Wie verhext!

On 21. Oktober 2011 by gialloblu

Manchmal ist es wie verhext: Im Frühjahr stellt man sich auf die Waage, und prompt wiegt man fünf Kilo mehr als zuvor im Herbst. Im Sommer will man am Samstag Abend grillen, doch nach wochenlangem Sonnenschein ziehen um Punkt sieben Uhr Regenwolken auf. Im Herbst nimmt man sich vor, in diesem Jahr rechtzeitig Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Im Winter will man mit der Bahn zu Eintrachts erstem Auswärtsspiel der Rückrunde fahren, doch entweder der Regionalexpress oder das Spiel fällt kurzfristig aus. Und in jeder Zweitligasaison – egal, zu welcher Jahreszeit – gelingt der Eintracht in Paderborn kein einziges Tor.

Dabei kann man der Eintracht sportlich keinen Vorwurf machen, denn sie hat in all den Jahren offensiv jeden aufgeboten, der die Festung Paderborn hätte sturmreif schießen können: Im Herbst 2005 schickte Trainer Krüger das Strafraumgespenst Kuru und das Strafstoßgespenst Rische auf den Platz – trotzdem kein Tor für den BTSV, der übrigens bereits zur Pause mit 0:3 hinten lag. Im Winter 2007 vertraute der Willi in der Trainingshose im Angriff auf Legionäre wie „Zico“ Zikovic, dem (räusper) Balkan-Brasilianer, oder „Gollum“ Golban, dem (räusper) moldawischen Maschinengewehr – völlig überraschend schon wieder kein Tor. Am letzten Freitag schickte Trainer Lieberknecht bewährte Torfabriken wie Dennis Kruppke und Dominick Kumbela auf den Paderborner Rasen. Es klingt unglaublich, doch erneut erzielte die Eintracht in Paderborn nicht einen Treffer.

Die Qualität der Offensivabteilung – immerhin reden wir hier von Eintrachts besten Stürmern der letzten acht Jahre, plus von Zikovic und Golban – kann also unmöglich Schuld an dieser Torflaute sein. Lag es vielleicht an der falschen Taktik? Auch hier ein klares Nein, denn jede auswärts denkbare Taktik wurde von Eintrachts Trainern ausprobiert: Lieberknechts Taktik, die ersten zehn Minuten zu verschlafen: Fail! Krügers Taktik, die komplette erste Halbzeit zu verschlafen: Fail! Reimanns Taktik, volle neunzig Minuten auf Gefahr im Angriff zu verzichten: Fail! Es liegt nicht am Personal, es liegt nicht an der Taktik – Spiele in Paderborn sind einfach wie verhext!

Halt, Moment mal, höre ich jetzt Vielreisende und Statistikbesessene protestieren: Es gibt ja nicht nur die Zweite Liga, es gibt ja auch die Dritte Liga, in der die Eintracht in Paderborn bereits mal jubeln durfte! Richtig – Dogan verwandelte im Herbst 2008 einen Elfmeter zum 0:1, und anschließend traf Kumbela, der später noch ein weiteres Tor vorbereitete. Das einzige Problem: Kumbela trug damals nicht das Trikot der Eintracht, sondern das des SC Paderborn. Das ist ungefähr so, als wäre der BTSV letzten Freitag in Führung gegangen, doch in der zweiten Halbzeit schwebt unser Reha-Trainer Rische über den Rasen und dreht für Paderborn das Spiel. Reicht Weihwasser und ruft den Exorzisten!

Vielleicht gibt es ja eine ganz einfache Erklärung für Eintrachts schwarze Serie in dieser konservativen, katholischen, westfälischen Provinz. Vielleicht ist es völlig falsch, den Spielern, dem Trainer, seiner Taktik oder dem Schiedsrichter Schuld an den Niederlagen zu geben. Nein, wir müssen uns mal völlig frei machen von Tabus und Denkbarrieren. Meine Erklärung lautet: Es war ein Fehler, vor dreihundert Jahren in der Region Paderborn die Hexenverfolgung abzuschaffen! Gäbe es dort heute noch brennende Scheiterhaufen, wäre das Werk des Satans dort heute nicht so mächtig. Mit anderen Worten: Paderborn, seine Einwohner und sein SC sind ganz einfach allesamt verhext!

Jedem Zweifler an dieser Theorie sei gesagt: Der Hase gilt als beliebte Tarnung der Hexen. Drei Hasen zieren das Fenster des Doms von Paderborn. Eine Logik, die jede Inquisition überzeugt! Endlich wissen wir, warum der Verein aus der Hasenstadt, so widernatürlich dies klingt, immer wieder den Verein aus der Löwenstadt besiegt. Hieß diese Fertigbaukiste, in der der SC seine Heimspiele austrägt, nicht vor zwei Jahren noch Pentagramm-Arena? Ich möchte nicht spekulieren, wieviele tote, rothaarige Katzen dort unterm Rasen vergraben sind, um gelb-blauen Gegnern Pech zu bringen.

Was kann der BTSV also tun, wenn er auch in der nächsten Saison wieder ins Sleepy Hollow der Zweiten Liga reisen muss? Ich empfehle einen starken Gegenzauber. Zu unserem Glück gibt es in den Durchführungsbestimmungen des DFB keinen einzigen Paragrafen, der zum Beispiel den Einsatz von Voodoo bei Punktspielen untersagt. Mein Vorschlag: Bei der Pressekonferenz vor dem nächsten Match in Paderborn sollte Trainer Lieberknecht ein paar blau-schwarze Voodoopuppen mitbringen. Die Torwartpuppe kriegt dann vor den Augen der Journalisten fein die Hände zusammengebunden. An den anderen Puppen wird kurz demonstriert, wie während des Spiels Stricknadeln sehr effektiv eingesetzt werden können. Kurz vorm Anpfiff noch etwas Hühnerblut auf den Rasen geträufelt, selbstverständlich ganz nach Vorschrift unter den Augen des Veterinäramts, und dann klappt das endlich mit dem lang ersehnten Zweitligasieg in Paderborn!

Vorausgesetzt natürlich, dass der Gegner sich in der Zwischenzeit keinen faulen Gegenzauber überlegt. Nicht, dass Dominick Kumbela bei der nächsten Reise nach Ostwestfalen plötzlich wieder für die Blau-Schwarzen trifft! Oder, noch schlimmer, dass sich durch einen bösen Fluch beide Teams mal wieder in jener Liga begegnen, in der die Eintracht noch regelmäßig in Paderborn traf, nämlich in der Regionalliga. Nein, bevor der BTSV in der Regionalliga versinkt, verzichte ich in Zukunft doch auch weiterhin auf Tore in Paderborn. Ganz ohne Voodoo und ohne Hexerei!

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