And the winner is… !

On 7. März 2011 by gialloblu

Eintracht überall: da können Rote nur staunen!Der Kinogänger hat sich längst daran gewöhnt: Beim Blick auf die Auswahl an der Kinokasse stellt er fest, dass mal wieder ein Film läuft, der mit Fußball, mit der Stadt Braunschweig, vielleicht sogar mit dem BTSV zu tun hat. So bereits geschehen vor zwei Jahren, als „66/67“ herauskam. Aktuell ist es „Der ganz große Traum“, eine Geschichte in Anlehnung an Konrad Koch, der als Lehrer an einem Braunschweiger Gymnasium den Fußball nach Deutschland brachte. Ganz klar: Fußball, Eintracht und Braunschweig ist ein Stoff, der die Fantasie beflügelt, der im ganzen Land die Zuschauer fasziniert, der immer gleichzeitig Tragödie und Komödie ist.

Dennoch ist fraglich, ob beide Filme wirklich einen Bezug zu Eintracht Braunschweig haben. Diskutiert man über eine Umbenennung des Vorplatzes des Eintracht-Stadions in Konrad-Koch-Platz, lautet ein logisches Gegenargument: Konrad Koch brachte den Fußball bereits 1874 nach Braunschweig, doch die Eintracht gibt es erst seit 1895. Ebensowenig geht es in „66/67“ um den BTSV, sondern um ein paar Freunde, die ihr Leben nicht mehr im Griff haben. Tatsächlich hätte der Film auch in jeder anderen Stadt oder bei jedem anderen Verein spielen können, meinen viele.

Zweifellos richtig. Man nehme als Symbol für persönliches Scheitern einfach sechs Fans, die – wie schlimm muss das für einen Fanmeilen-Besucher klingen –  zu einem Verein der Dritten Liga halten.  Den Frust gegenüber ihrer erfolgreichen Umwelt können sie nur abbauen, indem sie in „66/67“ zum Beispiel einen Wolfsburger Kuttenaffen im Klo duschen und eine Gruppe 96er auf der Autobahnraststätte verlaschen. Doch auch andere Drittligisten schauen auf eine Saison mit Titelgewinn zurück und haben ebenfalls Retorten- und Traditionsvereine in ihrer Nachbarschaft. Wie wäre es also mit einem Film mit dem Titel „77/78“? Sechs Jungs aus Sandhausen, noch heute stolz auf die Spielzeit, in der ihr SV die Deutsche Amateurmeisterschaft gewann. Im Film spülen sie also einer Hoffenheimer Kutte im Lokus die Haare und verdreschen ein paar Typen vom Lauterer Pfalz Inferno. Sowas kommt vor! Oder „98/99“: Sechs Jungs aus Aalen, noch heute stolz auf die Saison, als ihr VfR Meister der Amateur-Oberliga wurde. Sie schicken eine Kutte von Sonnenhof Großaspach auf Tauchstation und verkloppen ein paar VfB-Buben vom Commando Cannstatt. Das gibt’s immer wieder! Alles vielversprechende und wirklichkeitsnahe Konzepte, die anstelle von „66/67“ hätten realisiert werden können.

Gleiches gilt für eine andere Szene aus „66/67“: „Die Macht – Eintracht!“ grölen die Jungs im Punk-Schuppen als Loblied auf ihren BTSV. In einer anderen Stadt hätte es zum Beispiel „Kein Scheiß – Carl Zeiss!“ lauten können. Doch Moment mal: Ein Ostdeutscher, der auf Ansteckungspartys geht? Ein Ostdeutscher, der sich mit seiner Freundin dann am besten versteht, wenn sie tot auf dem Bett liegt? Pfui, das geht nicht! Bevor im ganzen Land eine Diskussion über die Mauer in den Köpfen ausbricht, bevor Wolfgang Thierse sich an Sitzblockaden vor den Kinos beteiligt, wurde die Handlung schnell nach Braunschweig verlegt. Deshalb ist „66/67“ ein Film, der in der Löwenstadt spielt, aber kein Film über den BTSV.

