Die Welt spricht Eintracht

On 16. April 2011 by gialloblu

Die Welt ist nicht genug - aber wenigstens spricht sie Eintracht!Erfolg macht sexy. Kaum ist der BTSV aufgestiegen, fliegen ihm von allen Seiten Herzen, Blumensträuße und Liebeslieder zu. Selbst bei den Medien scheint jeder plötzlich schwer in die Eintracht verknallt zu sein. Wohltuend ruhige Oasen, die sich von diesem Rausch heißblütiger Leidenschaft nicht anstecken lassen, sind wie gewohnt die Braunschweiger Zeitung und der NDR. Ganz anders jedoch die Lage in Berlin: Beim Tagesspiegel stand am Montag unter diesem Kommentar im Sportteil „Der Autor ist […] seit seiner Kindheit Anhänger von Eintracht Braunschweig“. Vermutlich findet man diesen Satz demnächst auch unter sämtlichen Kolumnen im Welt-, Lokal-, Wirtschafts- und Kulturteil, denn ein blau-gelbes Bekenntnis gehört in der Hauptstadt spätestens seit letzten Sonntag zum guten Ton.

Gestern, Freitag, auf Seite eins der Printausgabe des Tagesspiegels, wurde dann die nächste Raketenstufe der Eintracht-Verehrung gezündet: Man verwendet neuerdings Buzzwords, die in der englischsprachigen Welt in Anlehnung an ehemalige Persönlichkeiten des BTSV geschaffen wurden. Vergesst diese neuenglischen Begriffe wie angst, fuehrerbunker oder waldsterben, die der moderne Angelsachse einmal in seinem Leben benutzt. Wirklich populäre deutschwurzelnde Begriffe in der englischen Sprache sind blau-gelb!

Beispiel gefällig? In diesem Tagesspiegel-Kommentar zur drohenden Zahlungsunfähigkeit der USA benutzte und erklärte der Autor den in Amerika geläufigen Begriff Brinkmanship. Gerne erinnern wir uns an den ehemaligen Eintracht-Kapitän Dennis Brinkmann, der als häufig gesperrter Intensivtäter inzwischen in Koblenz die Axt kreisen lässt. Am fehlenden Buchstaben „n“ im Nachnamen sollte man sich nicht stören: In Amerika lautet die korrekte Schreibweise nun mal Letterman, Goldman Sachs, Superman oder Brinkman. Doch wie definiert der Tagesspiegel Brinkmanship?: „Brinkmanship. Man geht bewusst an den Rand der Klippe und sagt: Du bist schuld, wenn du nicht einlenkst und wir alle in den Abgrund stürzen. Das ist riskant.“ Die blau-gelbe Gemeinde erinnert sich: Im März 2010 segelt ein weiter hoher Ball der Dresdner Richtung Eintracht-Tor, Brinkmann läuft als letzter Mann ein paar Kreise um Ball und Gegenspieler, und bumm! fällt das Siegtor für Dynamo. Ein entscheidender Rückschlag im Aufstiegsrennen und gleichzeitig das letzte Spiel des Mister Brinkman für die Eintracht. The day when Brinkmanship was born.

Ich forschte weiter und fand in englischsprachigen Nachrichten der abgelaufenen Woche weitere Wortkreationen aus den Namen früherer Eintracht-Köpfe. Ein Beispiel: Man wird mit großem Budget und alleiniger Verantwortung ausgestattet, erntet nur Misserfolg und setzt sich wenige Tage, bevor die Mission endgültig gescheitert ist, in einen anderen Teil des Landes ab. In Amerika gibt es dafür neuerdings ein Wort: „Former Egyptian president Mubarak, after his moehlmanship to Sharm el Sheikh, is reported to have suffered a heart attack“, schrieb, glaube ich, das Washington Journal.

Wäre es nicht praktisch, wenn es in der deutschen Sprache einen Begriff für „ist zu alt, nicht mehr auf Höhe der Zeit und weigert sich dieses anzuerkennen“ gäbe? Auf der anderen Seite des Atlantik benötigt man dafür ein einziges Wort: „Many inside the German Liberal Party would like to see Roesler replace Bruederle, whose willireimanship was again highlighted by his remarks about the future use of nuclear energy“, meine ich im New York Globe gelesen zu haben. Ein einzelnes Wort für „planloses Handeln, dass aus Mangel an Fachkompetenz vom Handelnden als der einzig mögliche Weg betrachtet wird“ wird in unserer Sprache noch gesucht, während man woanders bereits eine Lösung gefunden hat: „Some blame the Fukushima disaster on the staakeship of the Tepco leaders“, stand, glaube ich, in der Wall Street Times.

In der englischen Sprache benutzt man gerne Verben. Wie praktisch, wenn einfache Tuwörter komplexe Sachverhalte ausdrücken können. Hier ein einziges Wort, mit dem „unter Einfluss von gute Laune stiftenden Getränken Dinge sagen, die sich nüchtern betrachtet als zu optimistisch erweisen“ ausgedrückt werden kann: „The army general stands accused of having glogowskied the pilot into attempting to land the aircraft, carrying Polish president Lech Kascinsky, despite heavy fog at Smolensk airport a year ago“, schrieb, glaube ich, die Boston Post.

Das Eintrachtship segelt auf einer Welle des Erfolgs - das bekommt auch der Amerikaner mit.

Das Eintrachtship segelt auf einer Welle des Erfolgs - das bekommt auch der Amerikaner mit.

Wer weitere Beispiele findet, möge diese bitte der Leopedia melden. Doch neben all dem Brinkmanship und Moehlmanship zählt für die Zukunft eigentlich nur eins: Dass das Eintrachtship in Liga Zwei möglichst früh ruhiges Fahrwasser ansteuert. Ship ahoy!

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