Doppelt unsterblich

On 7. Mai 2011 by gialloblu

Echte unsterbliche Helden bekommen ihr eigenes Bier!Der Mai, der Monat der Entscheidungen. Meisterschalen und Pokale werden überreicht. In finalen Schlachten können Siegtorschützen unsterblich werden: Günter Netzer, DFB-Pokal 1973. Andy Brehme, WM 1990. Oliver Bierhoff, EM 1996. Lars Ricken, Champions League 1997. Thomas Piorunek, Regionalliga Nord 2002.

In seltenen Fällen erreichen Spieler, wovon selbst der Highlander nur träumen darf: Sie werden doppelt unsterblich. Wie sowas geht? Indem sie innerhalb von wenigen Tagen mit ihren Toren ihren Verein sowohl zu Meister- als auch zu Pokalehren ballern.

An dieser Stelle nun eine Top-10 der doppelt Unsterblichen, aufgestellt nach unerschütterlich objektiven Kriterien: Maximal 10 Legendenpunkte, wenn die Tore dieses Schützen exklusiv beide Titel sicherten. Maximal 10 Partypunkte, wenn beide Erfolge zeitlich so dicht beieinander lagen, dass die Fans ohne Pause von einem Erfolg zum nächsten durchfeiern konnten. Maximal 10 Ekstasepunkte, wenn diese Treffer besonders freudige Zuckungen unter den Anhängern auslösten. Maximal zu erreichende Punktzahl: 30.

Platz 10: Didier Drogba (Chelsea FC, 2010)
Meister: Spieltag 38/38, 9.5.2010, Chelsea – Wigan 8:0, 3 Tore (5:0, 63′, 6:0, 68′, 7:0, 80′); Pokal: 15.5.2010, Chelsea – Portsmouth 1:0, 1 Tor (58′).
Wigan wehrte sich am letzten Spieltag ähnlich tapfer wie 1978 Borussia Dortmund beim 0:12 gegen Gladbach. Gegen Portsmouth gelang Drogba im Pokalendspiel zwar das einzige Tor, doch eigentlich erinnert man sich aus diesem Spiel nur an einen Treffer: an den von Boatengs Fußsohle auf Ballacks Knöchel.
Legendenpunkte: vier von neun Toren, 44% – 4. Partypunkte: Sechs Tage durchfeiern wäre für Engländer kein Problem, wenn die Pubs nicht so früh am Abend schließen würden – 5. Ekstasepunkte: Zeitgleich feierte in einem anderen Land der FC Bayern das Double – man stelle sich vor, in der Liga zu Hause gegen Bochum und im Pokal gegen Freiburg. Ähnliche Begeisterungsstürme lösten Chelseas Siege gegen die Titanen des Tabellenkellers aus Wigan und Portsmouth aus. So, jetzt bitte alle schön feiern und nicht mehr über das Aus in der Champions League ärgern! – 2. Summe: 11 Punkte.

Platz 9: Lionel Messi (FC Barcelona, 2009)
Pokal: 13.5.2009, Barca – Bilbao 4:1, 1 Tor (2:1, 54′); Meister: Spieltag 35/38, 16.5.2009, Villarreal – Real 3:2 und 17.5.2009, Mallorca – Barca 2:1; Champions League: 27.5.2009, Barca – ManU 2:0, 1 Tor (2:0, 70′).
Barca wurde 2009 auf die gleiche Weise Meister, wie Hansa neulich aufstieg: Die Konkurrenz fällt am Samstag auf die Nase, so dass man selbst am Sonntag nicht mehr punkten muss. Spontane Kaffee und Kuchen-Party auf Malle statt auf der Raststätte Hermsdorfer Kreuz – das ist der Unterschied zwischen Primera Division und Liga Drei! Da der kleine Argentinier Barca nicht mehr zum Meistertitel schießen brauchte, kommt stattdessen sein Kopfballtreffer beim Gewinn der UEFA-Meisterliga in die Wertung.
Legendenpunkte: zwei von sechs Finaltoren, 33% – 3. Partypunkte: Zwei Wochen Dauerparty? Sowas soll’s an spanischen Stränden schon gegeben haben – 6. Ekstasepunkte: Barca-Fans quatschen beim Spiel mit ihrem Nachbarn oder essen in Ruhe ihr Bocadillo. Zum Torjubel erheben sie sich nur dann aus dem Sitz, wenn Messi zuvor mindestens fünf Gegner umdribbelte – 3. Summe: 12 Punkte.