Andererseits gibt es zum Glück jede Menge Filme, die weltweit im vergangenen Jahr kommerziell erfolgreich waren, die vor einer Woche mit reichlich Oscars ausgezeichnet wurden und die – im Gegensatz zu „66/67“ oder „Der ganz große Traum“ – tatsächlich von Eintracht Braunschweig handeln. Hier eine Übersicht:

The King’s Speech (vier Oscars) – Kein leichtes Spiel für Uwe II (gespielt von Georg VI), der in diesem Historienfilm zum König von Eintracht II gekrönt wird. Nach majestätischem Selbstverständnis wird er diesen Job auf Lebenszeit behalten, wobei sein Sprachfehler jedoch ein Hindernis ist. Also geht er zum Logopäden. Als es ernst wird, muss er vor seinem Team (vor seinem Volk) eine Rede halten. Dieses feiert in einem späteren Jahr den Aufstieg (den Sieg im Zweiten Weltkrieg), wobei als Vater des Erfolgs jedoch Christian Benbennek (Winston Churchill) in Erinnerung bleibt. Der eindeutige Beweis, dass dieser Film von Eintracht Braunschweig handelt: Als Uwe II in einer Straßenszene bei Regen die Praxis des Sprachtherapeuten aufsucht, parkt dort ein Auto mit BS-Kennzeichen.

Inception (vier Oscars) – Eintracht (gespielt von Leonardo di Caprio in der Rolle des Extractors) kann menschliche Entscheidungen manipulieren, indem sie in die Träume dieser Menschen eindringt. Bei erfolgreicher Ausführung eines Auftrags durch einen Großindustriellen wird Eintracht versprochen, dass sie in ihre Heimat, in die Bundesliga (USA) zurückkehren darf. Auf dieser Mission verschlägt es Eintracht in Träume, in Träume innerhalb von Träumen, sogar in die unterste Ebene, die Oberliga Nord (den Limbus), wo selbst wenige Sekunden wie Jahre erscheinen. Der eindeutige Beweis, dass dieser Film von Eintracht Braunschweig handelt: Di Caprio spielt im Film den Extractor – neun Buchstaben, vorne ein E, dazu die Buchstaben t, r, a, c und noch ein t. Eintracht – ebenfalls neun Buchstaben, vorne ein E, dazu die Buchstaben t, r, a, c und noch ein t.

Alice in Wonderland (zwei Oscars) – Eintracht (gespielt von Alice) soll nach dem Willen der (Volkswagen)-Familie mit einem reichen Idioten (VfL Wolfsburg) verheiratet (fusioniert) werden und flieht vor diesem abstoßenden Grützkopf in den Untergrund (Dritte Liga). Dort trifft Eintracht auf seltsame Kreaturen wie eine Grinsekatze (Plüschlöwe Leo), mit deren Hilfe der Qualm und Feuer speiende Drache Hansarosty (Jabberwocky) besiegt werden muss. Eintracht gelingt es den Hansarosty zu köpfen, steigt auf aus der Unterwelt und befreit sich von der Volkswagen-Familie. Der eindeutige Beweis, dass dieser Film von Eintracht Braunschweig handelt: Der Dauergesang aus Block 9 in den fünf Minuten nach der Halbzeit im Spiel gegen VfR Aalen: „Walking along, singing a song, walking in an Eintracht wonderland!“

Diese kurze Aufzählung zeigt, wie sehr Eintrachts Auf- und Abstiege, Eintrachts Tragödien und Komödien ein Spiegelbild der Charaktere und Handlungen sind, die als große Dramen in den Kinos laufen. Keineswegs soll an dieser Stelle der Eindruck entstehen, dass hier für jeden mehrfach ausgezeichneten Film irgendein Bezug zum BTSV konstruiert wird. So gewann The Social Network ebenfalls zwei Oscars – ein Film über einen jungen Mann, dessen Webseite ganz klein anfängt und sieben Jahre später weltweit 600 Millionen Nutzer hat. Nein, dieser Film handelt nun wirklich nicht von Eintracht Braunschweig. Denn ganz offensichtlich geht es in diesem Film um etwas anderes: Er beschreibt den Werdegang der Leopedia!

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