Fremdgehen lohnt sich

On 22. September 2010 by togo

Man muss ja nicht mit jeder ins Bett steigen. Augen auf beim Auswärtsspiel!Mit dem eigenen Lieblingsverein ist es doch ein Stück weit wie in einer Ehe. Gegessen wird zwar zuhause, in meinem Fall also im Eintracht-Stadion, aber Appetit holen kann man sich zwischendurch ruhig auch mal „auswärts“. Und damit sind nicht die BTSV-Spiele sonst wo in Deutschland gemeint, sondern Partien anderer Vereine, die mir aus irgendeinem Grund ein wenig ans Herz gewachsen sind.

Die SpVgg Unterhaching ist einer dieser Vereine. Warum ich die Münchner Vorstädter mag? Keine Ahnung. Kann sein, dass es daran liegt, dass die Partie der SpVgg bei meiner Eintracht in der Saison 89/90 das allererste BTSV-Heimspiel war, dass ich mir als damals 15jähriger ohne meine Eltern angeschaut habe. Für einen Hildesheimer Schüler war die Löwenstadt damals schließlich fast schon ne Weltreise – der eigene Etat gab so etwas selten her, der Zeitaufwand war immens.

An das Spiel selbst kann ich mich sogar noch gut erinnern. Es war der 16. Dezember 1989, Eintracht gehörte zur Spitzengruppe der zweiten Bundesliga, die Hachinger steckten ganz tief im Abstiegskampf. Ich stand in der noch lange nicht überdachten Südkurve, die Partie ging vor 7000 Zuschauern bei konstantem Nieselregen 0:0 aus. Die blaugelben Götter fanden über 90 Minuten keine Mittel gegen den bayerischen Abwehrriegel – bei aller Borniertheit und Parteilichkeit, derer ich damals fähig war: den Punkt hatte sich die SpVgg verdient.

Seitdem habe ich Unterhaching irgendwie immer im Auge behalten. Den Aufstieg bis in die Bundesliga, die Rolle als Meistermacher des FC Bayern München, die Abstiege. zurück in die Drittklassigkeit. Immer wieder habe ich mir Auswärtsspiele der SpVgg angeschaut, wenn ich „in der Nähe“ war. In der letzten Zeit waren das hauptsächlich die Partien bei den Amateuren von Werder Bremen.

Der Mannschaftsbus der SpVgg Unterhaching: Als hätte Bremen keinen Flughafen!

Der Mannschaftsbus der SpVgg Unterhaching: Als hätte Bremen keinen Flughafen!

Letzten Freitag war es mal wieder so weit. Die SpVgg Unterhaching besuchte die Zwoote des SV Werder – ein echtes Kellerduell, 15. gegen 17., beide Teams hatten zu diesem Zeitpunkt erst sechs Punkte auf dem Konto. Das Toupet hatte mich auf diesen Leckerbissen des siebten Spieltages aufmerksam gemacht – zu meiner Schande muss ich eingestehen, dass ich die Paarungen des Wochenendes mit Ausnahme der Eintracht nicht wirklich auf dem Schirm hatte. Das war allerdings kein Grund, nicht ein paar Termine zu verschieben, damit ich die 80 Kilometer zum Osterdeich antreten kann.

Das Spiel selbst hielt dann lange Zeit, was die Tabellenkonstellation versprach: Not gegen Elend, Pest gegen Cholera, Hannover gegen Wolfsburg. Werder spielte herzlos, Haching verkrampft. Das Highlight der ersten Spielhälfte war entsprechend das Steak im Brötchen, das ich mir als Abendbrot gönnte.

Bremer Pilotprojekt? Die billigsten Stehplätze gibt es bei Werder für lau.

Bremer Pilotprojekt? Die billigsten Stehplätze gibt es bei Werder für lau.

Die zweite Hälfte allerdings entschädigte für die Magerkost der ersten 45 Minuten. Plötzlich entwickelte sich der so gern beschriebene offene Schlagabtausch, Werder ging in Führung, Haching glich aus und zog mit zwei weiteren Treffern davon. Soweit der Spielbericht im Steno, den jeder überall nachlesen kann. Wichtig war aber neben dem Platz: 10 Hachinger (wo war Puschel?), unterstützt von ein paar norddeutschen Sympathisanten, sorgten für die Stimmung und schrien das Team zum Sieg – dass das so war, betonten einige Spieler nach der Partie ausdrücklich. Was den „echten“ Haching-Fans etwas weh tun dürfte, ist folgendes Zitat: „Macht doch zuhause auch mal sowas“. Autsch…

Vom Werder-Anhang war das komplette Spiel über nichts zu bemerken. Lediglich eine Gruppe Minderjähriger, die anscheinend versuchte, den „Auswärtsblock“ (gab es so nicht, denn den Gästebereich hatte Werder gar nicht erst geöffnet) zu stürmen, zumindest aber Stress anzuzetteln. Um den Jungs diesen Zahn zu ziehen, brauchte es gerade mal drei Ordner, die böse guckten. Es blieb also ruhig.

Kleiner, aber feiner - und vor allem lauter - Gästemob ;)

Kleiner, aber feiner - und vor allem lauter - Gästemob 😉

Richtig platt allerdings war ich nach der Partie. Auf Anregung des Toupets brachte mir Hachings Zeugwart Wolfgang Binderberger ein Original Spielertrikot des Vereins, als Geschenk und Dankeschön für die Unterstützung. Wow! Das nenne ich Sympathiewerbung 😉 Fremdgehen lohnt sich manchmal eben.

Übrigens, dieses Trikot wird natürlich nie seinen Weg zu Ebay finden. Denn da bin ich mir mit dem Toupet einig: Es gibt nichts Schäbigeres als diese ganzen Trikot-Bettler, die nichts Besseres zu tun haben, als ein geschenktes Shirt sofort weiter zu verkaufen. Davon haben wir in Braunschweig ja leider auch den einen oder anderen…

Trikot für den Togo: Ein Geschenk der SpVgg Unterhaching!

Trikot für den Togo: Ein Geschenk der SpVgg Unterhaching!

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