Platz 8: Ulf Kirsten (Dynamo Dresden, 1990)
Meister: Spieltag 26/26, 26.5.1990, Dynamo – Lok 3:1, 1 Tor (53′). Pokal: 2.6.1990, Dynamo – PSV Schwerin 2:1, 1 Tor (84′).
Unmittelbar vor seiner Delegierung zur BSG Pillenwerk am Rhein ließ der Schwatte noch mal ein paar Bälle an der Elbe und, im Finale des FDGB-Pokals, an der Spree im Netze zappeln.
Legendenpunkte: zwei von fünf Toren, 40% – 4. Partypunkte: Sieben Tage durchsaufen? Im Kombinat nannte man das damals Arbeitswoche – 7. Ekstasepunkte: Der alte Erzfeind, der BFC Dynamo, spielte keine Rolle mehr. Zwar fand das Finale im Stadion des BFC statt, doch ein Pokalsieg gegen den Polizei SV Schwerin kribbelt so sehr wie ein Pokalsieg gegen den Polizei SV Braunschweig – 2. Summe: 13 Punkte.

Platz 7: Saadi Gaddafi (Al-Ittihad Tripolis, 2003)
Gegen den libyschen Ausnahmefußballer, der zufällig auch Sohn des Revolutionsführers ist, hetzten die Kreuzfahrer vom Spiegel vor acht Jahren: „Stattdessen legen ihm die Mitspieler im Strafraum den Ball ebenso uneigennützig wie präzise auf, damit er ihn bequem ins Tor befördern kann. […] Da jede körperliche Attacke einer Majestätsbeleidigung gleichkäme, halten die Gegenspieler dezent Abstand. Kein Wunder, dass der Stürmer mit 17 Treffern in der vergangenen Saison Torschützenkönig wurde.“
Al-Ittihad gewann 2003 die Libysche Premier League mit 13 Punkten Vorsprung vor Al-Nasr Bengasi. Im Pokalfinale unterlag man Al-Nasr mit 2:3, schlug jedoch den gleichen Gegner anschließend mit 3:0 im Supercup. Es ist anzunehmen, dass der glorreiche Torschützenkönig auch in diesen Spielen mehrfach traf.
Legendenpunkte: Per Dekret lässt Oberst Gaddafi verlauten, dass die volle Punktzahl zu vergeben sei – 10. Partypunkte: Vor tagelangen Feiern in der Region Tripolis warnt das Auswärtige Amt – 1. Ekstasepunkte: Die Erfolge des Hauptstadt-Clubs erfreuten wohl nicht jeden Bürger des Landes – 3. Summe: 14 Punkte.

Platz 6: Ivan Klasnic (SV Werder, 2004)
Meister: Spieltag 32/34, 8.5.2004, Bayern – Werder 1:3, 1 Tor (0:1, 19′); Pokal: 29.05.2004, Werder – Aachen 3:2, 1 Tor (2:0, 45′).
Viele Stürmer hätten ihre Niere Großmutter dafür hergegeben, wenn sie gegen Olli Kahn im Meisterschaftsendspiel mal so ein lustiges Tor hätten schießen dürfen wie Ivan Klasnic. Im Pokalfinale wechselte Aachen übrigens Dennis Brinkmann nach 83 Minuten aus. Nur eine Minute später traf Borowski zum 3:1 für Werder. Soviel zur Frage, ob man den Bremer mit unnötiger Härte beeindrucken kann.
Legendenpunkte: zwei von sechs Toren, 33% – 3. Partypunkte: 21 Tage zwischen Meisterschaft und Pokal. Solange hält kein Mensch durch, auch nicht mit Bremer Antialkoholika wie Jacobs Krönung oder Beck’s Gold. – 3. Ekstasepunkte: Meister auswärts im Münchener Olympiastadion ist schon nicht schlecht. Aber anschließend im Berliner Olympiastadion jene Mannschaft zu schlagen, die im Achtelfinale den Derbysieger rauswarf (Derbysieg 2003/04!), verblüffte wohl auch die kühnsten Bremer Optimisten – 9. Summe: 15 Punkte.

