Neue Saison, neue Gegner

On 23. Juni 2011 by gialloblu

Der Bayer an sich neigt zu extremer KörperbehaarungErst gab’s vorletzten Samstag die Pokalauslosung, dann kam am Dienstag der Spielplan für 2011/12 raus. Vergangen und verdrängt sind die drei Saisons, in denen wir gegen Vereine spielten, deren Namen man nur mit der Lupe unterscheiden konnte: Ahlen und Aalen; Burghausen und Sandhausen. Stattdessen kommen demnächst richtige Gegner ins Eintracht-Stadion: Zwischen Löwen gegen Löwen (1. Spieltag) und Eintracht gegen Eintracht (3. Spieltag) – lest zu dem Thema bitte diesen Artikel – kommt im Pokal tatsächlich der große FC Bayern zu Besuch. Man könnte auch sagen: Die ersten beiden Spiele an der Hamburger Straße lauten Braunschweig – München. Egal, wir freuen uns trotzdem!

Weniger groß scheint die Vorfreude in den südlichen Bergtälern zu sein: „Die Bayern müssen nach Braunschweig“, titelte kicker.de mahnend im Anschluss an die Pokalauslosung. Sicherlich hätten die Bajuffen lieber „Spaziergang in Osnabrück“ oder „Freispiel in Bielefeld“ als Überschrift gelesen, doch nein, sie müssen nach Braunschweig. Bloß warum heißt es „müssen“? Es gibt zwei Gründe, weshalb eine Reise zum BTSV aus Sicht der Bayern wenig Vorfreude auslöst:

Erstens: die Mannschaft. Meister werden mit endlos vielen Punkten Vorsprung – das kennt man an der Säbener Straße aus früheren Jahren, traf in der abgelaufenen Saison jedoch exklusiv auf den BTSV zu. Natürlich haben die Bayern ihre Stars: Arjen Robben, auch wenn er immer erst zur Rückrunde das rot-weiße T-Trikot trägt. Franck Ribery, der bei der letzten WM bewies, dass er schneller als die eigenen Fans eine Busblockade anzetteln kann. Mario Gomez, der mit seiner neuen „Helden von Bern“-Frisur nach Belieben das Tor trifft, sich aber hoffentlich an keiner „Helden von Bern“-Vitaminspritze die Gelbsucht geholt hat. Philipp Lahm, der sicherlich einer der größten Fußballer unter (grob geschätzten) ein Meter vierzig ist. Manuel Neuer, der sich in seinem ersten Pflichtspiel für die Bazen schon auf den warmen Applaus der Bayern-Ultras freut. Die sportliche Prognose: Anker Wismar gegen Eintracht Braunschweig in Runde zwei. Die Auslosung warten wir erst gar nicht ab. Wir fahren Ende Oktober einfach an den Ostseestrand, versenken den Anker und freuen uns aufs Achtelfinale.

Zweitens: die Fans. Bayerns Fans haben einen miesen Ruf – zu Unrecht, wie ich finde. „Eure Scheißstimmung, da seid ihr doch für verantwortlich!“ rief ihnen der große Vorsitzende, Uli Hoeneß, einst auf der Jahreshauptversammlung zu. Zu Unrecht, denn von angeblich 10,2 Millionen FCB-Fans in Deutschland, die sich bei Bundesliga-Heimspielen um 8.000 Karten im freien Verkauf balgen, können rechnerisch maximal 2% im Laufe der Saison die Versicherer-Arena von innen sehen. Die restlichen 98% verbringen ihr Fan-Dasein also ausschließlich vor der Glotze, so dass sie unmöglich schuld an der Scheißstimmung beim Live-Event in Fröttmaning sein können. Ganz anders ist übrigens die Situation in Braunschweig: Eine repräsentative Umfrage beim BTSV-Fanclub Berliner Löwen ergab, dass 100% der Eintracht-Fans in der vergangenen Saison zu Besuch im Eintracht-Stadion waren und dort für Superstimmung sorgten.

Ebenso täuscht der Eindruck, dass jeder einzelne Bayern-Fan ein Bauer ist. Sicherlich ist es wahr, dass jeden zweiten Samstag Vormittag auf der A9, von Thüringen bis zum Kreuz München-Nord, eine rot-weiße Prozession die Kriechspur verstopft: Reisebusse von Unternehmen aus Hinterwinkel, Arschderwelt oder Tiefimwald, Bayern-Fahne im Rückfenster, schlafende Landwirte an den Seitenfenstern. Ebenfalls wahr ist, dass auf dieser Karte der Bayern-Fanclubs in Deutschland einige entvölkerte Landstriche dermaßen blutrot vollgespritzt sind, dass man meinen könnte, dort habe ein Irrer mit der Kettensäge ein lebendes Pferd zerteilt. Andererseits glaube ich durchaus, einzelne rote Tupfen als Potsdam, Düsseldorf oder Leipzig identifizieren zu können. Viel städtischer geprägt ist übrigens die Braunschweiger Fanszene: Eine repräsentative Umfrage beim BTSV-Fanclub Berliner Löwen ergab, dass 93% der Eintracht-Fans in einer Großstadt leben.

Wem diese Lektüre zwischen Kühe melken, Holz hacken und Korn dreschen zu anstrengend ist, kann alles Wesentliche über Bayern-Fans aus dem folgenden 3-Minuten-Clip erfahren. Damit kicker.de am Ende nicht titeln muss: „Die Bayern müssen jetzt auch noch lange Texte lesen“.

 

PS: Untertitel nicht sichtbar? Bitte den Icon [CC] im Youtube-Player anklicken!

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