt es auch Beispiele für eine gelungene Integration? Hier lohnt ein Blick auf die Fans der Vereine Eintracht Braunschweig und Hannover 96. Nehmen wir einfach an, dass der typische Eintracht-Fan ein typischer Einwohner Braunschweigs und der typische 96-Arenakunde ein typischer Einwohner Hannovers ist. Vergleicht man nun Werte Braunschweigs und der anderen Stadt im aktuellen Städteranking, kann man statistisch nachprüfbare Wahrheiten über Eintracht-Fans und über 96-Kunden ableiten, die in der Öffentlichkeit jahrzehntelang tabuisiert wurden.

13,6% aller Braunschweiger haben einen Hochschulabschluss, jedoch nur 11,2 % der Hannoveraner. Die Arbeitslosenquote in Hannover (12,7%) ist höher als die in Braunschweig (10,2%). Ebenfalls in der Fertilität – der Demografie-Index von Hannover (102,5) ist günstiger als jener von Braunschweig (91,0), die Bevölkerung dort also jünger – und der Kriminalität wird Braunschweig vom westlichen Nachbarn abgehängt: In Hannover werden jährlich 15.059 Straftaten pro 100.000 Einwohner begangen, in Braunschweig nur 10.554.

Nun kann man diese statistischen Werte ganz einfach auf beide Fanlager übertragen. Und schon stellt man fest, dass der durchschnittliche 96-Kunde im Vergleich zum typischen Eintracht-Fan eine geringere Bildungsbeteiligung hat, schlechter in den Arbeitsmarkt integriert und deshalb im höheren Maße von Sozialtransfers abhängig ist. In seiner reichlich vorhandenen Freizeit setzt er grün-weiß-schwarze Schals tragende Kinder in die Welt, an die er außer seiner Dummheit wenig zu vererben hat. Mit höherer Wahrscheinlichkeit schlägt er seine Frau und klaut Omas ihre Handtaschen. Verglichen mit einem Eintracht-Fan erscheint der 96-Kunde wie ein muslimischer Integrationsverweigerer.

Die Ursache für diesen Unterschied ist wohl genetisch bedingt: Alle Hannoveraner teilen ein bestimmtes Gen, dass zu einem Mangel an Fleiß, Tüchtigkeit und Rechtsbewusstsein führt. Ganz anders das Braunschweig-Gen: Es macht Menschen klug, wirtschaftlich erfolgreich und lässt sie zu einer Stütze unserer Gesellschaft werden.

Sicherlich wird es in der kommenden Woche die üblichen Empörungsreflexe geben, besonders von  Ministerpräsidenten, die einst am Ufer der Leine regierten: SPD-Chef Gabriel wird den Parteiausschluss Sarrazins fordern. Bundespräsident Wulff wird darauf hinweisen, dass es durchaus Beispiele für eine gelungene Integration von Arenakunden gibt. Sozialverbände werden mehr Geld für irgendwelche Maßnahmen in Maschseehausen fordern. Der Zentralrat der Muslime wird erleichtert zur Kenntnis nehmen, dass endlich mal auf eine andere Minderheit eingeprügelt wird. Nur Thilo Sarrazin wird zufrieden lächeln. Per Brief oder E-Mail wird er wieder viel Zustimmung erhalten und vielleicht schon ab nächster Woche mit einem zweiten Buch auf der Bestseller-Liste stehen.

3 Responses to “Landeshauptstadt schafft sich ab”

  • Absolute Zustimmung zu Bibers Comment! Tolle Seite!

  • Hallo ihr Fuenf!

    Eure Seite ist echt klasse.

    Es ist immer wieder ein Highlight, wie Ihr aus Banalitaeten Geschichten zum Schmunzeln mit ein bißchen Wahrheit schreibt. Das ist ganz großer Sport!

    Macht weiter so.

    Viele Grueße
    Biber

  • Moin @galliblue

    sauber analysiert und folgerichtig abgeleitet.

    Bliebe allerdings noch die Frage, wie es in Städten/Arenen aussieht, die im Ranking überhaupt nicht vorkommen. Es gibt dünn besiedelte Landstriche östlich von Braunschweig, in denen der Arbeitsmarkt offenbar von Menschen geprägt ist, die man nur an Bändern nach festen Vorgaben beschäftigen kann. Ähnliches spielt sich dann in der dortigen Arena ab. Wird das Vereinslied nicht an der Anzeigentafel angezeigt, irren die Menschen hilflos umher und reagieren verwirrt auf die 3, die da offenbar mitsingen.
    Im Gegensatz zum gemeinen Hannoveraner scheint dort die Produktion grün-weiss-beschalter Nachkommen ebenfalls nicht zu funktionen, denn die Zahl steigt nur sehr langsam (vermutlich müsste man auch das Verfahren an der Anzeigentafel beschreiben)

    BGG

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