Achtung, sofortiger Untergang voraus!

On 8. August 2011 by togo

Manchmal ist nicht der Himmel das Limit, sondern das Stadiondach...Mein Kalender sagt, Wochen beginnen mit einem Montag und enden regelmäßig sonntags. Auf Eintracht Braunschweigs vergangene Arbeitswoche bezogen könnte man auch sagen: sie begann mit einem 0:3 und endete mit einem 0:3. Keine schönen Ergebnisse. Aber keine Sorge: die Welt geht davon nicht unter. Das habe ich letztens aus einer Packung tiefgefrorener Tintenfischringe gelesen.

Allerdings war es schon eine Wohltat, am Sonntag im Eintracht-Stadion gewesen zu sein und die Kommentare anderer Anhänger aufzuschnappen. Ohne zitieren zu wollen, ging es doch bemerkenswert häufig darum, dass Eintracht jetzt unweigerlich den Weg auf der Abwärtsspirale nehmen würde. Überspitzt gesagt: wir steigen mit sechs Punkten ab. Wie bitte? So etwas zu hören soll eine Wohltat sein? Klar – der alte Fatalismus hat uns wieder, und er steht uns deutlich besser als das ständige Geschwafel vom Durchmarsch. Es war ja nicht mehr auszuhalten, ständig nur Erfolgsmeldungen zu lesen und miterleben zu müssen, wie normalerweise durchaus rational tickende Zeitgenossen plötzlich von der Deutschen Meisterschaft 2017, passend zum Jubiläum, sprachen.

Dass die Stimmung bei den Fans von Eintracht Braunschweig großartig ist, wissen wir ja bereits...

Dass die Stimmung bei den Fans von Eintracht Braunschweig großartig ist, wissen wir ja bereits...

Ich gehe nicht soweit, Bayern München und Eintracht Frankfurt für die Lehrstunden zu danken. Zumindest nicht öffentlich. Aber ich bin froh, dass wir sie bekommen haben. Und dann noch früh genug in der Saison, um daraus zu lernen und davon zu profitieren.

Denn was ist schon passiert? Der deutsche Rekordmeister, der ausschließlich mit Nationalspielern auflief, hat uns leidenschaftslos und unspektakulär aus dem Pokal geworfen. Dabei gelang den Bayern das Kunststück, ohne Torchancen drei Treffer zu erzielen: durch zwei berechtigte Foulelfmeter und ein Ding, was irgendwie als Zirkustrick durchgehen kann (allerdings auch irregulär war, denn Thomas Müller hatte seinen Fuß bemerkenswert hoch gejagt und dabei eine Kopfverletzung seines Gegenspielers riskiert). Eintracht hatte in dieser Partie nicht den Hauch einer Chance – und dafür entschuldigen, dass wir eine Sensation nicht geschafft haben, brauchen wir uns wirklich nicht.

...aber dass auch Gästefans etwas zur Atmosphäre beitragen, war bisher eher selten. Deshalb: Herzlich Willkommen, Eintracht Frankfurt!

...aber dass auch Gästefans etwas zur Atmosphäre beitragen, war bisher eher selten. Deshalb: Herzlich Willkommen, Eintracht Frankfurt!

Dann kam gestern die SGE ins Eintracht-Stadion. Erster Eindruck: endlich mal wieder Gästefans, die Stimmung mitbringen! Die Partie lief dann allerdings auch recht übersichtlich ab: Eintracht nicht schnell genug, nicht spritzig genug, Frankfurt viel zu oft einen Schritt fixer und dazu noch ballsicherer. Der Sieg der SGE ging genauso in Ordnung wie der der Bayern sechs Tage vorher. Allerdings fiel auch dieses Ergebnis ein, zwei Tore zu hoch aus. Denn wir waren nicht chancenlos gegen die Frankfurter. Und gegen 14 von 17 Zweitligagegner hätte die gestrige Leistung auch für einen Punkt oder mehr gereicht. Eintracht Frankfurt aber ist kein Zweitligist. Zumindest nicht vom Kader her.

Die Moral stimmt: Die Mannschaft des BTSV nach Abpfiff.

Die Moral stimmt: Die Mannschaft des BTSV nach Abpfiff.

Und damit sind wir bei der Lektion, die wir in dieser Woche lernen konnten: wir sind gerade mal aus der Dritten Liga aufgestiegen. Wir sind noch lange nicht soweit, von der Ersten Bundesliga zu reden. Wir sind ein würdiger Zweitligist, der mit einigen Teams mithalten kann, aber eben nicht mit allen. Und: es ist gar nichts passiert. Der Untergang muss wohl doch noch einmal verschoben werden.

Theo Gekas wird abgegrätscht. Die neue Eintracht?

Theo Gekas wird abgegrätscht. Die neue Eintracht?

Letztendlich haben wir gestern sogar vielleicht die Geburt einer vielseitigeren Eintracht erlebt. Denn plötzlich wurde sogar mal gefoult. Ich muss zugeben, dass ich bei einer Aktion, als Mirko Boland seinen Gegner einfach mal umsäbelte, spontan applaudiert habe. Denn wenn Eintracht zuletzt etwas vermissen ließ, dann am ehesten die Aggressivität, dem Gegner auch mal auf die Füße zu trampeln. Gegen Bayern München und Eintracht Frankfurt probierte man es – wie eigentlich immer, seit Torsten Lieberknecht unser Trainer ist – mit rein spielerischen Mitteln, mit dem typischen schnellen Umschalten von Betonabwehr auf Angriff. Das ist generell toller Fußball, sauber, fair, schön anzusehen. Aber der Gegner muss es zulassen. Unsere letzten Gegner taten das nicht, und es ist anzunehmen, dass auch die kommenden uns irgendwann ausgeguckt haben werden.

Wir brauchen also ein zweites Gesicht für unsere Eintracht. Ein Gesicht, das Schrammen und blaue Flecken ziert. Dreckige Hosen, aufgeschrammte Knie. Was macht eigentlich Sergej Fokin?

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