Schweinegruppe

On 29. Oktober 2010 by gialloblu

Wetten, dass diese frische Hundescheiße mehr Niveau hat als Hannover 96-Kunden?Facebook ist toll. Anmelden und Freunde treffen, die man gestern Abend noch in der Kneipe traf. Wer es weniger gemütlich mag, kann beim sozialen Netzwerk auch fremde Menschen treffen, mit denen man noch nie etwas zu tun haben wollte. Zum Beispiel mit Kunden von 96, die sich zuletzt auffällig oft auf Facebook-Seiten von Eintracht Braunschweig tummelten, um ihre erstklassigen Weisheiten mit diesen drittklassigen Blau-Gelben zu teilen. Der häufigste Grund für diese Besuche war der Versuch, unter BTSV-Fans Unterstützung zu finden für eine Gruppe mit dem Titel „Dieses Schwein wird mehr Fan’s haben als Eintracht Braunschweig“, original mit Deppen-Apostroph. Wahrscheinlich sucht die Gruppe „Pro Hausschlachtungen in Mietwohnungen“ Freunde auf Vegetarier-Seiten und „Ich fahr gern Wasserwerfer“ Unterstützer bei den Gegnern von Stuttgart 21.

Wer sind also diese 96er, die auf Fanseiten der Eintracht „Fan’s“ für ihr Schwein suchen? An erster Stelle verdient Maurizio Z. genannt zu werden. Dass bei Maurizio vielleicht nicht nur die Shift-Taste klemmt, lassen Kommentare wie EINTRACHT VERRECKE!!!!! EURE MÜTTER SIND HURENSÖHNE!!!!!!!! vermuten, mit denen er seine täglich geposteten Links zur Schweinegruppe betitelte. Letzten Sonntag wurde es jedoch plötzlich ruhig um Maurizio. Vielleicht liegt’s daran, dass seit Montag die Herbstferien vorbei sind und Maurizio abends wieder früh ins Bett muss. Vielleicht ist aber auch das Fernsehen bei ihm zu Gast, und nächsten Mittwoch sehen wir Maurizio bei „Die Super Nanny – Familie Z. aus Hannover“ fernab seiner Tastatur in der Wuthöhle oder auf der stillen Treppe schmoren.

Facebook ist toll, weil es uns so viel über seine User erzählt. Drei Kriterien erfüllen User wie Sascha A., die Eintrachts Seiten nur deshalb besuchen, weil sie uns mal so richtig die Meinung sagen wollen: „Beziehungsstatus: Single. Interessiert an: Frauen. Gefällt mir: Hannover 96.“ Wenn’s mit den Frauen nicht richtig klappen will, lässt man halt etwas Dampf beim Feind ab. Bemerkenswert wird es dann, wenn das Profil, so wie bei Fabian L., auch tiefere innere Konflikte offenbart: „Musik: Death Metal, Lena Meyer-Landrut.“ Das ist ungefähr so wie: „Filme: Saw I – VI, Findet Nemo“. Oder wie: „Gefällt mir: frisch erlegte Tiere ausweiden, Barbie-Puppen kämmen“. Ähnliche Charaktere kennt man aus dem Fernsehen. Dort werden sie meistens zwei Minuten vor dem Ende des Krimis verhaftet.

Da Fabian nach eigenem Bekenntnis auch Mitglied bei der Feuerwehr ist, braucht man nicht Profiler beim FBI zu sein, um ein Persönlichkeitsbild zu entwerfen: Fabian könnte ein latent aggressiver young white male aus ländlichem Umfeld mit Freiwilliger Feuerwehr und Männerüberschuss sein. Wenn im Dorf Schützenfest ist, knallt er sich reihenweise Lüttje Lagen in den Kopf, stampft mit ein paar Feuerwehr-Kumpels auf ansonsten leerer Tanzfläche zu den Atzen oder zu Scooter, reihert nochmal hinters Festzelt und klatscht auf seinem unbeleuchteten Heimweg einmal voll auf die Nase. Am Sonntag ist ihm dann langweilig, also postet er nachmittags auf der BTSV-Seite bei Facebook seine Variante von „Am Tag, als Eintracht Braunschweig starb“.

Nein, ich gehe jetzt nicht darauf ein, dass seine Idee uralt ist und das Lied seit Jahrzehnten in jedem Stadion gesungen wird. Aber ich will kurz daran erinnern, dass vor ziemlich genau einem Jahr, in den Wochen nach dem Selbstmord ihres Torwarts, die Arenabesucher sämtliche Flächen ihrer Fußgängerzone mit Teelichtern, Teddybären und Grußbotschaften pflasterten. Beste Freundinnen fielen sich in frisch erworbenen 96-Schals heulend in die Arme, sobald eine TV-Kamera auftauchte. Man gefiel sich in der Rolle der öffentlich trauernden, so sensiblen Gemeinschaft, der von allen Seiten Mitgefühl entgegen schwappte. Insofern ist es ja fast eine willkommene Rückkehr zur Normalität, wenn Fabian auf einer Eintracht-Seite einen Text aus den frühen 70ern postet, in dem er sich öffentlich über den Tod des blau-gelben Nachbarn freut.

