Gedanken zum Fest

On 20. Dezember 2011 by gialloblu

+++++ Vielen Dank für diesen Gastbeitrag, Eintracht zeigen! +++++

Wieder einmal nähert sich ein Jahr dem Ende und die besinnliche Weihnachtszeit wirft ihre Schatten voraus. Und wie jedes Jahr gelingt es einem nicht oder nur sehr selten, sich der inflationären Verbreitung der frohen Botschaft in Presse, Funk und Fernsehen zu entziehen. In der Regel verknüpft mit dem mahnenden Zeigefinger, wie gut es uns doch geht und dass man tunlichst einen Teil dieses Guten an vom Schicksal gebeutelte weitergeben sollte. Neudeutsch nennt man so was wohl Spenden-Galas.  Es erstaunt dabei immer wieder, wer oder was aus den unterschiedlichsten Gründen die Berechtigung erfährt, von diversen Prominenten erbettelte Gelder erhalten zu dürfen. Es will mir beim besten Willen nicht in den Kopf, warum gerade diese Zeit der Freude permanent mit einem schlechten Gewissen verknüpft werden muss, dass man sich gefälligst schlecht zu fühlen hat, weil es eben Leute gibt, denen es nicht so gut geht wie einem selbst. Mir geht es einigermaßen gut, verdammt, und ich habe gerade in dieser Zeit auch absolut keine Motivation, mich mit dem Leid anderer Leute auseinander zu setzen. Wer meint, es tun zu müssen, bitte, mir schenkt auch keiner was, wenn die Krankenversicherung mal wieder eine notwendige Behandlung nicht bezahlt oder der mühsam am Laufen erhaltene, 20 Jahre alte (aber dringend benötigte) Zweitwagen von einem Tag auf den anderen die Grätsche macht.

Da, wie gesagt, sämtliche Fernsehsender und Radiostationen (fast) jeden Abend in diese Kerbe hauen, bleibt einem manchmal gar nichts über, als sich in die übliche Weihnachtsunterhaltung zu stürzen. Und selbst die treibt einem manchmal das Gewässer hinter die Pupillen. Beispiel gefällig? „Santa Clause“, einer der inzwischen traditionellen Weihnachtsfilme. Schön bunt, gefällig anzusehen und (natürlich) ebenfalls mit einer Botschaft versehen, nämlich der, dass Weihnachten heutzutage auch nicht mehr das ist, was es mal war. Man verdeutlicht dies durch den Konflikt des Weihnachtsmanns mit einem skrupellosen Spielzeughersteller, der den Profit vor alles andere stellt und auch nicht davor zurückschreckt, Kindern lebensgefährliches Spielzeug unter den Baum legen zu lassen. Hauptsache, der Rubel bzw. der Dollar rollt. In diesem Zusammenhang sinniert Santa darüber nach, ob er nicht vielleicht ein Auslaufmodell sei, da das Schenken nicht mehr dem Zweck dient, einen lieben Menschen glücklich zu machen. Seinen weiteren Monolog habe ich dann nicht mehr so mitbekommen, denn dieser Gedanke setzte sich bei mir fest und ich fing an, mir Fragen zu stellen.

Wie ist das eigentlich mit dem Schenken? Und was verschenken wir eigentlich? Verschenken wir wirklich das, was unsere näheren Anverwandten und unsere Freunde glücklich macht? Oder verschenken wir nicht vielmehr das, was uns Elektro-Großhändler, Schmuckhersteller und Parfümerien Glauben machen wollen, dass es sie glücklich macht? Den Super-3D-Flachbildfernseher mit 200 cm Bildschirmdiagonale für 2000,- Euro? Die HighTech-Digitalkamera mit 20 Megapixeln, 12-fach optischem Zoom Weitwinkelobjektiv und aktivem Bildstabilisator für 500,- Euro? Den vom Prominenten XY beworbenen Traumduft, 15 ml für 100,- Euro? Ganz zu schweigen von den unzähligen angepriesenen Schmuckstücken und Uhren mit nach oben offener Preisskala?

Spätestens an dieser Stelle wird sicher die Frage aufkommen, was das alles mit Fußball zu tun hat. Nichts, sollte man meinen, aber weit gefehlt. Im Zuge meiner Gedankengänge habe ich mir auch selbst die Frage gestellt, welche Geschenke  MICH denn in der Vergangenheit wirklich glücklich gemacht haben. Und ich kam zu dem Schluss, dass diese nun absolut nichts mit Weihnachten zu tun hatten. Da waren ganz andere Dinge, die mit Geld gar nicht zu bezahlen sind. Wie z.B. die geliebte Ehefrau, mit der man seit mehr als 20 Jahren sein Leben teilen darf. Oder das Glück, seine Kinder zu vollwertigen Mitgliedern der Gesellschaft heranwachsen zu sehen. Eine gelungene Operation, die einem geliebten Menschen wieder Selbstvertrauen und Lebensmut zurück gegeben hat. Das sind die wahren Geschenke, die wir manchmal viel zu wenig zu würdigen wissen.

Oder aber, und hier schließt sich der Kreis, dabei sein zu dürfen, wenn der geliebte Fußballverein sich vom Rand des Abgrunds erst Schritt für Schritt berappelt und einem dann durch tolle Leistungen und verdiente Erfolge fast wöchentlich Glückshormone durch den Körper schießen lässt. In dieser Beziehung sind wir alle seit 2008 und natürlich speziell in diesem Jahr unglaublich reich beschenkt worden.

Ich möchte daher die Gelegenheit nutzen und mich hier einmal in aller Form für DIESE Geschenke zu bedanken. Bei meiner Frau und meinen Kindern, die mir trotz aller vorhandenen Macken und Marotten immer zur Seite stehen und natürlich bei allen Spielern und Verantwortlichen von Eintracht Braunschweig, die seit dem Schicksalsspiel gegen Dortmund II im Mai 2008 das in sie gesetzte Vertrauen auf Heller und Pfennig zurück gezahlt haben, was man ihnen in dieser Zeit entgegen gebracht hat. Und da mag ich jetzt niemanden speziell herausheben, denn jeder, vom Präsidenten über Trainer und Spieler bis hin zum Zeugwart, hat seinen Teil zu diesem Geschenk beigetragen.

Ach doch, zwei Leute möchte ich speziell erwähnen, weil sie für mich in diesem Zusammenhang auch Anteil haben, ohne dass ihr Wirken großartig publik geworden wäre. Da wäre zunächst unsere Christel, die unermüdlich als „Mutter des Vereins“ nicht nur Spenden sammelt und die Truppen in Zug und Bus zusammen hält, sondern auch in Ausnahmesituationen (ich erinnere in diesem Zusammenhang mal an die Warteschlange beim Dauerkartenverkauf) immer die richtige Idee parat hat und so zur Entspannung derselben beizutragen versteht. Und unseren Fanbeauftragten Jan Marek, der seinen Job (im wahrsten Sinne des Wortes) bis zur Selbstaufgabe ausgefüllt hat und dies leider mit gesundheitlichen Schäden bezahlen musste.

Das musste m.E. Noch mal gesagt werden. In diesem Sinne wünsche ich allen ein frohes Weihnachtsfest und ein glückliches, vor allem auch gesundes, neues Jahr. Wenn es nur halb so wird wie das abgelaufene, können wir uns, glaube ich, nicht beschweren.

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