Wolfgang Frank

On 15. Oktober 2010 by gialloblu

Wolfgang Frank hat einen neuen Job!Zuletzt war Länderspielpause, also war aus Braunschweiger Sicht in der Liga nichts los, stimmt’s? Falsch! Ein ehemaliger Einträchtler kehrte unter der Woche auf die Trainerbank zurück: Wolfgang Frank, unsere Torfabrik während der Glanzzeit Mitte der 70er Jahre, schwingt seit Dienstag bei Carl Zeiss Jena das Zepter. Beziehungsweise schwingt er dort seit Dienstag das Pendel. Denn Wolfgang Frank gilt als esoterischer Trainer. Spieler und Manager von Franks früheren Vereinen berichteten über merkwürdige Trainingsmethoden.

Oft kommt es vor, dass erfolgreiche Trainer irgendwann im Laufe ihrer Karriere an jenen Ort zurückkehren, an dem sie Jahre zuvor als Spieler Erfolge feierten: Franz Beckenbauer bei den Bayern oder Otto Rehhagel in Kaiserslautern. Andere bleiben ihrem Verein nach Ende der Karriere gleich lückenlos erhalten, zunächst als Trainer im Nachwuchsbereich, später als Trainer der Profis: Thomas Schaaf bei Werder, Torsten Lieberknecht beim BTSV. Nun stelle man sich vor, das Undenkbare wäre im Sommer geschehen, und Lieberknecht hätte die Eintracht verlassen, um einen vakanten Trainerstuhl in Hamburg, Berlin oder Wolfsburg zu besetzen. Vielleicht wäre Wolfgang Frank in diesem Fall ein möglicher Kandidat für das Traineramt in Braunschweig gewesen.

Doch wie wäre Eintrachts Saison bisher verlaufen, wenn Wolfgang Frank unser Trainer wär? Die beschriebenen Trainingsmethoden entsprechen jenen aus Franks früheren Trainerstationen:

Wie einst in Mainz (1996 – 2000) bringt Frank Eintrachts Spieler zunächst dazu, sich morgens vor dem Spiegel mit Motivationssprüchen wachzurütteln. Wie Samurai-Krieger trinken sie Grünen Tee und legen sich Tätowierungen zu, weil diese angeblich aggressiv machen. Pech für Dominik Kumbela, der frisch tätowiert von einem Fremden in der Disco komisch angeguckt wird und ungelassener als sonst reagiert. Der Richter kennt keine Gnade, so dass Kumbi sein erstes Saisontor gegen die JVA Wolfenbüttel statt gegen Dynamo Dresden erzielt. Pech auch für Damir Vrancic, der, wie einst Freddie Ljungberg, allergisch auf Tattoo-Tinte reagiert und erneut für eine Saison ausfällt. Ohne die beiden Leistungsträger schießt Eintracht nur vier Tore in den ersten fünf Spielen – Saisonstart misslungen!

Wie einst beim MSV (2000) verlängert Frank daraufhin die Trainingsdauer. Aktives Erwachen ab acht Uhr morgens, Jonglier- und Gleichgewichtsübungen. Beim Waldlauf soll jeder Spieler sich einen Baum suchen, diesen umarmen und die Energie spüren. Wie einst Duisburgs Abwehr-Urgestein Jörg Neun beschließt nun Deniz Dogan seine Karriere augenblicklich zu beenden. Ohne ihn verliert die Eintracht in Aalen und steht plötzlich auf einem Abstiegsplatz.

Bald folgt das Kellerduell in Bremen. Wie einst in Wehen (2008 – 2009), vor dem Kellerderby beim FSV Frankfurt, probiert Trainer Frank etwas Neues: Er lässt seine Spieler im Training absichtlich neben das Tor schießen. Endlich eine Maßnahme, die die Mannschaft im Spiel hundertprozentig umsetzt! Im Gegensatz zum BTSV kann Werder II sich durch diesen Sieg aus dem Tabellenkeller befreien.

Welches Fazit folgt aus diesem Gedankenspiel? Erstens sollten wir froh sein, dass Torsten Lieberknecht weiterhin Trainer der Eintracht ist. Zweitens sollte man bedenken, dass Joachim Löw oder Mainz‘ Trainer Thomas Tuchel oft mit ähnlichen Methoden arbeiten. Und drittens, dass Wolfgang Frank schon Anfang 2009 Trainer in Jena hätte werden sollen. Denn wen hätte er damals dort alles trainieren können: Zum Beispiel Andre Schembri, der auf Eintrachts entscheidendes Spiel zur Drittliga-Qualifikation 2008 verzichtete, um für Malta einen wertlosen Freundschaftskick in Österreich zu verlieren. Oder Lars Fuchs, dem man für 2013 einen Job im Marketing bei den Bordeaux-Goldenen versprochen hat, der also auf den VIP-Plätzen AWD-Wolldecken verteilen und leere Sektpullen abräumen wird. Ja, beiden ehemaligen Eintracht-Spielern hätte ich gerne mal eine Trainingseinheit unter Wolfgang Frank gegönnt, einschließlich das eigene Spiegelbild anbrüllen und Bäume umarmen. Nur absichtlich neben das Tor schießen hätten sie nicht üben brauchen, denn diese Kunst schienen sie schon zu beherrschen, als sie noch das Eintracht-Trikot trugen.

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