Doch zurück zur Schweinegruppe: Noch immer hat das Schwein nur ein Viertel der Anzahl von Fans, die der BTSV auf seiner offiziellen Facebook-Seite hat. Da muss das Schwein sich etwas einfallen lassen. Gestern Nacht postete der User, der sich als das Schwein ausgibt, dann ein fotogeshoptes Bild von einer Stuttgarter Demo. Dieses kam bei den 96ern gut an, so dass das Schwein ganz ehrlich antwortete: „… das Bild habe ich als Rache-Aktion gemacht da es auf der Peine-Ost [Seite] auch zu sehen ist.“ Stimmt, dort sieht man seit zwei Wochen einen Fan im Eintracht-Trikot, der statt gegen Stuttgart 21 gegen Hannover 96 demonstriert.

Aus diesem Grund fällt das Fazit über den Bundesligisten von der Leine und seine „Fan’s“ mal wieder enttäuschend aus: Niemals möchte ich mit ihnen zu tun haben, denn sie wiederholen 40 Jahre alte Liedtexte oder erzählen sich 100 Jahre alte Witze. Wenn sie etwas Neues oder Originelles machen wollen, klauen sie sich Ideen aus Braunschweig. Sollten wir vielleicht aus Mitleid in ihre Schweinegruppe eintreten, damit das Schwein endlich seinen Frieden findet? Wir könnten den Usern dann auch erklären, wie man Fans richtig schreibt. Nein, nicht nötig. Denn am Maschsee wird es auch in Zukunft vollkommen ausreichen, wenn man das Wort Kunden richtig schreiben kann.

4 Responses to “Schweinegruppe”

  • Lieber Pepe 37, du bist unglaublich ignorant.
    @togo:
    Ich bin mir nicht ganz sicher, wie tief du im Verein verankert bist, um die „rote“ Seite so gut beurteilen zu können. Genauso verhält es sich hier mit der „gelbblauen“ auch.
    Allerdings ist es einfach nur geschmacklos, diese Thematik als stumpfes Argument in einer „wer ist besser“-Stichelei zu verwenden. Der Tod Enkes war eine Tragödie für viele Menschen und ist dafür einfach nicht geeignet. Weiterhin ist es abwegig, ein Krimidreh im Niedersachsenstadion, in dem (oh Wunder) ein Spieler wohlgemerkt UMGEBRACHT wird, damit in Verbindung zu bringen.
    Einige BTSVler suchen anscheinend händeringend nach Möglichkeiten, um ihr (verständlicherweise) angeschlagenes Selbsverständnis zu verteidigen und ihrem Ärger Luft zu machen. Rivalität und eine Abneigung gegeneinander soll und wird es immer geben, es ist aber schlicht und einfach unpassend und respektlos, den Tod Robert Enkes dafür zu nutzen.

  • Hi Peter Petersen

    Aus Deiner Reaktion schliesse ich mal, daß Du mit einer genetische bedingten Leseschwäche zur Welt gekommen und folglich Anhänger eines Fussballvereins geworden bist, der gemeinhin immer was von Landeshauptstadt faselt.

    Zur Klarstellung…..Enke hat sich selbst umgebracht (und – nur mal so nebenbei-persönliches Leid eines unbeteiligten Lokführers billigend in Kauf genommen); er wurde nicht von Braunschweigern erschlagen. Trauert von mir aus Jahrzehnte um ihn, ist Euer gutes Recht. Aber verlangt nicht von der ganzen Welt uneingeschränkte Pietät und veröffentlicht gleichzeitig Schweinegruppen.

    @Gialloblu

    Richtig, Rückkehr zur Normalität. Es war ja schon nicht mehr zu ertragen. Hätte nur noch gefehlt, daß mir etwas um den Hals fällt, dessen Flecken ich mein Leben lang nicht mehr losgeworden wäre.

  • Peter, Du hast definitiv Recht. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, die Versäumnisse in der Erziehung anderer aufzuarbeiten und zu korrigieren. Dafür gibt es besser geeignete Institutionen. Andererseits würden wir junge Menschen natürlich schon gern vor der nicht selten traumatisierenden Erfahrung „Jugendknast“ bewahren. Aber alle kann man nunmal nicht retten, das ist sicher richtig.
    Zum Tode Robert Enkes: Es scheint so, als würde man auf blaugelber Seite der Tragödie glaubwürdiger gedenken als bei den Roten. Ich finde es jedenfalls bemerkenswert, wie schnell man da drüben wieder zur Tagesordnung übergegangen ist und das selbst geforderte Umdenken sofort zu den Akten legte. Aber muss es dann gleich ein Tatort sein? Im Westen nichts Neues also, nur der übliche Selbstbetrug.

    Gut Sport!

  • hihi, super text! wie kann man sich denn über eine handvoll warscheinlich 14-jähriger kinder so aufregen und auch noch einen ganzen artikel darüber schreiben? da muss ja wohl irgendwo noch ein stachel sitzen, dass ein paar blöde kiddies (die es jawohl überall vorkommen) so eine agressive und gekränkte reaktion hervorrufen. deine ausführungen dann auch noch (ohne igendeinen zusammenhang) mit den tod enkes zu verknüpfen und den trauernden sowas vorzuwerfen zeigt wenig reife ist dann wirklich unterste schublade und einfach nur schäbig. eine frage muss erlaubt sein, bist du älter als 14? wenn ja dann tust du mir leid.

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