Illuminati

On 16. Dezember 2011 by gialloblu

Letzte Woche begann meine Planung für die Winterpause, also setzte ich mich an den PC und buchte Tickets für ein Heimspiel des AS Rom Ende Januar. Rom, dachte ich – die ewige Stadt! Und erinnerte mich an die Fernsehbilder, die ich vor ein paar Wochen aus Rom sah, als der Spielfilm Illuminati auf Pro7 lief. Die Story des Films in wenigen Sätzen: Der Symbologe Robert Langdon (Tom Hanks) wird nach Rom gerufen, weil die Illuminati vier Kardinäle entführt haben. Nachdem innerhalb von drei Stunden drei dieser Kardinäle an verschiedenen Orten der Innenstadt umgebracht werden, schnappt sich Robert Langdon (Tom Hanks) einen Stadtplan und zückt seinen Filzstift. Der Symbologe malt ein großes Kreuz auf den Plan – drei Endpunkte dieses Kreuzes decken sich mit den Orten, an denen jeweils ein Kardinal tot aufgefunden wurde. Der vierte Endpunkt des Kreuzes zeigt nun jenen Ort an, an dem es Kardinal Nummer vier in wenigen Minuten erwischen soll! Also schwingt sich der Symbologe auf die Vespa, brettert durch Roms Gassen zum Punkt Nummer vier, wo er Kardinal Nummer vier in letzter Sekunde retten kann. Am Ende wird dieser Kardinal zum neuen Papst gewählt, die katholische Kirche ist gerettet und die Illuminati gucken blöd aus der Wäsche. Halleluja und Amen!

Das ist doch nur eine frei erfundene Geschichte, werden jetzt viele sagen. Ersetzt man jedoch Kardinal und umgebracht durch Verteidiger und schwer am Knie verletzt, klingt die Geschichte plötzlich für jeden Eintracht-Fan erschreckend realistisch: Im Film Illuminati erwischte es in Roms Innenstadt innerhalb von drei Stunden drei Kardinäle – im Eintracht-Stadion erwischte es in den letzten drei Stunden (90 Minuten im Testspiel gegen Werder, plus 90 Minuten im Punktspiel gegen Bochum) drei blau-gelbe Verteidiger: Zwei Kreuzbänder und ein Innenband rissen bei Matthias Henn, Steffen Bohl und Marcel Correia. Wie im Film liegen die drei Unglücksorte nah beieinander, nämlich in der nördlichen Spielfeldhälfte im Eintracht-Stadion. Fordert, wie im Film, ein unsichtbarer Feind bei nächster Gelegenheit, also im Spiel gegen Aachen, ein weiteres Opfer? Also schrieb ich eine Mail an den einzigen, der diese Frage kompetent beantworten kann. Ich schrieb an Robert Langdon (Tom Hanks):

Sehr geehrter Herr der Symbole, nachträglich Glückwunsch zum Aufklären dieses bemerkenswerten Falles in Rom. Im Namen unserer blau-gelben Glaubensgemeinschaft bitte ich Sie, folgenden Fall zu lösen: Zuletzt wurden drei Verteidiger des wahren Glaubens für viele Monate zu Sankt Lazarus, also ins Lazarett berufen. Als führenden Experten für okkulte Symbole bitten wir Sie herauszufinden, wer Schuld an dieser Verletzungsserie hat. Welches Symbol benutzt unser Feind? Und bitte markieren Sie jene Stelle auf unserem heiligen Rasen, an der wir am vierten Advent mit einem vierten Opfer rechnen müssen. Unsere Männer würden dann sicherheitshalber einen großen Bogen um diese Stelle machen. Besten Dank!

Relativ schnell kam die Antwort: Dear Leopedia, vielen Dank für Ihre Mail. Meine Forschungen ergaben, dass Ihre Skizze ein halbes Soccerfeld darstellt. Verzerrt man diese Skizze ein wenig, passen die markierten Punkte in ein noch sehr junges, aber dennoch sehr okkultes Symbol aus dem Bereich Soccer: Das Symbol zeigt einen Dollar-grünen Hintern, der auf einer runden Klobrille sitzt, um Ex-Stars und ihre Berater mit unbegrenzt viel Geld zuzuschei$en. Es symbolisiert eine Sekte, die nicht mal davor zurückschreckt, Grundschüler mit technisch hochentwickelter Propaganda zu manipulieren. Sollte diese Sekte Schuld an der jüngsten Anschlagserie sein, wäre leider gleich mit drei weiteren Opfern an den rot gekennzeichneten Stellen zu rechnen. Life is a bitch!

