Spielankündigungsplakat: Fortuna – Eintracht

On 22. März 2012 by gialloblu

Spielankündigungsplakate sind absoluter Kult. Schon vor Jahrzehnten ließ der BTSV vor jedem Heimspiel Plakate an die Litfasssäulen kleistern. Allerdings entdeckten damals wohl nur die Adleraugen unter den Löwenfans den Namen „Eintracht“, der ganz weit unten auf dem Plakat versteckt war. Die zentrale Bestlage auf dem Plakat schenkte unser Verein, wie es sich für einen guten Gastgeber ja auch gehört, dem Namen des gegnerischen Vereins. Eine nette Geste bedeutet jedoch nicht automatisch gute Werbung: Ließ damals ein Braunschweiger zum Zweck der Wochenendplanung den Blick über die Litfasssäule seines Vertrauens wandern, las er vielleicht „Orgelkonzerte im Monat März“, „1860 München“, „Circus Roncalli“. Oder „Orgelkonzerte im Monat April“, „Wuppertaler SV“, „Circus Krone“. Oder „Orgelkonzerte im Monat Mai“, „Borussia Neunkirchen“, „Zirkus Althoff“. Kein Wunder, dass Kirchen und Zirkuszelte damals rappelvoll waren, das Eintracht-Stadion jedoch chronisch halbleer blieb.

Schon wenige Jahrzehnte später korrigierte der BTSV diesen tragischen Marketing-Fehler: Heutzutage sehen Eintrachts Spielankündigungsplakate wie Spielerposter aus, in deren obere Ecke der Praktikant auf der Geschäftsstelle schnell noch einen roten Sticker mit dem nächsten Heimspielgegener pappte. Positiv: Der Gegner ist auf den Plakaten nur noch eine Randnotiz – Der wichtigste Grund, ins Eintracht-Stadion zu gehen, ist nun mal die Eintracht! Negativ: Solche Personenkult-Poster widersprechen dem Grundsatz, nach dem unser Lautern-interessiert-mich-nicht Trainer-Legende Torsten Lieberknecht Spieler für die neue Saison aussuchen will: „Kein[Spiel]er ist größer als das Team.“ Eintrachts aktuelle Spieltagsposter wirken jedoch wie zu groß geratene panini-Bilder, mit denen, vom abgebildeten Spieler handsigniert, der Verein im Fanshop schnell mal fünf Euro machen kann. Pfui, so eine Kommerzk*cke, buuuh!

Wie man es besser macht lehrt uns der kommende Gegner, Fortuna Düsseldorf. Zu Recht widmeten die User im e.com-Forum diesem Plakat…
… in dieser Woche ungewöhnlich viel Aufmerksamkeit. Wann hat jemals zuvor ein gegnerisches Poster auch nur das geringste blau-gelbe Interesse geweckt? Der falsche Verein von 1895 macht auf seinem Plakat nämlich alles richtig: Der eigene Verein zählt, nicht der Gegner. Ein kleines Wortspiel, um den Gegner zu dissen – Yo! Denn am Samstag, so die Botschaft des Plakats, steht hier ein Battle an – und kein verdammtes Freundschaftsspiel. Genau die richtige Einstellung, die man uns hier aus den lebensgefährlichen Ghettos hundert Meter links und rechts der Düsseldorfer Kö vor die Füße spuckt. So und nicht anders macht man im 21. Jahrhundert Spielankündigungsplakate!

Bekanntlich ist die einzige Kritik, die Leopedia kennt, die konstruktive Kritik. Deshalb an dieser Stelle, zum ersten Mal in Eintrachts Vereinsgeschichte, ein Spielankündigungplakat für ein Auswärtsspiel: Ganz im Düsseldorfer Stil – knappes Layout, kurzes Dissen, kostenfrei von uns zur Verfügung gestellt. Und wenn’s am Samstag tatsächlich für drei Punkte reicht, hat’s natürlich an diesem Plakat gelegen:

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