Vertauschte Rollen beim Lothar-Bashing

On 9. November 2011 by togo

Der Deutsche liebt seine Volkssportarten. Fußball steht da ganz oben. Kein anderer Sport wird von mehr Menschen betrieben, keine regelmäßigen Profisportshows erreichen mehr Zuschauer als die Erste Fußball-Bundesliga. Und selbst wenn die deutschen Teams international mal keine Rolle mehr spielen sollten, lässt sich der Fernsehmichel davon überzeugen, einfach mal Racing Straßburg gegen Stoke City gegen Universitatea Craiova zu schauen. Oder so.

Knapp hinter dem Fußball liegt in der Beliebtheitsskala dann allerdings auch schon das Lothar-Bashing. In der Profiliga dieser Sportart spielen eine Vielzahl von Boulevardmedien höchst erfolgreich mit, aber auch eigentlich seriöse Publikationen peilen mittlerweile den Aufstieg an. Heerscharen von Fans unterstützen die Teams bei ihrem Weg zur Weltspitze im Matthäus-Mobben. Wer die Regeln dieses Sports erst einmal verstanden hat, kann es mit ein wenig Übung recht bald zum Meister bringen. Vor allem, weil es eigentlich nur eine einzige elementare Regel gibt: Lothar Matthäus als Deppen darzustellen.

Dass Lotze selbst gern mal dafür Munition liefert… geschenkt. Andererseits ist es fast nur sein Privatleben, das immer wieder gern ans Licht gezerrt und verhöhnt wird – seine Leistungen als Rekordnationalspieler, Weltfußballer des Jahres, Weltmeister etc, bieten schließlich keinerlei Angriffsfläche. Für die Teilnehmer an den Spielen der Lothar-Bashing-Liga gibt es übrigens Extrapunkte zu verdienen. Je weniger ein Detail über Matthäus relevant ist für die Beurteilung seiner Qualitäten als Trainer, desto höher ist die Punkteeinfuhr. Letztendlich wäre es aber auch egal, ob er sich vorbildlich verhält oder nicht: für das Publikum der Sorte Dschungelcamp und Bauer sucht Frau ist Lothar Matthäus ein Hampelmann. Jemand, über den sich die typische Schlecker-Zielgruppe lustig machen kann, weil er ja sooo doof ist.

Diese fragwürdige, gehässige Geisteshaltung sorgt dafür, dass Lothar Matthäus in Deutschland noch weniger Chancen hat als Trainer zu arbeiten als Michael Lorkowski. Wenn er nicht gerade mit seinem Schiff irgendwo auf den Weltmeeren herum kreuzt – Lorko, nicht Lotze. Dabei waren Matthäus‘ bisherige Trainerstationen nicht einmal so erfolglos. Mit Partizan Belgrad zum Beispiel wurde er Meister und schaffte die Qualifikation zur Champions League. Aber vielleicht nimmt man ihm in Deutschland ja den 2:0-Sieg der von Matthäus betreuten Ungarn gegen die Deutsche Nationalmannschaft, ausgerechnet im Jubiläumsspiel zum 50sten Jahrestag des WM-Sieges von 1954, übel. Wer weiß.

Jemand, der seinen Platz in einem Team wenigstens der zweiten Lothar-Bashing-Liga noch sucht, ist Ingo Wellenreuther. Der Präsident des Karlsruher Sportclubs, der sich als CDU-Bundestagsabgeordneter noch eine Kleinigkeit dazu verdient, bewarb sich letztens eindringlich für eine Spielerlaubnis mit der Aussage, „ein Lothar Matthäus wird mit Sicherheit keine Rolle spielen“ bei der Besetzung des Trainerpostens bei den kriselnden Badenern. Doof nur, dass KSC-Sportdirektor Oliver Kreuzer zu dem Zeitpunkt bereits mit Matthäus gesprochen hatte, um dessen Interesse an einem Job in Karlsruhe auszuloten. Die Deutsche-Lothar-Bashing-Liga (DLBL) wird in den kommenden Tagen entscheiden, ob Wellenreuthers Bewerbungsunterlagen aussagekräftig genug sind für eine Aufnahme.

Und Lothar? Dem reicht’s. Er will jetzt nicht mehr alles schlucken. Gut, das hat er eh nie getan. Aber generell hat er recht, der Lotze. Das, was in Deutschland gegen ihn abläuft, ist Mobbing, nichts anderes. Legitimiert dadurch, dass Lothar Matthäus ein Promi ist. Die darf man schließlich grundsätzlich durchwatschen. Selbst dann, wenn man selbst es gerade mal zu einem 50-Cent-Frauen-Frisör-Blättchen geschafft hat und glaubt, dass ein Ball hüpft, weil ein Frosch drin sitzt.

Verlierer dieses unwitzigen gespielten Witzes in x Teilen sind Lothar Matthäus, der Gesamteindruck vom Charakter unseres Volkes sowie der deutsche Fußball. Denn, wenn jemand wie Matthäus, der immerhin Deutschlands einziger Weltfußballer bisher ist (und das dann auch gleich zwei Mal), hierzulande sogar als Witzfigur für einen Krisenklub wie den Karlsruher SC herhalten muss, dann liegt einiges im Argen in unserer Fußballlandschaft. Es scheint Konsens darüber zu bestehen, dass Lothar Matthäus in Deutschland niemal eine Mannschaft trainieren werden darf – eine Farce angesichts der Erfahrungen, die Matthäus mittlerweile vorzuweisen hat. Vielleicht muss es nicht gleich ein Topclub sein, aber Vereine der Kragenweite des Karlsruher SCs sollten sich eigentlich geehrt fühlen, wenn Lotze sie überhaupt in Erwägung zieht. Vertauschte Positionen also.

One Response to “Vertauschte Rollen beim Lothar-Bashing”

  • Was hier nicht beachtet wird, ist die Nähe von Loddar zu der Zeitung mit den 4 großen Buchstaben.
    Denn regelmässig die Interna aus der Mannschaftskabine will ich dort dann doch nicht lesen.
    Mag sein das er in dieser Hinsicht hinzugelernt hat, aber dass man ihn da wegen der Erfahrungen aus der Vergangenheit kritisch betrachtet hat er sich selbst zuzuschreiben…

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