Vollmann reloaded

On 26. März 2011 by gialloblu

Da war wohl der Peter voll, man!Für den Eintracht-Fan erhält ein Spiel eine besondere Würze, wenn auf der gegnerischen Trainerbank jemand sitzt, der zuvor schon mal den BTSV coachte. Besonders peinlich, wenn man so ein Spiel verliert – zuletzt geschehen im Schatten des Autowerks, am Anfang der Saison des späten Rettungswunders, 2007/08. Besonders schön, wenn man so ein Spiel gewinnt – zuletzt geschehen am Sonntag gegen Hansa Rostock, trainiert von Peter Vollmann, unserem Trainer in der Saison des späten Aufstiegswunders, 2001/02.

Natürlich kann man über den Trainer Peter Vollmann geteilter Meinung sein. Er war ein Held, denn er führte Eintracht nach neun Jahren zurück in die Zweite Liga. Auch war er sehr loyal, zum Beispiel zu Spielern, denen er vertraute: So brachte er 2001 gleich acht Kicker von seinen alten Vereinen, Uerdingen und Fortuna Köln, mit zum BTSV. Für Spieler von anderen Vereinen schien er jedoch kein gutes Auge zu haben: Nach dem Aufstieg 2002 holte er keine Spieler von seinen alten Vereinen, sondern alte Spieler, die sonst wohl keinen Verein mehr gefunden hätten. Andererseits ist er auch ein selbstkritischer Mensch, wie dieses Interview in den Norddeutschen Neuesten Nachrichten belegt: „Als wir aufgestiegen waren, holten wir zu viele ältere Spieler dazu, die ihren Zenit bereits überschritten hatten. […] Das waren Fehler, die ich heute nicht mehr machen würde.“, so Peter Vollmann.

Fehler können durchaus lustig sein, solange sie anderen passieren. Doch man stelle sich vor: Der Vollmann von 2002 wäre heute noch Trainer der Eintracht – und er würde seine Fehler des Jahres 2002 gnadenlos mit Spielern aus dem Jahr 2011 wiederholen. Schon Karl Marx wusste, dass große geschichtliche Ereignisse zweimal geschehen: einmal als Tragödie, einmal als Farce. Vorhang auf für Vollmanns Farce!

Schnell noch zur Erinnerung, welche ollen Klepper Vollmann im August 2002 gegen Waldhof auf die satte Weide der Zweiten Liga schickte (Neuverpflichtungen kursiv): Laux – Eigner, Dziwior, Thiam – Schanda, Hörster – Osthoff, Nadj, Mazingu-DinzeyChoji, Rische. Gesucht werden nun also sechs Best Ager auf dem Spielermarkt, die die heutigen Wiedergänger von Laux, Dziwior, Osthoff & Co sein könnten.

Wir beginnen im Tor: Philipp Laux war zuvor Ersatztorwart bei einer Meistermannschaft, Dortmund, und Stammtorwart bei einem Team, das für keinen Menschen in die Bundesliga gehört: Ulm. Der Vollmann von 2011 entscheidet sich für einen Keeper, der Bankdrücker bei einer Meistermannschaft war, die für keinen in die Bundesliga gehört. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Er erhält die Rückennummer 1.

Wenn Vollmann Spieler shoppen geht, guckt am Ende mindestens ein Kölner aus der Einkaufstüte raus. Damals war es Janosch Dziwior vom 1.FC Köln. Zwar in Polen geboren, doch auch Polen sind rot-weiß und katholisch, also perfekte Kölner. Heute würde Vollmann für seine Dreierkette den Lukas holen. Nein, nicht den Podolski, sondern den anderen: ebenfalls in Polen geboren, lange Zeit in Köln, spielt inzwischen bei einem Zweitligisten, von dem der BTSV bereits vor 30 Jahren gerne Spieler holte. Lukas kriegt Dziwiors alte Nummer, die 13.

