Dem Fußballgott sei Dank!

On 29. Oktober 2010 by togo

Hartplatzhelden samt dazu gehörigem HartplatzEs ist ein Ereignis, das wohl gar nicht hoch genug bewertet werden kann: Die Hartplatzhelden haben gewonnen, der Württembergische Fußball-Verband hat verloren – dem Fußballgott sei Dank! Die Hartplatzhelden dürfen weiterhin von Nutzern erstellte und hochgeladene Inhalte präsentieren. Es ist ein Sieg für die Basis, für den Fußball an sich. Und ein Stück weit auch für die Freiheit. Dabei ist es egal, ob die Hartplatzhelden auf der Webseite Werbebanner einbinden oder nicht. Denn gute Arbeit kostet nunmal Zeit und Geld. Solange niemand dafür bezahlen muss, den kostenlos erhaltenen Inhalt zu sehen, ist es also absolut in Ordnung, wenn Webmaster ihre Kosten mittels geschalteter Werbung auffangen. Und selbst wenn nach Abzug der Ausgaben noch etwas übrig bleibt, sei es den Betreibern von Herzen gegönnt.

Und mal Hand aufs Herz: Wer von Euch damit gerechnet, dass der Bundesgerichtshof das Urteil des Landgerichts Stuttgart kassiert, nachdem die Rechte an Videomaterial „kleiner“ Fußballspiele ausschließlich dem Verband gehören – und nicht den beteiligten Vereinen, Akteuren, Zuschauern? Ich jedenfalls nicht. Und auch sonst war die Hoffnung derer, die gern mal ein paar bewegte, wenn möglich kuriose Bilder von Spielen unterklassiger Ligen sehen, wohl doch eher gering. Denn zu fortgeschritten ist die Vermarktungsmaschinerie, zu selbstverständlich kostet alles Geld. Zu wenig Verständnis für den kleinen Fußball zeigten die davor involvierten Juristen. Und zu ignorant zeigen sich immer wieder die Funktionäre.

Denn genau das war es, was einen langwierigen Prozess und ein BHG-Urteil erst nötig machte: Reine Ignoranz. Es mutet schon seltsam weltfremd an, wenn der Fußball-Landesverband Württemberg, der keinerlei Vermarktung seiner Ligen anbietet und so seinen Mitgliedern auch keine Einnahmen generiert, plötzlich nicht möchte, dass seine Mitglieder selbst Videos von ihren Spielen anderswo publizieren. Diese Haltung ist auch deswegen unverständlich, weil ja keine professionellen Kamerateams über die Plätze rasen, sondern es die eigenen Mitglieder sind, die die Videos heraufladen. Hintergrund dieses Handelns ist anscheinend, dass die Verbände ein ähnliches Angebot betreiben, wie es die Hartplatzhelden bereits seit längerem tun: Eine werbefinanzierte Plattform, auf der kostenlos bezogener User-Content präsentiert wird. Anstatt eine Kooperation zu suchen, von der beide Seiten hätten profitieren können, ging man beim Württemberger Fußball-Verband lieber auf Konfrontationskurs. Weggrätschen wollte man den Konkurrenten, ihn zum Karriereende zwingen.

Hartplatzhelden samt dazu gehörigem Hartplatz: Die Zwoote des FC Bremerhaven beim Trainingskick. Solche Videos dürfen weiterhin angefertigt und veröffentlicht werden. Dem Fußballgott sei Dank!

Das Heimspiel in Stuttgart haben die Württemberger dann auch – dem gesunden Menschenverstand, aber auch dem Rechtsverständnis vieler entgegenlaufend – souverän gewonnen. Als die Verlängerung dann allerdings in Karlsruhe, also in Baden, stattfand, gab es doch noch die gelbe Karte für die Funktionäre. Denn, bei aller Freude über das Urteil, mehr als eine Verwarnung stellt es nicht dar. Schließlich haben die Karlsruher Richter festgestellt, dass der Verband selbst keine Videoaufnahmen auf den Sportplätzen verbieten dürfe. Das obliege dem Hausherren, also den gastgebenden Vereinen. Wenn die ein solches Verbot in ihre Platzordnung aufnähmen, dürften entsprechend keine Videos angefertigt werden.

Ich bin gespannt, welcher Musterschüler sich zuerst eine braune Nase holt und diesen Passus in seine Hausordnung aufnimmt. Denn, dass es Vereine geben wird, die das tun, steht wohl außer Frage. Dabei kann man den Vereinen nur davon abraten, so zu handeln. Denn damit helfen sie nicht sich selbst, sondern lediglich den Verbandsfunktionären, also denen „da oben“. Den Funktionären, die kein Problem damit haben, die Bundesliga sonntags spielen zu lassen, wenn der Amateurfußball seine Partien austrägt. Den Funktionären, die alles dafür tun, dass bereits die Regionalligen unerreichbare Festungen für die meisten Vereine sind, damit weiter oben bloß alle ihren Platz am Futtertrog behalten dürfen.

Auch Kunstrasen ist hart! Meine Jungs von der Zwooten beim gemütlichen Nachmittagskick.

Der Drops ist jetzt gelutscht, die Hartplatzhelden haben einen wichtigen Sieg eingefahren. In erster Linie für sich selbst, natürlich. Aber die Wirkung auf den Amateursport generell sollte nicht unterschätzt werden. Denn das Urteil sagt nichts anderes aus, als dass Verbände eben nicht über ein allumfassendes Nutzungsrecht an den Veranstaltungen ihrer Mitglieder verfügen.

Den Verbandsfunktionären sei noch etwas auf den Weg gegeben: Hört endlich auf, den Fußball zu verkommerzialisieren! Und kümmert Euch wieder um Eure Mitglieder und ihre ureigensten Interessen: Den Fußball! Die Feinde unseres Volkssports sind nicht ein Internetportal, das Videos von Kreisligaspielen zeigt. Sondern die Monopolisten, die den Fußball vor allen verstecken wollen, die nicht zahlen (können). Und die alles dafür tun, damit von unten nichts mehr hoch kommen kann – zumindest keine Konkurrenz!

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