Nach Unterschrift verschollen – die Geschichte von Aboy-Emeka Obidile

On 2. Oktober 2011 by togo

Unternehmt mit mir einen kleinen Ausflug in das Jahr 1999: Eintracht Braunschweig bastelt gerade an seinem Kader für das Projekt Aufstieg. Es ist das siebte Jahr in der Drittklassigkeit, jetzt soll es doch endlich klappen! In der Vorsaison wurde der BTSV lediglich Dritter in der Regionalliga Nord, die damals noch aus den Vertretern der vier Nordbundesländer Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein bestand. Vorjahresmeister VfL Osnabrück und der Zweitplatzierte VfB Lübeck hatten zweistellige Punktevorsprünge auf Eintracht, die mit dem Aufstiegskampf frühzeitig nichts mehr zu tun hatte. Was für eine Enttäuschung! Zwei Mal nacheinander bereits hatte man den Aufstieg trotz hervorragender Punkteausbeuten nicht geschafft, weil Hannover 96 deutlich mehr Geld in die Hand genommen hatte und jeweils knapp vor der Eintracht landete.

Jetzt, 1999, sollte endlich eine Aufstiegsmannschaft geformt werden. Und wer ist dafür besser geeignet als der Trainer, der dem Erzrivalen diese zwei Meisterschaften beschert hatte? Reinhold Fanz, der bei den Roten wohl auf Lebenszeit hätte Trainer bleiben können, hatte zwischendurch dem Werben der Frankfurter Eintracht nachgegeben, war dort aber nach wenigen Spielen bereits wieder geflogen. Beim BTSV war man sich sicher: dieser Mann wird uns endlich zurück in die Zweite Bundesliga bringen!

Die Fanszene reagierte darauf gespalten. Die einen sahen Fanz als Chance, der Tristesse der Regionalliga mit Gegnern wie TuS Celle, VfL Herzlake oder Sportfreunde Ricklingen zu entfliehen. Für andere war er nur der Rote, der niemals ein Löwe werden könnte. Unvergessen bleibt in dieser Hinsicht das Transparent, das Goldi damals in Herzlake entrollte: „Reinhold Fanz lutscht an jedem Schwanz“ stand da zu lesen. Auch für Reinhold Fanz selbst, denn der stand mit auf der Stehplatzgeraden, um schon einmal Kontakt zu den Braunschweiger Fans aufzunehmen… 😉

Ähm… wo waren wir? Ach ja, Reinhold Fanz wurde also zur Saison 1999/2000 neuer Trainer unserer Löwen. Und wie er es aus Hannover kannte, kaufte er erst einmal groß ein. Und ein wenig hatte man das Gefühl, dass er sich dabei selbst kopierte: bei den Roten hatten Gerald Asamoah und Otto Addo doch wunderbar eingeschlagen, also müsste man doch auch für Eintracht zwei, drei Schwarze finden, die voll einschlagen, oder? Fanz suchte und fand: Tobias Oteng-Mensah (21, SV Wehen), Victor Siasia (18, Werder Bremen Amateure) und… Obidile! Was, der Name sagt Dir nichts? Kein Wunder, denn der Spieler ist nie für die Eintracht aufgelaufen.

Trikot da, Spieler weg - Obidile!

Trikot da, Spieler weg - Obidile!

Aboy-Emeka Obidile ist Reinhold Fanz als Flitzer bei Atlas Delmenhorst aufgefallen. Jetzt, mit der Mission „Aufstieg Eintracht“ vor Augen, erinnerte sich der Mannheimer an Obidile. Der spielte mittlerweile beim Spandauer SV, sagte freudig zu und unterschrieb beim BTSV einen Zweijahresvertrag. Vorher aber wolle er erst noch kurz einen Heimaturlaub in Nigeria machen, um seine Familie zu besuchen.

Von diesem Heimaturlaub kam Obidile nicht rechtzeitig zurück. Eintracht kündigte den Vertrag mit dem Mittelfeldspieler, der die Nummer 16 tragen sollte, fristlos.  Einige Wochen später tauchte Obidile wieder in Europa auf und schloss sich Odra Oppeln (zweite polnische Liga) an. Einen Verein in Deutschland fand er nie wieder, er tingelte später noch durch Griechenland und Schottland.

Wahrscheinlich kennt niemand mehr in Braunschweig Aboy-Emeka Obidile und diese kleine Anekdote. Für mich aber ist dieser Spieler und die Geschichte zu ihm ständig präsent. Ich erinnere mich regelmäßig an sie, wenn ich das Trikot der Saison 1999/2000 heraus hole und trage. Was hinten drauf steht? Die Nummer 16 – Obidile!

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