Eintracht und der FCM

On 19. Mai 2011 by gialloblu

Der FCM am Scheideweg - wohin geht's?Letzten Sonntag, Aufstiegsfeier vor der Braunschweiger Schlossfassade: Schatzi, schenk mir ein Wolters, Lieberknecht und vielen Fans kullern die Tränen, Kumbela entpuppt sich als Feierbiest, Pfitze sagt viele wahre Worte. Zur selben Stunde in Magdeburg: Eintracht II kassiert beim direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt in den letzten zehn Minuten zwei rote Karten, zwei Tore und steigt damit ab. Dem 1.FCM gelingt so die Wiedergutmachung für das dümmste Eigentor des Jahres 2010. Soll man traurig sein, dass Eintracht II absteigen muss? Jeder Fan des blau-gelben Traditionsvereins, der sich jahrelang über unattraktive und wettbewerbsverzerrende zweite Mannschaften aufgeregt hat, sollte froh sein, dass die eigene Zweite über dem Kopf des befreundeten blau-weißen Traditionsvereins nicht die Klospülung zog. Der ehemalige Europapokalsieger gehört wirklich nicht in die Oberliga.

Erst drei Jahre ist es her, da schien der 1.FCM den BTSV in der damals drittklassigen Regionalliga auf absehbare Zeit sportlich abgehängt zu haben: Drei Spieltage vor Schluss hatte Magdeburg nach dem Sieg beim Aufstiegskandidaten 1.FC Union als Zehnter zwei Punkte Vorsprung auf den ersten Nicht-Qualifikanten für die neue Dritte Liga, Rot-Weiß Essen. Zu diesem Zeitpunkt, nach Spieltag 36, nach einem 1:1 gegen Fortuna Düsseldorf, nach dem ersten Spiel mit Lieberknecht als Trainer, stand der BTSV scheinbar aussichtslos auf Platz 13. Ich erinnere mich noch gut an die deprimierende Stille in der Südkurve beim Abpfiff. Und an den Tag danach, als ich mich per Routenplaner schon mal über die Strecken zu möglichen Auswärtsspielen in Greifswald und Meuselwitz informierte. Wären die letzten beiden Wochen der Saison normal verlaufen, stünde der BTSV heute vermutlich finanziell abgebrannt im Keller der Regionalliga. Vielleicht hätten wir am vergangenen Sonntag durch einen späten Sieg gegen Magdeburg II einen wichtigen Schritt Richtung Klassenerhalt getan, während die Erste des Vereins aus der Domstadt an der Elbe endlich nachgeholt hätte, was ihr in Minute 86 am letzten Spieltag im Juni 2007 durch einen lila-weißen Treffer so grausam aus den Händen gerissen wurde: den Aufstieg in die zweite Liga. Bis kurz vor Schluss hatte Björn Lindemanns Ausgleich gegen den bereits aufgestiegenen FC St.Pauli für Magdeburg den Aufstieg bedeutet.

Der 1.FC Magdeburg ist zurzeit selten vergnügungssteuerpflichtig.

Der 1.FC Magdeburg ist zurzeit selten vergnügungssteuerpflichtig.

Oft sind es Glücksfälle oder Kleinigkeiten, späte Tore oder dumme Fehler, die über das langfristige Schicksal von Vereinen entscheiden. Mit etwas Glück hätte sich der BTSV 2008 sogar vorzeitig für die Dritte Liga qualifiziert: Rutscht Matthias Henn bei dem Fortunen-Konter im ersten Spiel unter Lieberknecht nicht auf dem verregneten Rasen aus, trifft Lawarée nicht freistehend zum Düsseldorfer Ausgleich. Liegt beim Hinspiel ein Hochdruckgebiet über dem Rhein, fliegt Horaceks Elfmeter kurz vor Schluss zehn Zentimeter tiefer, knallt von der Unterkante der Latte zum 0:2 ins Tor, statt von der Oberkante hoch in den Oberrang der Messehalle zu segeln, woraufhin neun Fortunen in der Schlussminute doch noch einen Punkt klauen. Macht bei zwei Siegen anstelle von zwei Unentschieden vier zusätzliche Punkte, durch die der BTSV sehr entspannt, ohne auf Lübecker Hilfe angewiesen zu sein, Liga Drei hätte erreichen können.

Der FCM 2010/11: kaum ein Durchkommen

Der FCM 2010/11: kaum ein Durchkommen

Andererseits gab es 2007/08 auch Momente, in denen Glücksgöttin Fortuna der Eintracht beistand. Man kann unsere Qualifikation für Liga Drei auf Kosten Magdeburgs sogar auf eine einzige Szene reduzieren: Ein Magdeburger Spieler läuft im falschen Moment einen Meter, wodurch der 1.FCM gegen uns zwei Punkte verliert, wir einen Punkt dazugewinnen und so am Ende in Liga Drei stehen: Auch diese Blödheit, eine einzige Szene in 38 Spielen, entschied 2008 darüber, wer 2011 in Liga Zwei aufsteigen darf und wer 2011 im Keller der Regionalliga vegetiert.

Sympathische Leute da beim Club. Wäre schön, wenn es endlich wieder aufwärts ginge.

Sympathische Leute da beim Club. Wäre schön, wenn es endlich wieder aufwärts ginge.

Aus Dankbarkeit für diese Szene würde ich dem Magdeburger In-den-Strafraum-Läufer an einem Samstag gerne unbegrenzt viele pils- und schnapshaltige Getränke ausgeben. Ich würde ihn auch am Sonntag Morgen auf dem Fahrrad anschieben, falls er als Regenerationstraining irgendwelche Seen umrunden muss. Und ich würde ihn daran erinnern, dass es schlimmere Dinge gibt, als aus Dummheit Tore gegen den BTSV zu verhindern: zum Beispiel, für den VfL Osnabrück spielen zu müssen. Soll jetzt aber nicht mehr das Problem dieses Spielers sein, habe ich gehört…

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