Impressionen vom Dorf

On 2. Oktober 2010 by togo

Hurra, das ganze Dorf ist da!Der eigentliche Grund, warum Eintracht nicht aufsteigt, ist ein Aufstiegsverbot seitens des Niedersächsischen Fußball-Verbandes. Denn, wie langweilig und trist wäre der niedersächsische Verbandspokal, seit dieser Saison benannt nach einer nicht-niedersächsischen Biermarke, wären da nicht die Löwen. Und dann müssten sich die ganzen Fußballdörfer wie Oldenburg, Meppen oder Wilhelmshaven selbst unterhalten.

Am vergangenen Mittwoch absolvierte die Eintracht mal wieder eines dieser legendären Spiele im Über-die-Dörfer-Pokal. Der Halbfinal-Gegner: Niedersachsen-Ligist TSV Ottersberg. Was? Wo liegt das denn? Die Leopedia, Euer Online-Magazin für Geographie und Autobahnkunde, hilft gern nach: Ottersberg ist eine Siedlung im Landkreis Verden, rechts von Bassen und links von Rotenburg/Wümme (also da, wo es keine Menschenfresser gibt). Mein Erdkundelehrer nannte sowas immer Tundra. Und genau so sieht es da auch aus. Was irgendwie seltsam ist, denn wenige Kilometer weiter spielt der TuS Heeslingen – bei dem musste Eintracht vor einigen Monaten antreten, ebenfalls im Halbfinale des NFV-Pokals – in einer irgendwie viel freundlicheren Atmosphäre. Doch während man in Heeslingen als Gästefan herzlich aufgenommen wurde, herrschte in Ottersberg (übrigens nicht zu verwechseln mit dem Otterzentrum in Hankensbüttel) eine eher maue Stimmung.

Eine Stimmung wie in Wolfsburg: Stille Beobachter beim TSV Ottersberg

Eine Stimmung wie in Wolfsburg: Stille Beobachter beim TSV Ottersberg

Diese Stimmung schlug sich vor etwa 800 Zuschauern („Hurra!“) auch auf das Spiel nieder. Der BTSV tat das, was ein Favorit gemeinhin tut: Er dominierte. Gefühlte 95% Ballbesitz allerdings brachten in der ersten Hälfte lediglich ein Tor zustande, und das war auch noch irregulär, denn Dominik Kumbela hatte die Pille in der zweiten Minute mit dem Arm mitgenommen. Für das Spiel war dieses Tor wohl Gift, denn die Gastgeber brachten kaum was zustande, während Eintracht früh mit dem Verwalten anfing.

VIP-Tribüne in Ottersberg, Catering-Service inklusive.'

VIP-Tribüne in Ottersberg, Catering-Service inklusive.

Erst in der zweiten Hälfte machte Eintracht Ernst und schraubte das Ergebnis auf ein halbwegs standesgemäßes 4:0 hoch. Dass es so kam, das verdankten die Fans maßgeblich zwei Akteuren. Erst einmal Dennis Kruppke, der zum Seitenwechsel für den aktiven Kumbela eingewechselt wurde – der Kapitän machte mächtig Dampf. Und Karim Bellarabi. Unser Jung-Nationalspieler, der hoffentlich dem zu frühen Ruf des Geldes widerstehen kann, kam nach einer guten Stunde für den an diesem Tag etwas unkonzentriert wirkenden Julius Reinhardt auf den Platz und netzte umgehend zum 2:0 ein. Der Drops war spätestens mit dem 3:0 durch Boland fünf Minuten später gelutscht, dem ebenfalls eingewechselten Dennis Lemke gelang mit dem vielleicht schönsten Treffer des Tages – einem Drehschuss aus 15 Metern – das 4:0.

Marc Arnold stellt sich den zahlreichen Interviewwünschen.

Marc Arnold stellt sich den zahlreichen Interviewwünschen.

Finale erreicht, DFB-Pokal erreicht. Mund abwischen, weiter machen. Sympathiepunkte hat sich die Eintracht, im Gegensatz zur Heeslingen-Partie, in Ottersberg sicherlich nicht erspielt. Aber das war angesichts der eisigen Stimmung des Heimpublikums von Anfang an klar. Unglaublich, wie unterschiedlich Mentalitäten bei vielleicht 20 Kilometern Entfernung ausfallen können.

Eintracht im Vorwärtsgang. Der BTSV gewann den lockeren Aufmarsch mit 4:0.

Eintracht im Vorwärtsgang. Der BTSV gewann den lockeren Aufmarsch mit 4:0.

Was wäre sonst noch wichtig? Krombacher Alkoholfrei schmeckt wie der berühmte Knüppel auf den Kopf. Die nicht-kastrierte Variante fiel für mich als Autofahrer ja von vornherein aus der Auswahl heraus. Und: Eintracht macht nicht überall Stimmung. Anfeuerungen gab es an dem Tag nämlich keine. Auch nicht schön.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*