Gegen Braunschweig kann man mal verlieren

On 29. Juli 2011 by gialloblu

Mehr Punkte als Lux - Eintrachts Ziel!Zwei Spiele, zwei Siege. Tabellenführung mit fünf zu eins Toren. Genauso wie im Vorjahr, bloß eine Liga höher. Genauso? Nicht ganz! Denn in dieser Saison setzte jede Niederlage gegen den BTSV prompt das gegnerische Personalkarussell in Schwung: So trat der Aufsichtsratsvorsitzende von 1860 nur Tage nach dem 1:3 in Braunschweig zurück – vermutlich, damit der TSV unter neuer Führung versuchen kann, die Qualitätslücke zum BTSV zu schließen. Die Alemannia erkannte gegen den BTSV die Unterlegenheit ihres kickenden Personals und verpflichtete Stunden nach dem 0:2 einen Zehner fürs Mittelfeld. Sowohl bei 1860 als auch in Aachen gilt: Der Mangel an Qualität wurde registriert, Gegenmaßnahmen wurden schnell eingeleitet.

Völlig anders ist die Situation, wenn ein Verein den Trainer beurlaubt: Nicht die Qualität der Vereinsführung oder des Kaders sind Schuld an der Misere, sondern der Idiot an der Seitenlinie, der die Mannschaft falsch auf- oder eingestellt hat. Verliert die Mannschaft dann noch gegen die letzte Trotteltruppe, hilft nur noch eine Maßnahme, wenn sich der blutrünstige Hassmob am Mannschaftsbus oder am Spielerausgang sammelt: Trainer raus!

Deshalb gibt es für alle Trainer heute eine kleine Survival-Liste: Wer sind in den obersten drei Ligen die Trotteltruppen, gegen die man besser nicht verlieren sollte, wenn man am Trainer-Job hängt? Hier die Top-Ten der Vereine, die in der kürzesten Vergangenheit dreimal dafür sorgten, dass nach Spielschluss beim Gegner der Trainerkopf rollte:

Platz 10: VfL Wolfsburg – 1405 Tage
Innerhalb der letzten 1405 Tage bedeuteten Niederlagen gegen die Schrauber das Ende der letzten Schicht für die Trainer Sander (Cottbus, 23. September 2007), Veh (Stuttgart, November 2008) und Schaefer (Köln, April 2011). Bemerkenswert am Fall Armin Veh: Erst als VfB-Trainer nach einem Spiel gegen das Werksteam gefeuert – und anschließend beim Werksteam eingestellt. Das ist so, als würde Felix Magath im Anschluss an die heutige Pokalüberraschung bei den Leipziger Brausebrauern anheuern. Völlig undenkbar…

Platz 9: 1.FC Kaiserslautern – 1199 Tage
Außerplanmäßiger Urlaub für die Trainer Loose (Augsburg, 16. April 2008), von Heesen (Nürnberg, August 2008) und Rapolder (Koblenz, Dezember 2009) nach Niederlagen auf dem Betzenberg. Vielleicht ist Jupp Heynckes bald der Nächste: Erst diese Pokalpleite und dann, am 4. Spieltag, diese wiederholte Bayern-Niederlage bei den Roten Teufeln.

Platz 8: 1.FC Köln – 1027 Tage
Einmal bitte ein Arbeitszeugnis schreiben für die Gegen-den-Geißbock-Verlierer Luhukay (Gladbach, 5. Oktober 2008), Oenning (Nürnberg, Dezember 2009) und Veh (Wolfsburg, Januar 2010). Egal ob bei Fortuna Köln zu Jean Löhrings Zeiten, beim Effzee, oder auch bei Gegnern des Effzee: Auf Kölner Boden ist der Trainer-Job stets ein prekäres Arbeitsverhältnis.

Platz 7: 1.FC Union Berlin – 977 Tage
Union war für gegnerische Trainer mal ein heißes Pflaster – als die Eisernen eine Saison lang im Jahnsportpark spielten: Kristl (Regensburg, 24. November 2008), van Eck (Jena, März 2009) und Euro-Eddy Schmitt (Kickers Stuttgart, April 2009) wurden nach Spielen gegen Union ruckzuck abgesägt. Seit der Rückkehr in die Alte Försterei ist dieser Zauber jedoch verflogen. Waren die alten Zeiten, mit BFC-Stadion und Stasi-Wachregiment Feliks Dzierzynski, für Union etwa doch die guten Zeiten?

