Liste: Die 10 schönsten Stadionnamen

On 24. April 2011 by togo

Authentizität ist selten geworden. Man kann sie trotzdem noch finden.Vor etwa einem halben Jahr hat sich unsere Fachredaktion bereits einmal mit dieser Thematik befasst. Damals suchten und fanden wir „Die 10 blödesten Stadionnamen„. Bei Euch, unseren Lesern, kam der Artikel sehr gut an. Sogar in der Presse fanden sich (manchmal mit Quellenangabe, häufiger allerdings ohne) Passagen des Textes wieder. Gemecker gab es allerdings auch. So sei das Karl-Liebknecht-Stadion in Babelsberg zu Unrecht in der Liste. Hier allerdings vertreten wir eine klare Linie: Politik hat im Fußball nichts zu suchen, und Politiker taugen erst Recht nicht als Namensgeber eines Stadions. Wenn dieser Politiker dann auch noch eine Ikone des Stasistaats war, erübrigt sich eigentlich jede Diskussion. Man stelle sich nur vor, der VfL Wolfsburg würde sein Stadion stilecht nach dem Gründer der Stadt und des Volkswagenwerkes benennen… hätte was entwaffnend Ehrliches, würde aber das Gutmenschentum zu Proteststürmen verleiten. Und dieses Mal sogar zurecht. Halten wir unseren Sport doch einfach politikfrei, dann muss keinem übel werden.

Zurück zu Leos Liste: jede erfolgreiche Idee verleitet dazu, sie irgendwann fortzuführen. Da sind wir nicht besser als die Autoren und Filmemacher dieser Welt. Allerdings hoffen wir, dass unsere zweite Liste zum Thema Stadionnamen deutlich besser gelungen ist als Der Weiße Hai II, Rocky II, Rambo II, etc. Zumindest ist sie kürzer, und Ihr habt dafür keine teure Kinokarte gekauft. Ist doch auch was.

Die Leopedia, Euer Online-Fachmagazin für Namensgebung und politikfreie Zonen, präsentiert Euch jetzt und hier die Fortsetzung, „Die 10 schönsten Stadionnamen! Wobei „schön“ natürlich relativ ist. In diesem Artikel steht es als Synonym; als Oberbegriff für Stadionnamen, die passen, die Tradition haben, authentisch sind, die ihren guten Klang und Ruf behalten konnten. Wie gewohnt haben wir dafür die Namen der Stadien der ersten drei Ligen Deutschlands durchforstet. Und das Fazit fällt niederschmetternd aus: während wir die Liste der 10 blödesten Stadionnamen locker auch auf 20 oder sogar 30 hätten ausweiten können, hatten wir jetzt doch einige Probleme, mehr Bewerber als verfügbare Plätze zu finden. Sei’s drum, die Liste konnte gefüllt werden. Und ich denke, sie ist uns gelungen. Fangen wir an mit…

Platz 10: Stadion der Freundschaft, Energie Cottbus

Der Name an sich ist schon verdammt kühl und klingt äußerst positiv. Und: zwar ist die Namensschöpfung ein Produkt der sozialistischen Umbenennungsmaschinerie gewesen, in diesem Fall aber nahm man Abstand von üblichen Blabla und wählte einen Begriff, der als Motto überall gelten könnte und sollte. Keine Kampfbahn, sondern ein Stadion der Freundschaft. Дружбa!

Platz 9: An der Alten Försterei, Union Berlin

Das Stadion der Eisernen hat seinen Namen von einem Forsthaus erhalten, das in unmittelbarer Nähe steht und heute die Geschäftsstelle des 1. FC Union beherbergt. Der ursprüngliche Name „Sadowa-Stadion“ wäre zwar ebenso authentisch gewesen, klingt aber nicht halb so urig und gemütlich. Denn irgendwie denkt man bei der „Alten Försterei“ doch eher an eine Gaststätte als an ein Stadion 😉

Platz 8: Hardtwaldstadion, SV Sandhausen

Man mag über die Sandhäuser denken, was man will, aber den Namen ihres Stadions haben sie bisher bewahren können. Der gemütliche, kleine Sportplatz liegt idyllisch am Rand des Hardtwaldes, deshalb ist diese Bezeichnung auch einfach nur stimmig und würdig für einen Platz in unserer Liste.

