Wo ist Ailton?

On 27. Dezember 2010 by togo

Wo ist Ailton?Als der FC Oberneuland anfangs der Saison die Verpflichtung von Ailton Goncalves da Silva bekannt gab, reagierte die Fußballwelt äußerst homogon auf diese Nachricht. Die einen zuckten mit den Schultern, die anderen konnten sich wenigstens ein knappes „häh?“ abringen. Immerhin: kurzzeitig waren die Bremer Vorstädter bundesweit in den Medien. Das letzte Mal hatte der FCO das Anfang 2008 mit einem Sieg über die TuS Koblenz im DFB-Pokal geschafft. Dass der FCO dabei zwei eigentlich nicht spielberechtigte Akteure einsetzte – die Muzzicato-Brüder standen noch beim FC Bremerhaven unter Vertrag, der Bremer Fußballverband hatte diesen Umstand allerdings ignoriert und beiden die Spielerlaubnis für Oberneuland erteilt – soll diese Leistung nicht schmälern; vor allem, da der DFB die Spielerlaubnisse als rechtmäßig bewertete.

Die erhoffte Wirkung auf Zuschauer und Sponsoren allerdings hatte die Ailton-Verpflichtung nicht. Lediglich anfangs lag der Zuschauerschnitt des FCO etwas höher als üblich – am ersten Spieltag wollten über 500 Kiebitze das 0:2 gegen die Amateure von Eintracht Braunschweig sehen. Ailtons erstes Tor für seinen neuen Verein (er erzielte das 2:0 bei der 2:3-Heimniederlage gegen Holstein Kiel) wohnten schon nur noch gut 400 Interessierte bei. Bereits am fünften Spieltag war der Ailton-Effekt komplett verflogen – beim 0:2 gegen die Zwoote des Hamburger SV passierten gerade noch etwas mehr als 200 Fans das Stadiontor.

Trotz beachtlicher Körperfülle ein echter Renner: Ailton nannte man zu besseren Zeiten gern den "Kugelblitz"

Trotz beachtlicher Körperfülle ein echter Renner: Ailton nannte man zu besseren Zeiten gern den "Kugelblitz"

Neue Sponsoren konnte der Kugelblitz-Coup auch nicht anlocken. Allerdings wurde Ailton nicht vom Verein, sondern vom Heizöl-Unternehmer Hoyer aus Visselhövede unter Vertrag genommen und bezahlt, der FCO hatte sich mit dieser Personalie also keine weiteren finanziellen Wagnisse aufgehalst. Wenigstens etwas, möchte man angesichts einiger im Raum stehenden Vorwürfe an den Verein, er schulde ehemaligen Spielern noch Geld, wohl meinen.

Soviel zum Vorspiel. Ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte die Farce Mitte Dezember, als Ailton plötzlich spurlos verschwand – nachdem bekannt wurde, dass er finanzielle Probleme haben soll. Zwischenzeitlich soll Sponsor Hoyer bereits den Vertrag mit Ailton gekündigt haben, weil der Brasilianer angeblich mehrere PR-Termine platzen ließ. Oder weil nach Bekanntwerden der neuen Vereinsmitgliedschaft plötzlich Post von diversen Justizstellen auf den Tisch der Hoyers flatterte. Dass Peter Zwegat, Chef-Entschuldner der Republik, Ailton für einen Auftritt in seiner Doku-Soap gewinnen möchte, darf da wohl als Situationskomik gelten.

Dass sich die Wege des ehemaligen Torschützenkönigs der Fußball-Bundesliga und dem FC Oberneuland, der Ailton nicht selbst bezahlen könnte, bald wieder trennen, ist wahrscheinlich. Bereits jetzt wird der ehemalige Starspieler von Werder Bremen bei den etwas bunteren Klubs im Nordwesten zur Verpflichtung angeboten, aber egal, ob beim SV Wilhelmshaven, FC Bremerhaven, BV Cloppenburg oder VfB Oldenburg, überall schüttelt man vehement mit dem Kopf. Ailton droht das Karriereende. Und ob er überhaupt noch einmal nach Deutschland zurück kommt, ist fraglich. Denn hier erwarten ihn Schulden und Forderungen, die der ehemalige Kugelblitz ohne Privatinsolvenz wohl nur dann bezahlen könnte, wenn er bis zu seinem 50. Lebensjahr gut bezahlt gegen den Ball treten würde. Bei aller Liebe: das will nun wirklich keiner mehr sehen.

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