Neue Hymnen für 2012/13 (Teil 2): SpVgg Greuther Fürth

On 9. April 2012 by gialloblu

In Braunschweig läuft alles bestens: Seit gestern ist die Eintracht theoretisch unabsteigbar. Und damit das Publikum an der Hamburger Straße ordentlich was zu bestaunen hat, präsentiert sich in diesen Wochen ein Aufstiegskandidat nach dem anderen im Eintracht-Stadion – und zwar nicht einfach nur irgendwelche Kandidaten, sondern die aller-, aller-, allerinteressantesten Aufstiegskandidaten: Vor gut einer Woche, im letzten Heimspiel, kreuzte jener Gegner auf, den man bei Real Madrid voller Respekt nur „la bestia negra del este Westfalia / labios“ nennt – also die Mannschaft in schwarz aus Ostwestfalen / Lippe, der SC Paderborn. Und morgen kommt „el eterno quinto de la segunda liga“, also der bisher unaufsteigbare Rekordfünfte der zweiten Liga, Greuther Fürth. Doch in dieser Saison ist bei den Greuthern alles anders, denn bei sieben Punkten Vorsprung auf den Dritten lässt sich der erste Aufstieg in die erste Liga kaum noch verdaddeln.

Greuther Fürth – was fällt uns zu diesem Verein nicht alles ein: der fast leere Gästeblock beim Pokalauftritt im Eintracht-Stadion in der letzten Saison; dieses aus Billigteilen zusammengeschraubte Provisorium, dessen Namensrechte stets an Unternehmen gehen, die Produkte für kleine Kinder herstellen: Playmobil-Stadion, trolli-Arena, demnächst vielleicht auch mal Diddl-Kampfbahn oder Puky-Dreirad-Park. Eigentlich passend, denn auch der Verein ist selber noch gar nicht volljährig: Er entstand erst vor 16 Jahren durch eine Verschmelzung der SpVgg Fürth mit dem TSV Vestenbergsgreuth, so dass ein neuer Verein mit neuem Namen und neuem Logo entstand. Offiziell redet der Verein von einem Beitritt Vestenbergsgreuths. Doch das wäre ungefähr so, als wenn unser Land seit 1990 BRDDR heißen würde und auf der Flagge einen Adler mit Hammer und Zirkel im Ährenkranz hätte. Nein, das wäre kein Beitritt gewesen, sondern die Gründung eines neuen Staates. Genauso, wie es in Fürth seit 16 Jahren einen neuen Verein gibt.

Eigentlich sind sich die Aufstiegskandidaten aus Paderborn und Fürth richtig ähnlich: Zwei junge Vereine auf dem Weg nach oben, zwei junge Vereine ohne Tradition. Zwei Vereine, die allerdings gerne so tun, als wenn sie Tradition hätten: 1985 fusionierten TuS Schloß Neuhaus und der 1.FC Paderborn zum TuS Paderborn-Neuhaus. Da dieser Name nicht so richtig rockte, benannte der Verein sich 1997 um in SC Paderborn 07. Einer der Vorgängervereine von Schloß Neuhaus hieß nämlich SV 07 Neuhaus. Hurra, wir haben Tradition gefunden! Wir nennen uns ab sofort 07, damit man uns für einen Traditionsverein hält! Ähnlich verhielt sich Greuther Fürth, als man bei der Fusion vor 16 Jahren die Mitgift der ehemaligen SpVgg Fürth – drei Meistertitel und das Jahr 1903 – im neuen Logo abbildete. Zwar kann ich gut verstehen, dass man sich wegen der letzten beiden Ziffern im Gründungsjahr 1996 furchtbar schämt, aber 1903 war am Tag der gemeinsamen Vereinsgründung doch schon ziemlich lange her. Das ist ungefähr so, als würde man einen Kerzenhalter vom Trödelmarkt in die Gartenlaube stellen, damit man anschließend behaupten kann, dass man eine Gründerzeitvilla im Grünen besitzt.

Bei einem Aufstieg in die erste Liga wären die Pseudo-Traditionsvereine wie Paderborn und Greuther Fürth übrigens in bester Gesellschaft: Der FC Augsburg, entstanden durch eine Fusion im Jahr 1969, trägt im Logo und auf dem Trikot stolz die 1907, weil ein Vorgänger des TSV Schwaben Augsburg, nämlich Alemania Augsburg, 1907 gegründet wurde. Und wer aus Versehen achtzehn99 im Browser eingibt, wird auf der Webseite der T(raditions)SG aus dem Kraichgau landen. Ich kann mir schon vorstellen, wie das Verkaufspersonal von sky in der kommenden Saison Samstags in der Fußgängerzone auf Kundenfang geht: „Guten Tag, für nur 15€ können Sie heute im Tagesticket die Bundesliga-Konferenz sehen, oder auch live die fünf Einzelspiele: Fürth – Leverkusen, Paderborn – Mainz, Hoffenheim – Nürnberg, Wolfsburg – Freiburg und Augsburg – 96… Na gut, sagen wir 10€… 5€?… Warten Sie, ich gebe Ihnen 5€, damit Sie das Tagesticket buchen… 10€?… ich gebe Ihnen 15€, mein letztes Wort…“ Pay-TV hätte in der kommenden Saison eine völlig neue Bedeutung, sobald der erste Kunde bezahlt werden muss, damit er das Erlebnis erste Bundesliga bucht.

Bevor Greuther Fürth zu unserem maßlosen Bedauern also die zweite Liga verlässt, soll dem Verein – wie auch schon vor zwei Wochen dem SC Paderborn – statt einem Strauß Osterglocken ein neuer Text für die Vereinshymne mit auf den Weg Richtung Oberhaus gegeben werden. Neue Lyrics für eine neue Liga liegen bekanntlich voll im Trend, seit Radio Hamburg dem HSV zum bevorstehenden Abstieg in die zweite Liga eine neue Version von „Hamburg, meine Perle“ spielte, die besonders von den Einheimischen in Aue mit großer Aufmerksamkeit gehört wurde. Hier der aktuelle Text der Greuther Hymne:

Kleeblatt Greuther Fürth,
Ehre dir gebührt.
Du warst Deutscher Fußballmeister.
Spielvereinigung, dynamisch, immer jung,
du bist unser Herzensmeister.
Mit dem finalen Pass, machst du jeden Gegner nass.
Dein Spiel, das ist genial!

Viel Positives lässt sich über dieses Gedicht sagen: erstens, dass es sich weitgehend reimt; zweitens, dass es das Regime im Iran nicht verharmlost; und drittens, dass es Israel nicht unterstellt, mit einem deutschen U-Boot einen neuen Weltkrieg auslösen zu wollen. Doch die folgende Version hätte vielleicht den klitzekleinen Vorteil, dass sie auch jene Gefühle wiedergibt, die Fans anderer Vereine beim Gedanken an Greuther Fürth haben:

Kleeblatt Greuther Fürth,
eines uns verwirrt:
Dich gibt’s noch keine zwanzig Jahr‘ –
doch im Logo drei Sterne, denn du hättest gerne,
dass Greuther dreimal Meister war:
Vor einem Jahrhundert, was jeden verwundert.
Spielt lieber Playmobil!

2 Responses to “Neue Hymnen für 2012/13 (Teil 2): SpVgg Greuther Fürth”

  • PhantastischeSeite hier – ich denke auch dass das so gemacht werden sollte.

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