Platz 7: Steigerwaldstadion, Rot-Weiß Erfurt

Das Erfurter Stadion am Rande des Steigerwaldes trägt seinen heutigen Namen erst seit 1991. Eine Bürgerbefragung sorgte dafür, dass der seit 1948 geltende Name Georgij-Dimitroff-Stadion zu den Akten gelegt wurde. Dimitroff (heutige Schreibweise wäre Dimitrov) war ein bulgarischer Kommunist und Begründer einer Faschismus-Theorie. Über seine Verdienste für den Erfurter Fußball konnten wir leider nichts herausfinden.

Platz 6: Ludwigsparkstadion, 1.FC Saarbrücken

Der Name begleitet mich, seit ich mich für Fußball interessiere – und das sind jetzt auch schon fast dreißig Jahre. Ludwigsparkstadion! Das klingt so richtig herrschaftlich, edel, toll. Das Stadion selbst konnte seine Ursprünglichkeit bewahren und befindet sich in so einer Art „unverbasteltem Originalzustand“, wie es bei Oldtimern gern heißt. Allerdings sind die Zeiten des Ludwigparkstadions wohl gezählt – Investoren wollen ein neues Stadion bauen, das dann ganz sicher nicht mehr den Namen der traditionsreichen Spielstätte tragen wird. Wer weiß, vielleicht muss Saarbrücken dann die Listen wechseln? ^^

Platz 5: Ernst-Abbe-Sportfeld, FC Carl Zeiss Jena

Ernst Abbe war ein deutscher Physiker, Statistiker, Optiker, Unternehmer und Sozialreformer, schreibt die Wikipedia. Ich spare uns den Exkurs in die Lebensgeschichte des Miteigentümers der Carl-Zeiss-Werke, lege den Artikel allerdings jedem Interessierten wärmstens ans Herz, denn Abbes Leben und Wirken war definitiv spannend und wirkt bis heute nach. Dass das Jenenser Stadion nach Abbe benannt wurde – und nicht nach Carl Zeiss, was niemanden überrascht hätte – ist eine nette Besonderheit.

Platz 4: Weserstadion, Werder Bremen

Endlich, der erste Bundesligist in dieser Liste! Die Heimspielstätte (Eigentümer ist eine eigene GmbH) des SV Werder Bremen trägt ihren Namen seit 1947 und konnte ihn allen Kommerzialisierungsversuchen zum Trotz bis heute behalten. Aus Bremen sind bisher auch keine Umbenennungspläne bekannt. Es ist gut möglich, dass der SV Werder auf diese Weise eine Art „Gallisches Dorf“ der Bundesliga werden könnte – ein schöner Imagegewinn, nachdem man sich mit der Aufnahme der Modefarbe Orange in die Trikots einst selbst bei den eigenen Fans kräftig unbeliebt machte.

Platz 3: Millerntorstadion, FC St. Pauli Hamburg

Das Millerntor war einst das westliche Stadttor Hamburgs und beschützte die Hansestädter vor den bösen Nachbarn aus Altona. Von 1961 bis 1963 entstand in unmittelbarer Nähe dieses Stadttores das Stadion des FC St.Pauli. 1970 erhielt es den Namen des einstigen Präsidenten, Wilhelm Koch, der den Verein insgesamt 34 Jahre leitete. Da Koch allerdings mal Mitglied der NSDAP war, geriet der Volkeszorn darüber natürlich schnell in Wallung – geht ja gar nicht, ein Brauner als Namensgeber des Stadions der Braun-Weißen! Deshalb wurde nach nur 27 Jahren der Willi raus- und das Millerntor wieder reingenommen in den Stadionnamen. Politik bleibt beim FC St. Pauli eben streng draußen vor dem (Millern-)Tor, da ist man konsequent. Genauso konsequent verurteilt man jedwede Art von Kommerz. In der Mitgliederversammlung des Jahres 2007 wurde beschlossen, dass das Stadion niemals zu einem Zweck der Vermarktung umbenannt werden darf. Chapeau, das ist vorbildlich! (PS: Wer hier nach Ironie sucht, ist fehl am Platze!^^)

