Blerim Rrustemi: der albanische Krug

On 19. August 2011 by togo

Volle Ränge: für Blerim Rrustemi nur noch als Zuschauer„Wer weiß, wozu es gut ist“ – wie oft habe ich mich schon mit diesem Spruch getröstet, wenn etwas passiert ist, was auf den ersten Blick (und oft auch auf den zweiten und dritten) ärgerlich ist. Die Auktion bei Ebay, die man in letzter Sekunde „verlor“. Oder das geplatzte Date mit ’nem netten Mädel. Die Liste ist lang, und jeder von uns könnte mit Leichtigkeit sein eigenes „wer weiß, wozu es gut ist“ hinzufügen.

Auch unsere Eintracht hat diese Erlebnisse hinter sich. Besonders gern murmeln wir Fans den Spruch, wenn ein vom BTSV umworbener Spieler unverständlicherweise woanders hin gegangen ist. Manchmal, übrigens, ist es offensichtlich wirklich gut gewesen, dass ein Spieler das Angebot aus Braunschweig abgelehnt hat. Von einem dieser Spieler möchte die Leopedia, Euer Online-Fachmagazin für das Stochern in alten Wunden, Euch jetzt berichten.

Es war im Januar 2008. Eintracht rumpelte unter Trainer Benno Möhlmann im unteren Mittelfeld der Regionalliga Nord herum. Und das war problematisch, denn der BTSV musste wenigstens Zehnter werden, um die eingleisige Dritte Liga zu erreichen. Also sah man sich auf dem Transfermarkt um, hörte eifrigen Spielervermittlern zu und lud zu Probetrainings ein. Einer, der damals kurz davor stand, das heilige Trikot mit dem roten Löwen überzustreifen, war Blerim Rrustemi, ein damals aktueller albanischer Nationalspieler aus der zweiten Reihe. Rrustemi stand kurz vor seinem 25. Geburtstag, stammte aus der Amateurmannschaft von Borussia Mönchengladbach und fand über den Umweg AC Horsens (Dänemark) seinen Weg zum Probetraining beim BTSV.

Der Innenverteidiger hatte Möhlmann anscheinend bereits überzeugt, zumindest hatte unser Trainer-Fossil ihn für einen Einsatz in einem Testspiel vorgesehen. Hätte Blerim Rrustemi hier halbwegs überzeugt, er wäre wohl ein Löwe geworden. Dass es nicht so kam, verdanken wir Rrustemis flexibler Haltung zur Wahrheit – und Rot-Weiß Erfurt. Denn die Thüringer hatten ebenfalls ein Auge auf den Albaner geworfen und ihn ihrerseits zur persönlichen Vorstellung eingeladen. Da es bei Erfurt damals sportlich besser lief als beim BTSV (man war Tabellenzweiter und schielte auf den Aufstieg), überlegte der ehrgeizige Rrustemi, wie er am besten rüber machen könne. Er erzählte den Braunschweigern was vom Pferd („muss in Mönchengladbach ein paar persönliche Angelegenheiten klären und komme dann wieder“) – und dampfte ab nach Erfurt. Dort wurde flugs unterschrieben, sehr zum Ärger von Benno Möhlmann, der sich belogen fühlte.

Soweit die Geschichte, die wir alle kennen. Aber wie ging es weiter mit dem albanischen Nationalverteidiger, der mit Rot-Weiß Erfurt in die Zweite Bundesliga aufsteigen wollte? Nun, jetzt gerade (Freitagabend, 20:40 Uhr), steht er auf dem Platz und spielt Fußball – für seinen aktuellen Verein, den Goslarer SC. Der tritt heute Abend nämlich bei Kickers Emden an, in der fünftklassigen Niedersachsenliga.

Nanu? Ist da etwa was schief gelaufen bei Blerim Rrustemi? Was ist geworden aus den hochtrabenden Plänen des Albaners? Nicht viel. Bei Rot-Weiß Erfurt jedenfalls konnte Rrustemi nicht überzeugen – er spielte ganze sieben Mal für die Thüringer, wurde dabei zwei Mal aus- und ein Mal eingewechselt und musste den Club bereits ein halbes Jahr später wieder verlassen. Rrustemi zog es nach Zypern zu Alki (die heißen wirklich so) Larnaka, mit recht wenig Erfolg. Ein Versuch, in der Folgesaison in der albanischen Liga Fuß zu fassen, schlug ebenfalls fehl – für den Klub KF Vllaznia Shkoder (mit zwei Punkten über dem e) kam er lediglich zu zehn oft recht kurzen Einsätzen. Übrigens hatte sich die Karriere in der Nationalelf mittlerweile auch erledigt.

Es folgte der Ruf des FC Wegberg-Beeck. Hier, in der fünftklassigen NRW-Liga, sollte er endlich mal wieder häufiger spielen. 27 Einsätze mit 4 Treffern standen am Ende zu Buche – nicht schlecht für einen, der auszog, um jeden Preis zweite Bundesliga zu spielen! Zur aktuellen Saison wollte Rrustemi es noch einmal wissen. Der Goslarer SC, immerhin ein Ex-Regionalligist mit zahlreichen aus dem Komödiantenstadl entliehenen Geschichten über Vorstand, Trainer und Spieler, hatte gerufen. Unter Trainer-Fuchs Manfred Wölpper (was, den kennst Du nicht? Skandal! Dann lies es nach!) ist Blerim Rrustemi wieder Stammspieler. Und beim spannenden 3:3-Remis gegen den emsländischen Aufsteiger SV Holthausen/Biene am zweiten Spieltag gelang dem Verteidiger sogar bereits eine Bude!

Mal im Ernst: seien wir doch froh, dass der albanische Krug damals an uns vorbeigezogen ist. Alles ist gut, so wie es sich entwickelt hat. Todde löste Möhlmann ab, führte uns zur Quali, später in die Zweite Bundesliga. Und das alles ohne Blerim Rrustemi. Fußballgott sei Dank!

PS: Gerade eben hat Blerim Rrustemi im Spiel bei Kickers Emden (74.) nach einem Ellbogenstoß die rote Karte gesehen…

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