Platz 5: Hakan Sükür (Galatasaray SK, 2000)
Pokal: 3.5.2000, Gala – Antalyaspor 5:3 n.V., 1 Tor (5:3, 115′); Meister: Spieltag 32/34, 7.5.2000, Gala – Kocaelispor 5:0, 1 Tor (3:0, 69′).
Zur Jahrtausendwende glaubte man am Bosporus, dass man den größten Torjäger am größten Schnauzbart erkennt. Nicht der einzige Irrtum in jener Zeit, als gefallene Traditionsvereine in Deutschland dachten, dass Kölmels Sportwelt der beste strategische Partner sei.
Legendenpunkte: zwei von zehn Toren, 20% – 2. Partypunkte: Nur vier Tage zwischen Pokal und Meisterschaft. Schön eine Shisha auf zwei Raki, dann hält der rot-gelbe Fanatik locker durch – 8. Ekstasepunkte: Antalyaspor. Kocaelispor. Gegner, die kaum stärker sind als unser Regionalligist Türkiyemspor. Spielt für Gala-Fans jedoch keine Rolle: Bengalos allez! – 6. Summe: 16 Punkte.

Platz 4: Gerd Müller (FC Bayern, 1969)
Meister: Spieltag 32/34, 24.5.1969, Bayern – Offenbach 5:1, 3 Tore (1:0, 3′, 3:0, 24′, 4:0, 38′); Pokal: 15.6.1969, Bayern – Schalke 2:1, 2 Tore (1:0, 12′, 2:1, 35′).
Es hat sich wenig geändert in den letzten gut 40 Jahren: Den OFC konnte man schon damals ab September vergessen. Und Schalkes oberes Limit war schon damals Platz zwei.
Legendenpunkte: fünf von sieben Toren, 71% – 7. Partypunkte: Drei Wochen Party von Ende Mai bis Mitte Juni hinterlassen trotz Biergartenwetter und gelegentlichem Bad in der Isar irreparable Spuren – 3. Ekstasepunkte: Die Fans der Bayern kannten am Tag des Offenbach-Spiels sicherlich nur ein Thema: „Schon gehört? Eintracht Braunschweig steht nach dem Derby gestern Abend auf Platz drei der Bundesligatabelle! Ein auch in ferner Zukunft unerreichbarer Platz für deren übel riechenden Derbygegner von der Leine!“ – 7. Summe: 17 Punkte.

Platz 3: Diego Milito (FC Internazionale, 2010)
Pokal: 5.5.2010, Roma – Inter 0:1, 1 Tor (39′); Meister: Spieltag 34/34, 16.5.2010, Siena – Inter 0:1, 1 Tor (57′); Champions League, 22.05.2010, Inter – Bayern 2:0, 2 Tore (1:0, 35′, 2:0, 70′).
Auf den ersten Blick hat Inters Diego alles richtig gemacht und steht deshalb zu Recht auf einem Podiumsplatz: Jeden Titel gewonnen und dabei jedes entscheidende Tor geschossen. Das Problem: Wir reden hier vom italienischen Fußball. Nach heutigem Stand der Dinge hat Inter im letzten Jahr alles abgeräumt. Doch was ist in drei Jahren? Vielleicht hat man bis dahin den ursprünglich Zehnten, den Aufsteiger AS Bari, zum Meister 2010 erklärt. Das ist übrigens der Verein der Stadt, in der Marco Calamita geboren wurde. Forza Bari!
Legendenpunkte: Drei Titel, vier Tore, vier mal Milito – 10. Partypunkte: Elf Tage zwischen Pokalsieg und Meisterschaft. So lange sollte man sich nicht nur von Grappa ernähren – 4. Ekstasepunkte: Der Tifosi feiert aus Erfahrung frühestens, wenn das Sportgericht des italienischen Verbandes den endgültigen Meister bestimmt hat. Außerdem wird traditionell bei Inter eine geglückte Grätsche mehr bejubelt als ein geschossenes Tor – 4. Summe: 18 Punkte.