Platz 2: Eintracht-Stadion, Eintracht Braunschweig

Stadien, die nach dem dort spielenden Verein heißen, gibt es in Deutschland kaum noch – zumindest nicht mehr in den höheren Ligen. Und auch das Eintracht-Stadion durfte seinen Namen nicht durchlaufend tragen. 1980 verscheuerte der verschuldete Club das Stadion an die Stadt Braunschweig, die als eine der ersten Amtshandlungen nicht die nötigen Renovierungen vornahm, sondern den Namen änderte. Vielleicht gab es damals einen Wettbewerb, welches Stadion den längsten Namen trägt? Keine Ahnung, jedenfalls entschied man sich für den Titel „Städtisches Stadion an der Hamburger Straße“. Im Volksmund aber blieb die Spielstätte stets das Eintracht-Stadion. Kürzer, prägnanter, treffender.
Seit 2008 heißt das Eintracht-Stadion wieder Eintracht-Stadion. Nicht etwa, weil der Verein es zurück gekauft hätte – fünf Sponsoren des BTSV, namentlich die Braunschweigische Landessparkasse, BS|ENERGY, die Öffentliche Versicherung Braunschweig, die Volksbank Braunschweig-Wolfsburg und Volkswagen Financial Services, hatten die Namensrechte von der Stadt erworben und sich entschlossen, den Fans ihren geliebten Namen wiederzugeben. Eine bemerkenswerte und in Deutschland meines Wissens einmalige Aktion. Dafür, dass Sponsoren hier eher auf Werbung durch gute Taten  (Stichwort: CSR) als durch die bloße Nennung ihres Namens setzten und so einer ganzen Region ein Stück Identität zurück gaben, gibt es den zweiten Platz in dieser Liste.

Platz 1: Tivoli, Alemannia Aachen

Der erste Platz geht trotzdem anderswo hin – und zwar nach Aachen. Hier hat man sich, um den traditionsreichen Namen des Stadions zu retten, dazu entschlossen, mit den Fans und Besuchern neue Wege zu gehen. Um die entgangenen Einnahmen aus einem Namensverkauf zu kompensieren, führte man den Tivoli-Groschen ein – die Stadionbesucher zahlen seitdem einen Euro mehr pro Karte, dafür heißt der Tivoli auch weiterhin Tivoli. Ebenfalls gibt es die Tivoli-Anleihe, eine Inhaber-Schuldverschreibung mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Diese Anleihe wird mit jährlich sechs Prozent verzinst und nach Ablauf der 60 Monate wieder ausbezahlt. Auf diese Weise konnte der Verein sich bei seinen Anhängern mehr als 4,2 Mio Euro pumpen, zu einem Zinsatz weit unter martküblichen Konditionen.
Leider ist Tivoli nicht gleich Tivoli. Die alte Spielstätte war zwischendurch in die Jahre gekommen – die Alemannia trägt ihre Heimspiele seit der Saison 2009/10 in einem Neubau aus, der in unmittelbarer Nähe zum Alten Tivoli steht. Da der TSV der Verlockung widerstand, beim Umzug den Namen des Stadions zu verhökern und sich stattdessen mit seinen Fans einiges ausgedacht hat, um auch in Zukunft in einem Tivoli spielen zu können, hat sich die Alemannia diesen ersten Platz redlich verdient!

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