“I have a dream”

On 26. April 2012 by gialloblu

++++ Vielen Dank für diesen Gastbeitrag, Eintracht_zeigen! ++++

Sonntag, 14. Mai 2017. Spannender geht es kaum. Am letzten Spieltag der Zweitligasaison erwartet unsere Eintracht den Spitzenreiter und selbst ernannten Aufstiegsfavoriten vom Hamburger Sportverein. Die Ausgangslage ist klar, die Hamburger führen die Tabelle mit 71 Punkten an, dahinter rangieren punktgleich mit 69 Zählern unsere Eintracht und der zweite Absteiger des Vorjahres, Werder Bremen. Mit einem Sieg können unsere Jungs pünktlich zum 50. Jahrestag der deutschen Meisterschaft zum ersten Mal seit 1985 ins Oberhaus des deutschen Fußballs zurückkehren, ohne sich über die Ausgänge auf den anderen Plätzen Gedanken machen zu müssen. Dem HSV ist die Teilnahme an der Relegation bereits sicher, im Falle einer Niederlage könnten ihnen die Bremer allerdings bei einem eigenen Sieg gegen den (zum dritten Mal in vier Jahren) knapp dem Abstieg entronnenen VfL Wolfsburg den direkten Aufstiegsplatz noch streitig machen.

Besondere Motivation dürfte die Eintracht auch aus der Tatsache schöpfen, dass Hannover 96 bereits seit dem 30. Spieltag vorzeitig als Absteiger aus der Bundesliga feststeht und somit der inoffizielle Titel des „besten Nordklubs“ in der kommenden Saison definitiv neu vergeben wird. Alles ist also für ein spannendes Finale bereitet.

Trainer Torsten Lieberknecht, der nunmehr seit 9 Jahren diese Eintracht erfolgreich betreut, bietet folgende Startformation auf, wobei er hauptsächlich auf seine Routiniers zurückgreift:

Im Tor Daniel Davari, davor die Abwehrkette mit Jan Washausen, Ermin Bicakcic, Marcel Correia und Andreas Korte, der den gelbgesperrten Ken Reichel vertritt. Kapitän Norman Theuerkauf, Dauerläufer Mirko Boland sowie die Flügelzange Raffael und Gianluca Korte bilden das Mittelfeld, davor agieren Randy Edwini-Bonsu als hängende Spitze und der mit 21 Toren unangefochtene Spitzenreiter der Torjägerliste, Pierre Merkel, im Zentrum. Als Ersatz stehen Kenneth Gentiempro für das Tor sowie Tom Trybull, Aasgeir Gunnarsson, Jonas Erwig-Drüppel, der von U19-Coach Dennis Kruppke wärmstens empfohlene Nils Müller, Mehmet Kodes und Deniz Dogan bereit. Letzterer hat bereits angekündigt, dass er mit diesem Spiel seine lange und erfolgreiche aktive Karriere beenden wird. Wie zu hören war, soll er der Eintracht aber in Zukunft als Chefscout und Assistent von Sportdirektor Marc Arnold erhalten bleiben.

Das Spiel im mit 24367 Zuschauern restlos ausverkauften Eintracht-Stadion plätschert die ersten 15 Minuten mehr oder weniger dahin. Beide Mannschaften zeigen großen Respekt voreinander und sind erst mal auf Absicherung bedacht. Dann fängt Davari eine Flanke ab und wirft den Ball auf die linke Seite zu Raffael Korte. Dieser lässt seinen Gegenspieler aussteigen, zieht zum Strafraumeck und flankt vor das Tor der Hamburger, wo sich Bruder Gianluca zum Kopfball hochschraubt, der jedoch knapp das Ziel verfehlt. Eintracht erarbeitet sich jetzt leichte Feldvorteile, der HSV bleibt jedoch immer gefährlich, wie sich in der 22. Minute zeigt. Ein kurzer Pass in die Schnittstelle der Abwehr kommt zu Mittelstürmer Okuwangu, der aber nicht die volle Kraft hinter den Ball bringen kann. Davari ist unten und hält. Im Gegenzug treibt Theuerkauf den Ball durch das Mittelfeld und setzt Edwini-Bonsu ein. Dieser dribbelt mittig auf die Innenverteidigung der Hamburger zu, bleibt aber hängen. Allerdings ist die Abwehr zu kurz, so dass sich Boland die Kugel erkämpfen kann und sie erneut in den Strafraum der Gäste schlägt. Merkel im Kopfballduell mit einem Abwehrspieler, der ihn mit Händen und Füßen bekämpft. Pfiff des Schiedsrichters! Elfmeter für Eintracht! Gut, nicht jeder Schiri würde den geben, aber wir nehmen, was wir kriegen können. Theuerkauf legt sich den Ball auf den Punkt, läuft an und schießt … Der Torwart ahnt zwar die Ecke, ist gegen den platzierten Schuss aber machtlos. Toooooooooooor für Eintracht! 1:0 nach 26 Minuten. Jubel nicht nur im Stadion, sondern auch vor den insgesamt 12 Großbildleinwänden, wo im Stadtgebiet geschätzt weitere ca. 25.000 Menschen mitfiebern. Der HSV scheint geschockt, Eintracht hat nun scheinbar das Heft in der Hand. Weitere Angriffe rollen Richtung Hamburger Strafraum, wobei allerdings der finale Pass immer wieder recht ungenau gespielt wird, so dass vorerst keine weiteren echten Chancen herausgespielt werden können. Schock in der 41. Minute! Nach einem harten Zweikampf im Mittelfeld krümmt sich Mirko Boland am Boden, die Betreuer werden auf den Platz gerufen. Nach kurzer Behandlung steht fest, es geht nicht mehr. Spielerwechsel, für Bole kommt Mehmet Kodes ins Spiel, das mit Schiedsrichterball weitergeführt wird, da offensichtlich in den Augen des Unparteiischen kein Foulspiel vorgelegen hat. Danach passiert nicht mehr viel, mit 1:0 geht es in die Pause.

