Liste: Die 10 blödesten Stadionnamen

On 25. Oktober 2010 by togo

Manche Sponsoren unterstützen, ohne den Traditionsnamen zu zerstören.Die Zeiten, in denen ein Fußballstadion so hieß wie es nunmal hieß, sind schon lange vorbei. Heutzutage greift eine wahre Umbenennungsflut, im Zuge der Überkommerzialisierung des Sports, immer mehr um sich und sorgt dafür, dass sich die Fans an ständig neue, nicht selten reichlich bescheuert klingende Stadiennamen gewöhnen müssen, weil sich ein Sponsor eine super Werbewirkung davon verspricht, einen Traditionsnamen verschwinden zu lassen. Die Leopedia, Euer Online-Magazin für Namensrecht, hat sich für Euch die Stadiennamen der ersten drei Ligen angeschaut und die Top-Ten der blödesten Stadionnamen ermittelt. Wie immer höchst subjektiv und auf keinen Fall nachvollziehbar.

Platz 10: Signal-Iduna-Park, ehemals Westfalenstadion, Borussia Dortmund

Die armen Westfalen! Da haben sie nicht einmal ein eigenes Bundesland, sondern sind nur ein Namensteil NRWs. Und dann klaut man ihnen auch noch ‚ihr‘ Stadion! Signal Iduna ist übrigens eine Versicherung, auch wenn es sich mehr nach einer Zahnpastamarke anhört.

Platz 9: Easycredit-Stadion, ehemals Frankenstadion, 1.FC Nürnberg

Den Franken geht es noch schlimmer als den Westfalen, denn sie kommen im Namen des Bundeslandes Bayern gar nicht erst vor. Wer weiß, wie übel es ein Franke nimmt, wenn man ihn als Bayern bezeichnet, kann sich denken, wie gemein es ist, auch noch den letzten Rest an Identifikation wegzunehmen. Und, ganz nebenbei, was braucht ein eh schon überschuldetes Volk wie die Deutschen noch weniger als einfache Kredite?

Platz 8: AWD-Arena, ehemals Niedersachsen-Stadion, Hannover 96

Bezahlen durften die Niedersachsen für das Stadion des Staatsvereines zwar immer gern und viel, im Namen vorkommen aber dürfen sie seit 2002 nicht mehr. Seitdem trägt das Stadion in der Landeshauptstadt nach Englands Gnaden den Namen des umstrittenen „Finanzoptimierers“ AWD. Gleich und gleich gesellt sich manchmal eben gern.

Platz 7: Imtech Arena, früher Volksparkstadion, Hamburger SV

Beim HSV ist es gleich das ganze Volk, das zugunsten eines Sponsoren aus dem Stadionnamen raus fliegt. Übrigens hat die Stadt Hamburg das im Altonaer Volkspark einst teuer erbaute Stadion 1998 für eine symbolische Mark an den HSV verkauft. Es geht also auch anders herum.

Platz 6: Karl-Liebknecht-Stadion, früher Sportplatz an der Priesterstraße, SV Babelsberg 03

Keine Umbenennung zugunsten eines Sponsoren, denn der Sportplatz an der Priesterstraße erhielt seinen heutigen Namen bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg im Zuge der sozialistischen Einheitsnamensgebung, aber doch ein Fall für die zehn blödesten Stadionnamen. Anscheinend sehnt sich mancher im Osten nach der Guten Alten Zeit zurück. Denn anders ist es nicht zu erklären, warum das Stadion im Potsdamer Stadtteil Babelsberg auch 20 Jahre nach dem Ende des real existierenden Sozialismus weiterhin nach dem Kommunisten Karl Liebknecht heißt. Rosa Luxemburg und Lila Liechtenstein lassen grüßen.

Platz 5: rewirpower-Stadion, ehemals Ruhrstadion, VfL Bochum

Bereits der Name des Sponsoren an sich ist ein markentechnischer Blödsinn: rewirpower – da wollte jemand definitiv viel zuviel Botschaft in einen einzigen Namen packen. Warum hier der Praktikant den Namen vorschlagen durfte – keine Ahnung. Raus mit der Ruhr, rein mit rewirpower, das klingt richtig schrecklich. Aber sehen wir es mal positiv, denn es könnte auch schlimmer sein, wie die folgenden Plätze beweisen…

Des Ruhrstadions neuer Name: Das rewirpower-Stadion. Wurde der Fluss auch umbenannt?

Des Ruhrstadions neuer Name: Das rewirpower-Stadion. Wurde der Fluss auch umbenannt?

Platz 4: Gagfah-Arena, vormals Albstadion, 1.FC Heidenheim

Abkürzungen haben es manchmal an sich, albern zu klingen. Im Falle des Deutschland weit tätigen Wohnungsunternehmens Gagfah ist das wohl der Fall – den 1.FC Heidenheim aus der Dritten Liga wird das sicherlich nicht stören. Er bekommt ordentlich Geld dafür, dass das mit städtischem Geld ausgebaute städtische Stadion künftig eine Menge Lächeln auf die Lippen der Fußballfans zaubern wird.

Platz 3: Scholz-Arena, davor Städtisches Waldstadion, VfR Aalen

Bereits die Bezeichnung Arena ist für Stadien, die weit unter 20.000 Plätze fassen, ziemlich unangebracht. Wenn dann auch noch der namensgebende Sponsor einen der häufigsten Nachnamen Deutschlands führt, was den Werbeeffekt doch arg minimiert, ist die Grenze zum Lacherfolg ziemlich fließend.

