Zweimal Eintracht? 380 Euro!

On 27. Juli 2011 by togo

Der Effe für Schwarzhändler!So genannte Highlights schaffen es immer wieder, die schlechtesten Seiten der Menschen zutage zu fördern. Eintracht zieht im DFB-Pokal den FC Bayern München – ein Traumlos, sagen die einen. Tradition gegen Tradition, sagen die anderen. Dem Ersten ist diese Partie eine Liveübertragung wert, trotzdem war natürlich klar, dass es für die Fans unglaublich schwer würde, Karten für das Spiel zu bekommen. Denn wer keine Dauerkarte hat, der musste beim heutigen Start des offenen Vorverkaufs schnell sein. Nicht in Franks Lauf-Shop, nicht vor der Geschäftsstelle, sondern online oder am Telefon. Denn die wenigen verfügbaren Karten wurden ausschließlich über die Tickethotline und den Ticketshop im Internet verkauft. Angesichts der Erfahrungen beim Dauerkartenverkauf mit den langen Schlangen vor der Geschäftsstelle auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Denn auch so waren die Tickets innerhalb kürzester Zeit vergriffen.

Aber was hat das alles mit den schlechtesten Seiten der Menschen zu tun? Nun, was selten ist, ist teuer. Betriebswirtschaftlich gesprochen. Wer also eine Karte für das Pokalspiel übrig hat, kann sie für reichlich Geld verhökern. Zumindest in der Theorie. Denn drei Argumente sprechen dagegen:

  1. Eintracht hat den Verkauf auf eine Karte pro Person limitiert. Man konnte also keine Unmengen an Tickets kaufen, um sie anschließend auf den Schwarzmarkt zu schmeißen.
  2. Die AGB zum Kartenverkauf sprechen eine deutliche Sprache: Eintracht hat den Weiterverkauf der Karten zu überteuerten Preisen, namentlich wird Ebay genannt, untersagt. Wer eine Karte ersteht, akzeptiert diese Regelung. Ein Verstoß gegen die AGB erlaubt Eintracht nach üblichem Rechtsverständnis das Einziehen der betreffenden Karte. Ein freies Handeln ist nicht möglich, auch wenn das immer wieder gern behauptet wird.
  3. Wir sind Eintracht! Wir haben in miesen Zeiten zusammen gehalten, allein deshalb gibt es uns wohl überhaupt noch. Wir waren tot, mausetot. Haben vor 2000 Zuschauern gegen den SV Lurup gespielt, gegen Mahndorf. Auswärts in Herzlake hatten wir einen Bus dabei. Einen einzigen. Dass es heute wieder besser aussieht, viel besser, verdanken wir unserem Durchhaltevermögen, unserer Affenliebe zum BTSV – und einigen Menschen, die vor ein paar Jahren das Ruder in die Hand genommen haben und mit akribischer Arbeit dafür sorgten, dass wir nicht in der Versenkung gelandet sind, sondern an der Spitze der zweiten Bundesliga – mit dem vielleicht besten Fußball der letzten 25 Jahre.

Und trotzdem finden sich beim weltweiten Schrottplatz schon wieder einige Eintrittskarten zur Pokalpartie wieder. Mittlerweile übrigens bevorzugt unter den Ebay-Kleinanzeigen, denn da kostet das Verkaufen keine Provision, da gilt Verkaufspreis – Einkaufspreis = Gewinn. Momentaner Spitzenreiter im Bereich Dreistigkeit und Wucher dürfte die Anzeige eines Braunschweigers sein, der für zwei Sitzplatzkarten den Mondpreis von 380 Euro haben möchte (Edit: die Anzeige ist mittlerweile gelöscht worden):

Eintracht Braunschweig gegen Bayern München - 380 Euro für zwei Sitzplätze!
Eintracht Braunschweig gegen Bayern München – 380 Euro für zwei Sitzplätze! Brennt’s?

Was auffällt: der Verkäufer (die angegebene Telefonnummer verrät: ein Immobilienmakler aus Braunschweig) scheint einige Karten zu besitzen. Reihe ca. 8 , 9 oder 10, Plätze ca. 4-13.  Insgesamt 30 Plätze, aus denen man da auswählen kann. Oder weiß der Verkäufer gar nicht, welche Karten er besitzt? Besitzt er überhaupt welche? Denn, normalerweise weiß man als Dauerkartenbesitzer doch selbst am besten, welchen Platz man hat.

Gut möglich, dass die Karten aus dem Kontingent eines Sponsoren stammen. Klarheit könnte uns da nur Eintracht selbst verschaffen, was der Verein aber nicht tun wird. Und auch das ist richtig. Schließlich soll der Verein niemanden an den Pranger stellen – es reicht, wenn dieser unerträgliche Schwarzhandel, das Profitieren auf Kosten anderer Eintracht-Fans, effektiv bekämpft wird. Denn nichts ist ekelhafter als dass langjährige Fans plötzlich vielfach überteuerte Tickets kaufen müssen, weil irgendwelche Märzgefallenen sich die Karten allein zum Zwecke besorgen, sie weiter zu verkaufen.

Wir wünschen Eintracht viel Erfolg beim Durchsetzen der AGB!

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