Das war ja mal eine richtig schlechte Nachricht. Drei weitere langzeitverletzte Verteidiger – dann hätten wir ja kaum noch einen gesunden Abwehrspieler im Kader! Also schrieb ich zurück: Sehr geehrter Professor, Danke für die Mühe. Doch leider wären drei weitere Opfer für unsere Gemeinde eine ziemliche Katastrophe. Gibt es vielleicht nicht noch ein anderes okkultes Symbol aus der Welt des Fußballs, das die Vermutung zulässt, dass es es nicht ganz so viele Verteidiger des blau-gelben Glaubens erwischen könnte? Merci!

Nach tagelangem Forschen kam eine Antwort von Langdon (Hanks): Dear Leopedia, auf einer alten Schriftrolle, die unter einem Pesthaus vergraben war, fand ich folgendes Symbol, das finsterste  Magie verkörpert: Man nennt es das “Anti Yin und Yang”. Während im asiatischen Yin und Yang beide Kräfte harmonisch einander zugewandt sind, stehen die beiden Kräfte in diesem okkulten Symbol Rücken an Rücken. Es steht für Ausgrenzung und Abschottung – z.B. von denjenigen, die günstige Stehplätze oder eine mysteriöse Formel namens “50+1″ erhalten wollen. PS: Der Verlust von drei weiteren Verteidigern des Glaubens wäre für euch eine ziemliche Katastrophe? Da war der Vatikan in meinem letzten Fall personell aber besser aufgestellt xD!

Eilig antwortete ich, denn Scherze über meine Glaubensgemeinschaft lasse ich nur ungern zu: Hallo Herr Symbolforscher, vielen Dank für die plausibel erscheinende Lösung mit dem “Anti Yin und Yang”. Ich möchte jedoch klarstellen, dass wir Blau-Gelben trotz der vielen Verletzten noch immer über hervorragende Verteidiger verfügen. Zum Beispiel ist Deniz Dogan – im April brach Leverkusens 7,5 Millionen Dollar Baby ihm am Torraum vor der Nordkurve das Wadenbein – nach langer Pause nun endlich wieder fit. Ciao!

Zu meiner Überraschung schrieb Langdon (Hanks) Minuten später zurück und präsentierte eine völlig neue Theorie: Dear Leopedia, warum hast du mir nie vom langzeitverletzten Dogan erzählt? Weißt du noch, wie die Illuminati in Rom vier Kardinäle opfern wollten? An vier Endpunkten eines Kreuzes auf dem Stadtplan? Bei deiner blau-gelben Glaubensgemeinschaft ist es ihnen jetzt scheinbar gelungen – denn mit dem Ort, an dem es Dogan traf, sind es nun vier Tatorte. Diese vier Tatorte ergeben auf einem Plan ein Kreuz. Man muss nicht der berühmteste Symbolforscher der Welt sein um zu wissen, dass das Kreuz, zusammen mit der Krippe, in der Kirchenjahresuhr für Weihnachten steht. Mit diesem Kreuz – und dies ist nun die endgültige Lösung dieses Falles – wollen die Illuminati der blau-gelben Glaubensgemeinschaft einfach nur Merry Christmas wünschen!

Na vielen Dank für diese Art von Weihnachtsgruß, ihr Illuminaten, dachte ich. Nur für den Fall, dass hier verschwörerische Geheimbündler mitlesen: Im nächsten Jahr reicht uns eine einfache Weihnachtskarte. So habe ich zum Abschluss des alten Jahres nur noch eine Botschaft an alle, die hier ebenfalls lesen: Habt frohe Weihnachten, einen guten Rutsch und ein gutes 2012 – hoffentlich ohne Verletzungen am Knie, am Wadenbein oder an irgendwelchen anderen wichtigen Körperteilen!

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