Stadionausbau

On 5. November 2010 by gialloblu

Pro Umbau: Starke Tribünen für starke Zuschauerkommentare! In der vergangenen Woche wurde die Braunschweiger Öffentlichkeit durch einen Vorschlag der CDU-Ratsfraktion überrascht. Die Einwohner der Löwenstadt sollen im Januar 2011, einen Monat bevor der städtische Haushalt verabschiedet wird, über den Ausbau der Haupttribüne des Eintracht-Stadions in einem Bürgerentscheid abstimmen. Fällt die Abstimmung positiv aus, könnte jener Plan verwirklicht werden, der im Sommer 2009 mit Verweis auf die Finanzkrise in der Schublade verschwand: Der Plan zur seitlichen Erweiterung der Haupttribüne, mittendrin ein VIP-Bereich mit Logen und Business Seats, am Hinterausgang ein Würfel für Geschäftsstelle, Fanshop und Sportsbar.

Maßlose Zyniker könnten nun behaupten, dass die CDU diesen Vorschlag unter dem Einfluss des Volkszorns von Stuttgart 21 gemacht hat: Seht her, liebe Bürger! Wir haben, ganz im Ernst, ein offenes Ohr für eure Meinung! Die Wahrheit ist, dass die CDU richtig erkannt hat, dass nur die wirklich bewegenden und epochalen Fragen es verdienen ans Volk zurück gegeben zu werden, damit es selber entscheide: In Österreich gab es einst ein Plebiszit über den Beitritt zur EU, in Dänemark über die Einführung des Euro, in der Schweiz zuletzt über den Bau von Minaretten, im Herzen Deutschlands vielleicht demnächst über den Ausbau der Haupttribüne im Eintracht-Stadion. Manche Entscheidung ist für die Nation einfach zu wichtig, als dass man sie nur den Politikern überlassen sollte.

Selbstverständlich ist es die patriotische Pflicht eines jeden Braunschweiger Bürgers, für alles zu stimmen, was dem BTSV eine sorgenfreie Zukunft ermöglicht, ihn mittel- bis langfristig finanziell auf Rosen bettet, ihn sanft ins 21. Jahrhundert stupst, ohne ihn in die Abhängigkeit von einzelnen Mäzenen oder Sponsoren-Konzernen zu drängen. Dennoch muss ich gestehen, einer jener unbelehrbaren Südkurvensteher zu sein, die sich nur schwer mit einem 20-Millionen-Projekt anfreunden können, das im mittleren Segment der Haupttribüne Beinfreiheit und Hostessendichte erhöht, dort jedoch auch den emotionalen Faktor senkt. Bisher wurde auch in diesem Tribünenbereich, woran sich der Ex-Mainzer Jürgen Klopp zuletzt im BamS-Interview noch gut erinnerte, im passenden Moment gerne heftig gepöbelt. Eine relativ kecke Haupttribüne ist eben auch ein Teil von Eintrachts Fankultur.

Wohnte ich in Braunschweig würde ich eine Erst- und eine Zweitstimme für den im Januar angestrebten Bürgerentscheid fordern: Erststimme fürs ob, Zweitstimme fürs wie. Denn auch beim Ausbau der Nordkurve hätte ich mir eine etwas andere Variante gewünscht: nämlich eine Nordkurve, die den Gästen jeweils genau den gleichen Komfort bietet, den Eintracht-Fans auswärts bei diesem Gegner vorfinden. So dürften bei Heimspielen zum Beispiel Fans aus Dresden oder Rostock die neuen Sanitärbereiche hinter der Nordkurve nutzen. Kommen jedoch Besucher aus Osnabrück, Offenbach, Regensburg oder Ahlen, hängt dort ein „für euch geschlossen“-Schild an der Türklinke und die Auswärtsfahrer müssen sich, genauso wie die Gäste in ihren jeweiligen Stadien, ein paar Dixi-Klos teilen.

Desweiteren hätte ich die Nordkurve so ausgestattet, dass wir uns für das am eigenen Leibe erlebte Wetter bei Auswärtsfahrten revanchieren können. In Jena unter der Woche mal richtig vollgeregnet worden? Heiterkeit in den Blöcken 1 bis 17, wenn beim nächsten Besuch von Carl Zeiss in Braunschweig kurz vor der Halbzeit die Sprinkleranlage im Gästebereich bis zum Anschlag aufgedreht wird. In Erfurt im Dezember im eiskalten Fallwind des Steigerwalds gestanden? Zwischen Gästeblock und Spielfeld ist im Eintracht-Stadion genug Platz für eine Windmaschine. Gebt den Rot-Weißen im Rückspiel so viel Wind, dass ihre Mützen hinten an der Plexiglasscheibe kleben. Kunden der BSG Audi wundern sich, weshalb eine Schneekanone auf sie gerichtet ist? Frau Holle wird während des Spiels mal schön ihre Kissen über die Ingolstädter ausschütteln. Eine besondere Überraschung erwartet Fans von Hansa Rostock in Halbzeit zwei. Stichwort: vorgezogene Silvesterfeier.

Nun ist die neue Nordkurve leider so, wie sie ist. Aber über die Frage, wie die Haupttribüne im Falle eines Ausbaus gestaltet werden kann, müsste sicherlich noch diskutiert werden. Hier mein Vorschlag: Tauscht an der Hamburger Straße zwei Hausnummern: die des Eintracht-Stadions und die des geplanten Freizeit- und Erlebnisbades. Schickt Bagger und Bauarbeiter los, lasst sie an der Rückseite der Haupttribüne ein kleines Spaßbad bauen, wofür Bürgerentscheide bekanntlich nicht erforderlich sind. Deklariert diesen Bereich als exklusive VIP-Zone des Eintracht-Stadions, komplett mit Whirlpool, gemischter Sauna, Sektrutsche und Poolbar mit flacher Fensterfront als Sehschlitz ins Stadioninnere. Die VIPs sind glücklich und die Stadionatmosphäre wird nicht beeinträchtigt. Und wer weiß, vielleicht wird auch im Jahr 2020 ein bekannter Trainer es ablehnen, jemals die Eintracht zu trainieren, weil sieben Jahre zuvor das Haupttribünenpublikum für seinen Geschmack zu heftig pöbelte.

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