Platz 2: Schauinsland-Reisen-Arena, früher MSV-Arena, davor Wedaustadion, MSV Duisburg

Vor wenigen Jahren noch wehrte sich die Anhängerschaft der Zebras erfolgreich gegen den Verkauf der Namensrechte an den Stromverkäufer RWE. Zu dieser Saison allerdings machte der MSV dann doch Ernst und benannte den Stadionneubau, der zwischen 2003 und 2004 an der Stelle des traditionsreichen Wedaustadions entstand, nach einem Sponsoren. Jetzt heißt das Stadion eben Schauinsland-Reisen-Arena. Vielleicht lag der damalige Protest der Duisburger Fans wohl doch hauptsächlich an der Namensgleicheit RWEs mit einem ehemaligen Bundesligisten aus dem Ruhrgebiet?

Platz 1: Trolli-Arena, ehemals Ronhof, SpVgg (Greuther) Fürth

Nein, die Fußballgeschichte hat es wirklich nicht gut gemeint mit dem ehemaligen Traditionsverein SpVgg Fürth. Erst musste man dem Dauerrivalen 1.FC Nürnberg immer häufiger den Vortritt lassen, dann fusionierte man mit der SpVgg Vestenbergsgreuth von 1974 zur SpVgg Greuther Fürth und wurde damit zum Inbegriff der Fusionsvereine in Deutschland. Und als wäre Tradition etwas Störendes, wurde der Name des seit 1910 (!) existierenden Stadions Ronhof 1997 (damit war man immerhin Vorreiter) in Playmobil-Stadion geändert. Die kindgerechte Namensgebung fand diesen Sommer mit der Umbenennung in Trolli-Arena ihre Fortführung. Und obwohl der Autor  dieses Beitrages durchaus ein Fan der Süßwaren aus dem Hause Trolli ist: Den ersten Platz bei den 10 blödesten Stadionnamen hat sich der Fusionsverein aus dem Nürnberger Nordwesten redlich verdient. Denn was für Weingummi ein toller Name ist, kann bei einem Stadion komplett lächerlich klingen. Vor allem, wenn man bedenkt, was ein „Troll“ neudeutsch bezeichnet. Aber eigentlich reicht als Begründung auch die alte…

7 Responses to “Liste: Die 10 blödesten Stadionnamen”

  • Platz 1 der blödesten Stadionnamen, wohl ganz eindeutig:

    Glücksgas Stadion, ehemals Rudolf Harbig Stadion Dresden.

  • Karl Liebknecht (SPD) war der einzige Reichstagsabgeordnete der 1914 gegen die Verlängerung von Kriegskrediten stimmte! Außerdem gehörte Nowawes (später von den Nazis getilgt und in Babelsberg umbenannt) zu seinem Wahlkreis, den sogenannten Kaiserwahlkreis, den er 1912 für die SPD gewinnen konnte und damit in den Reichstag einzog. Das hat wohl alles wenig mit Ostalgie und real existierenden Sozialismus zu tun!

  • das Karl-Liebknecht-Stadion auf Platz6: euch brennt doch der Helm !!!
    Echt beschämend so etwas zu lesen. Ich würde euch gratis 100 Geschichtsstunden geben und nen Seelenklempner empfehlen, eure Wahl strahlt den Grips von der Wand bis zur Tapette aus

    U.N.V.S.U.

  • Zustimmung an icke!

    Auch wenn ich diesen Blog hier gerne lese, hat mich das gestört. Karl Liebknecht ist nun wirklich keine Figur, die mit den Verbrechen des realexistierenden Kommunismus in Verbindung gebracht werden kann. Aber das bei einigen älteren Menschen, welche in der BRD-Kalter-Krieg-Ära sozialisiert wurden, alles was entfernt an links von der SPD klingt zu allergischen Reaktionen führt, ist ja bekannt. Das wird sich wohl erst in der Zukunft bessern.
    Übrigens ähnlich kurios wäre die Aufnahme des Jahnstadions in Regensburg in die Liste gewesen, mit dem Verweis auf die Jahn-Rezeption in der Zeit des Nationalsozialismus…

  • aha, PLatz 6 für das Karl-Liebknecht-Stadion.

    Anstatt pauschal das Schlagwort gegen alles Linke „Kommunist“ zu verwenden, sollte der Blogger hier sich vielleicht mal genauer mit der Person Karl Liebknecht auseinandersetzen! Aber das ist ja sicher zu viel verlangt.
    Wenn Karl Liebknecht eine fragwürdige Figur gewesen wäre, wäre der Stadionname wie so viele andere Straßennamen und ähnliches nach der Wende geändert worden. Und die kritische Fanszene in Babelsberg hätte den Namen dann auch nicht zugelassen. Aber ich geb die Hoffnung auf, dass politisch uninteressierte Menschen sich mal konkret mit der Geschichte von Liebknecht und Luxemburg auseinandersetzen. Ist ja viel einfacher aus der Ferne pauschal zu urteilen.

  • Korrektur bei der SpVgg Greuther Fürth. Am 1.7.1996 trat die „Fussballleistungsabteilung“ des TSV Vestenbergsgreuth der SpVgg Fürth bei. Den Gesamtverein vom TSV gibt es heute noch, wo auch wieder unterklassiger Fussball gespielt wird. Bis 2007 allerdings nur im Nachwuchsbereich, seit 2007 wieder mit Herrenfussball.

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