Eine kontrafaktische Geschichte des BTSV (letzter Teil)

On 1. Mai 2011 by gialloblu

Kontrafaktisch betrachtet hätte Eintracht auch auf Asche spielen müssen ^^Gestern, Abpfiff, Meisterjubel! Tausende gelb gekleidete Menschen liegen sich in den Armen, pure Ekstase auf der Süd. Der Trainer, ein ehemaliger Eisenfuß von Mainz 05, tobt vor Freude. Anderthalb Stunden nachdem der BTSV durch Marco Calamitas umjubelten Treffer in der Nachspielzeit sich den Titel in Liga Drei sicherte, gewann übrigens auch Borussia Dortmund einen Meistertitel. Das soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben.

Wie zuvor an dieser Stelle am Tag nach dem feststehenden Aufstieg soll nun auch am Tag nach der feststehenden Meisterschaft demütig daran erinnert werden, dass die jüngere Geschichte der Eintracht auch anders, soll heißen: übel, hätte verlaufen können. Eine Simulation, in der Eintrachts reale Ergebnisse aus den letzten Saisonspielen schnell mal für allerlei entscheidende Spiele seit der Jahrtausendwende verwendet werden, bescherte unter anderem folgende Ereignisse:

Durch die Heimniederlage gegen Werder II Wattenscheid verpasste der BTSV 2002 den Aufstieg in die Zweite Liga, verlor die Lizenz und vegetierte eine Saison in der Oberliga Niedersachsen/Bremen. Im zweiten Jahr zurück in der Regionalliga Nord stieg der BTSV 2005, nachdem nur ein Unentschieden zu Hause gegen Babelsberg Bielefeld II gelang, erneut in die Oberliga ab – diesmal in die Oberliga Nord. Zum Glück schaffte der Punkt bei Wacker Wob II die Voraussetzung zum erneut prompten Wiederaufstieg. 2007 verscheuchte der BTSV mit einem 2:1 gegen Offenbach Osnabrück das Abstiegsgespenst. 2008 ging es dann am letzten Spieltag gegen Stuttgart II BVB II um die Quali für die eingleisige Dritte: Nach 90 Minuten steht Magdeburg schon mit eindreiviertel Beinen in der Dritten Liga, doch mit der letzten Aktion im Spiel macht Eintracht noch das Siegtor und schnappt sich den letzten Platz in Liga Drei. Vielleicht der erste glorreiche Moment der Vereinsgeschichte seit dem Pokalsieg in Dortmund im Jahre 1989!

Theoretisch könnte an diesem Punkt die Realität wieder einsetzen, in der die Eintracht drei Jahre später Meister der Dritten Liga ist. Doch man muss bedenken, dass der BTSV in dieser Simulation zwischen 1993 und 2008 niemals das Licht der Zweiten Liga erblickte, sondern mit einer Grubenfunzel am Helm nur durch die unterirdischen Stollen der Regional- und Oberligen krabbelte. Keine erfolgreichen Aufstiegsdramen wie gegen Wattenscheid oder Bielefeld II. Keine darauf folgenden Blitzbesuche an der Tabellenspitze in Liga Zwei. Keine Pokalsensationen, auch kein Derbysieg anno 2003, für die man sich über Zweitligazugehörigkeit qualifiziert hatte. Im gesamten Zeitraum kein einziges Spiel gegen den kleinen HSV von der Leine oder gegen den BVB – außer natürlich gegen deren U23-Teams. Wie man im Laufe der Zeit auch mal gegen die Zwoten von Osnabrück (!) und von Holstein Kiel (!!) um Punkte gepöhlt hätte. Statt legendärer Momente nur grausame Demütigungen.

Deshalb wäre nach 15 Jahren des Misserfolgs die Fanbasis des BTSV im Jahre 2008 wohl ziemlich zerbröselt. Sicherlich kämen noch immer Fünf- oder Sechstausend ins Eintracht-Stadion, doch andere Sportarten wären in der Stadt inzwischen vielleicht genauso wichtig wie Fußball, den man ja auch bei anderer Vereinen der Region, die phasenweise drei Klassen höher spielten, ganz komfortabel konsumieren kann. Mit anderen Worten: Der BTSV wäre, bei dem oben beschriebenen Verlauf, anno 2008 der Wuppertaler SV des Nordens. Ein Verein, der bei den Älteren noch Erinnerungen an die Kindheit aufruft, mittelfristig jedoch zum Kurs Richtung Amateurbereich verdammt ist.

Welches Personal hätte den BTSV auch ab 2008 nach oben führen sollen? Torsten Lieberknecht wäre als Spieler 2003 wohl kaum zu einem Aufsteiger aus der Oberliga gewechselt. Marc Arnold hätte einen Wechsel von Hessen Kassel zu Eintracht Braunschweig wohl kaum als Karrieresprung betrachtet. Und das Präsidium? Man hätte jeden Freiwilligen, der sich zur Wahl gestellt hätte, zum Präsidenten gewählt. Die Quali für und der anschließende Kurzbesuch in Liga Drei wäre Eintrachts einziges sportliches Highlight im wiedervereinigten Deutschland gewesen.

So bleibt mir heute, wo der BTSV als realer Meister der Dritten Liga feststeht, nur ein Wort: Danke! Danke an die Spieler, Danke an Trainer, Manager und Präsidium, Danke an die gesamte Eintracht-Familie. Danke für diese wunderbare Saison. Überhaupt waren die realen letzten zehn Jahre – im Gegensatz zur hier vorgenommenen Simulation – ganz großes Kino: viele Dramen, grandiose Momente, existenzbedrohende Krisen, doch am Ende gibt’s ein Happy End. Danke!

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