Platz 2: Teddy Sheringham (Manchester United, 1999)
Meister: Spieltag 38/38, 16.5.1999, United – Tottenham 2:1, 0 Tore; Pokal: 22.5.1999, United – Newcastle 2:0, 1 Tor (1:0, 11′); Champions League, 26.5.1999, United – Bayern 2:1, 1 Tor (1:1, 90+1).
ManU musste am letzten Spieltag gewinnen, sonst wäre die Lieblingsmannschaft von Osama bin Laden englischer Meister geworden. Sheringham, der viele Jahre das Trikot der Spurs trug, musste zur Halbzeit seinen Platz für Andy Cole räumen, der prompt Uniteds Siegtor zum Meistertitel schoss. Damit geht der Assist-Point an Sheringham, oder?
Eine Woche danach eröffnete Teddy den Torreigen im Pokalfinale. Vier weitere Tage später dann die unvergessliche Nachspielzeit von Barcelona: Als Einwechselspieler traf Sheringham zum Ausgleich, als der heutige Trainer von Wacker Burghausen schon längst die Sieger-T-Shirts auf der Bayern-Bank verteilt hatte.
Legendenpunkte: zwei von vier Toren, 50%, 5 Punkte. Partypunkte: Statt in 40 Tagen um die Welt in elf Tagen per Partybus von Manchester über Wembley nach Barcelona. Nicht schlecht – 6. Ekstasepunkte: Routinesieg am Samstag, gefolgt von den unglaublichsten drei Minuten der Vereinsgeschichte am Mittwoch – 9. Summe: 20 Punkte.

Platz 1: Marco Calamita (Eintracht Braunschweig, 2011)
Meister: Spieltag 36/38, 30.4.2011, BTSV – VfB II 2:1, 1 Tor (90+2); Pokal: 3.5.2011, Emden – BTSV 1:2, 2 Tore (0:1, 59′, 0:2, 68′).
Das Optimum: Meisterschaft durch ein Tor in der Nachspielzeit, mit Schmackes den Ball in die Maschen gewuppt, direkt vor der Südkurve, mit der allerletzten Aktion des Spiels. Dazu noch, bloß drei Tage später, der Pokalsieg im Alleingang. Pokalsieg bedeutet normalerweise, dass man auf neutralem Platz gewinnt. Nur die ganz Harten, wie der BTSV, gewinnen Pokale sogar auswärts. Und obendrein dürfen auch ein paar Tränen nicht fehlen: Eintrachts Alle-Trophäen-Herausschießer, Marco Calamita, wird den Verein am Saisonende verlassen. Mehr Emotion geht nicht!
Legendenpunkte: Drei von vier Tore, 75% – 8. Partypunkte: Drei Tage zwischen Pokalsieg und Meisterschaft. Die kann man mit einer ausgewogenen Diät, bestehend aus prickelnden Wolters und eiskalten Jägermeister, sehr gut überbrücken – 10. Ekstasepunkte: Am Dienstag wohl recht ruhig, doch zuvor am Samstag eine Explosion von einem Torschrei. Vergleichbares hörte man zuletzt vielleicht bei Risches Elfmeter beim Derbysieg – 8. Summe: 26 Punkte!

Leopedia gratuliert!

One Response to “Doppelt unsterblich”

  • Würde den Cala behalten. Wenn er seine Nerven im Griff hat, ist er auch für die zweite Liga eine Bereicherung. Bis dahin hilft er der Zwooten prima weiter bei der Mission Wiederaufstieg.

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