Markus Osthoff hatte bei zwei Westvereinen in der Bundesliga auf dem Flügel gewirbelt. Das Einzige, was in seiner seiner Zeit beim BTSV noch wirbelte, waren die Photonen im Kernspintomographen, wenn Osthoff sein schwer verletztes Knie reinhielt. Drücken wir mal die Daumen, dass sein Nachfolger, der in Westfalen reichlich Bundesligaluft schnuppern durfte, wenigstens bis zur Winterpause durchhält. Im Trikot mit der 7 setzt er vorsichtig zu seinen ehemals gefürchteten Sprints an.

Michel Mazingu-Dinzey. Spieler mit Doppelnamen sind toll. Mit ihnen hast du 12 Namen in der Mannschaftsaufstellung. Da hat der Gegner mit seinen 11 Namen auf dem Zettel schon beim Anpfiff verloren. Mazingu-Dinzey kam direkt aus der ersten Liga. Okay, aus der ersten norwegischen Liga. Und im Jahr 2011? Gibt es einen deutschen Auslandsprofi mit Doppelnamen, erste Liga, ein Elternteil aus Afrika? Ja! In Usbekistan, beim Verein Shurtan Guzar, dem letzten größeren Ort vor der Grenze zu Afghanistan. Und das Beste: Sein großer Bruder spielte vor Jahren bereits beim BTSV! Leider verlor er nach einer Heimpleite gegen den FC Bremerhaven seinen Stammplatz und kam nur noch bei den Blamagen in Norderstedt und Nordhorn zu Kurzeinsätzen. Mal sehen, wer in der Familie das größere Talent ist. Der kleine Bruder kriegt das Trikot mit der 17.

Sambo Choji kam aus Saarbrücken, wo er im letzten Jahrtausend eine erfolgreiche Saison hatte. Der Sambo des Jahres 2011 trägt den Namen eines Films, in dem graue Männer den Menschen die Zeit klauen. Falls seine Uhr als Stürmer bereits abgelaufen ist, sind also die grauen Männer Schuld. Die lila-weißen Männer, bei denen er zur Zeit auf der Ersatzbank den Vorruhestand genießt, spielen nächstes Jahr vielleicht selber mal wieder gegen Saarbrücken. Nur er selbst spielt dann eine Klasse höher, kriegt unter Vollmann einen letzten Profivertrag, die Rückennummer 14 und Dominik Kumbelas Platz in der Startelf.

Zwei halbgefährliche Stürmer sind zusammen so gefährlich wie ein gefährlicher Stürmer. Deshalb lief an Chojis Seite Jürgen Rische auf: ein kerniger Sachse im Sturm; kein Marathonläufer, kein Sprinter, aber immerhin ein zuverlässiger Elfmeterschütze. Vollmann würde 2011 weite Wege gehen, um einen würdigen Nachfolger für Onkel Jürgen zu finden. Notfalls sogar einen weiten Schotterweg, der tief in die finsteren Nadelwälder des Erzgebirges führt. Das Trikot mit der 18 geht an den Holzmichel unter den Stürmern in Liga Zwei.

Damit steht nun jene Elf, die Aufstiegs-Peter im Juli, am ersten Spieltag der Zweitligasaison 2011/12, in gelben Trikots auf den Platz schicken würde: 1 André Lenz – 4 Matthias Henn, 8 Deniz Dogan, 13 Lukas Sinkiewicz – 6 Damir Vrancic, 17 Julien Oteng-Mensah – 7 Delron Buckley, 32 Dennis Kruppke, 10 Mirko Boland – 14 Momo Diabang, 18 Enrico Kern. Auf der Ersatzbank: Petkovic, Reichel, Kessel, Fuchs, Theuerkauf, Pfitzner, Kumbela.

Gut, dass Peter Vollmann, wie er im Interview sagte, solche Fehler heute nicht mehr machen würde. Andererseits: Die Sechs würden ja zum Mitaufsteiger Hansa Rostock wechseln, also zu einem Konkurrenten der Eintracht auch in der kommenden Saison. Eigentlich sind die Sechs gar nicht so schlecht, wenn ich mir das richtig überlege. Die sind sogar richtig gut! Denk mal in Ruhe drüber nach, Peter…

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