Platz 6: FC St.Pauli – 874 Tage
Gegen Pauli endeten die Hoffnungen der Trainer Eilts (Rostock, 7. März 2009), Frontzeck (Gladbach, Februar 2011) und Skibbe (Frankfurt, März 2011), ihre jeweiligen Clubs doch noch aus den Tabellenkeller zu lotsen. Besonders blamabel für das Hafengesindel: Skibbe flog nach Frankfurts einzigem Sieg in der vergangenen Rückrunde. Was ist für den Main-trächtler also schlimmer als ein 0:3 in Mainz? Ein mageres 2:1 gegen Pauli!

Platz 5: FSV Frankfurt – 858 Tage
„Gegen wen haben wir gestern verloren? … Gegen WEN? … Die spielen mit uns in einer Liga? … Trainer, du bist gefeuert!“ Ein Dialog, in dem die Übungsleiter Frank (Wehen, 23. März 2009), Fach (Augsburg, April 2009) und Seeberger (Aachen, September 2009) nur die undankbare Rolle spielten.

Platz 4: FC Hansa Rostock – 816 Tage
Bei Hansa suspendiert man Spieler nach Besuchen in der Disco, woanders suspendiert man Trainer nach Spielen gegen Hansa: Sasic (Kaiserslautern, 4. Mai 2009), Raab (Jena, Oktober 2010) und Maucksch (Dresden, April 2011) können davon ein Lied singen – und anschließend, wenn sie wollen, zu diesem Lied in der Disco abzappeln.

Platz 3: Werder Bremen II – 815 Tage
Mit hauchdünnem Vorsprung schaffte Werders Zwoote als Dritter den Sprung aufs Siegerpodest der Trotteltruppen. Für Sander (Aalen, 5. Mai 2009), Dotchev (Paderborn, Mai 2009) und Kaiser (Dresden, Oktober 2009) führten Niederlagen gegen Werder II zum sofortigen Karriereknick. Gegen welchen Gegner verlor eigentlich Eintrachts Trainer Lieberknecht sein letztes Spiel? Gegen Werder II?! Entgegen branchenüblicher Praxis wurde er zum Glück nicht gefeuert.

Platz 2: FC Augsburg – 638 Tage
Deppensilber geht an den unscheinbaren Aufsteiger aus Schwaben. Zuletzt Ziege (Bielefeld, November 2010), davor Zachhuber (Rostock, Februar 2010), davor Neururer (Duisburg, 29. Oktober 2009) fühlten sich nach Pleiten gegen die Puppenkiste wohl wie Marionetten, denen der Präsident die Strippen durchgeschnitten hat. Wann wird Neururer eigentlich zum dritte Mal Trainer in… Dings… Wie heißen die nochmal?

Platz 1: Hannover 96 – 278 Tage
Die Frage, warum der schnuckelige Club der 50+1-Bekämpfer in der vergangenen Saison auswärts in Gold spielte, ist beantwortet: Deppengold geht mit pferdeturmhohem Vorsprung an den Maschsee! Wer als Trainer gegen diese Trotteltruppe verliert, kann – und so soll es sein – statt zur Pressekonferenz gleich zum Job Center gehen. Allein die letzten zehn Heimsiege der Finanzoptimierer führten zu drei Trainerentlassungen: Soldo (Köln, 24. Oktober 2010), Keller (Stuttgart, Dezember 2010) und McClaren (Wolfsburg, Februar 2011). Trainer, aufgepasst: Niemals gegen diesen Verein verlieren! Euer Job wäre in größter Gefahr!!

Abseits der Spitzenplätze gibt es natürlich Vereine, gegen die man als Trainer fast sorgenfrei verlieren darf. Der letzte Trainer, der nach einer Niederlage gegen den BTSV seinen Spind räumen musste, war, in grauer Vorzeit, im November 2003, Eintrachts ehemaliger Aufstiegstrainer Vollmann, sozusagen der Anti-Veh: Erst als Trainer in Braunschweig vor die Tür gesetzt, und anschließend, in Münster, nach einem Spiel gegen Eintracht gefeuert. Seitdem haben Vereine eingesehen, dass man gegen Braunschweig mal verlieren kann. Und statt den Coach zu entlassen gibt es viele Möglichkeiten, Defizite im Verein zu beseitigen: 1860 besetzt den Aufsichtsrat neu; Aachen kauft einen neuen Spieler; Lothar Matthäus wird doch noch Greenkeeper bei den Bayern; Eintracht Frankfurt wechselt das Wappentier; der KSC wechselt in die zweite französische Liga; Erzgebirge Aue lässt sich in eine Stadt delegieren, und so weiter, und so weiter…

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