Das Ergebnis aus Wolfsburg, wo Bremen inzwischen mit 2:0 führt, setzt den HSV unter Zugzwang. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wäre man nur auf dem Relegationsplatz und müsste sich mit den in dieser Saison enttäuschenden Leverkusenern um den letzten Platz im Oberhaus streiten. Entsprechend engagiert beginnen die Hamburger die zweite Halbzeit. Eintracht scheint mit den Gedanken noch nicht ganz aus der Kabine zu sein, als Okuwangu Correia aussteigen lässt und quer auf den mitgelaufenen Kapitän Mancienne passt. Dieser zieht sofort ab, doch Davari kann den scharf geschossenen Ball gerade noch um den Pfosten drehen. Auch die folgende Ecke ist gefährlich, im Getümmel vor dem Tor kommt Okuwangu mit dem Kopf an den Ball, aber dieser klatscht an die Latte und von dort zurück ins Feld, wo Bicakcic zunächst einmal mit einem Befreiungsschlag die Situation bereinigt. In der Folge wogt das Spiel hin und her, ohne dass eine Mannschaft sich größere Vorteile erarbeiten kann. Beide Abwehrreihen stehen sicher und lassen keine weiteren Chancen zu. In der 60. Minute wechselt Hamburg aus, bringt mit Avasovic und Lejeune zwei frische Offensivkräfte. Auch Torsten Lieberknecht reagiert und ersetzt Gianluca Korte durch Nils Müller, der so zu seinem Zweitligadebüt kommt. Dieser ist kaum im Spiel, als er einen von Washausen abgefangenen Ball mustergültig in den Lauf gespielt bekommt. Außenverteidiger Petzner kann ihm nicht folgen. Müller passt quer in den Strafraum, wo Randy Edwini-Bonsu angerauscht kommt und das Leder aus fünf Metern in die Maschen hämmert. Tooooooooooooooooooorrrr für Eintracht! 2:0 in der 63. Minute durch Randy Edwini-Bonsu. Damit ist der große Schritt ganz nahe, aber noch ist fast eine halbe Stunde zu spielen. „Eintracht! Eintracht!“, erschallt es aus 22.000 Kehlen, während die rund 1500 mitgereisten Hamburger Fans ebenfalls versuchen, ihre Mannschaft noch einmal nach vorn zu brüllen. Diese bemüht sich um den Anschluss, legt allerdings dabei jetzt eine härtere Gangart an den Tag. Dann ist erneut Randy Edwini-Bonsu durch, läuft, verfolgt von Petzner, auf den Strafraum zu und wird von den Beinen geholt. Eine klare Notbremse! Folgerichtig rot für Petzner und Freistoß für Eintracht in Mittelstürmerposition, Torentfernung 18 Meter. Ein Fall für Norman Theuerkauf. Der läuft an, schießt, aber der Ball streicht knapp über die Latte. Diese Situation scheint Eintracht zu lähmen. Obwohl in Unterzahl, greifen die Hamburger immer wieder wütend an. In der 79. Minute fasst sich Dominik Heyer ein Herz und zieht aus rund 28 Metern ab. Ein Schuss wie ein Strich, Davari streckt sich … vergeblich! Im linken oberen Winkel schlägt die Kugel zum Anschlusstreffer ein. Nur noch 2:1 und die Hansestädter wittern Morgenluft. Unmittelbar nach dem Anstoß verliert Andreas Korte den Ball an Okuwangu, stolpert und wird überlaufen. Freie Bahn für den Hamburger Goalgetter auf der rechten Seite … Maßflanke … Kopfball Heyer … doch Davari lenkt den Ball über die Latte! Noch einmal gut gegangen! Wieder Ecke für den HSV! Hoch segelt das Leder in den Strafraum, aber an Freund und Feind vorbei ins Toraus. Die letzten fünf Minuten werden angekündigt. Eintracht wechselt noch einmal, Deniz Dogan kommt für den völlig ausgepumpten Edwini-Bonsu und soll nun die Defensive verstärken. Abschlag von Davari, Kopfballduell im Mittelfeld mit besserem Ausgang für die Hamburger. Wieder rollt ein Angriff Richtung Eintracht-Kasten, Okuwangu gewinnt den Ball im Zweikampf mit  Mehmet Kodes, dreht sich und läuft auf das Tor zu. Washausen eilt hinzu, um die Situation zu bereinigen, Tackling an der Strafraumgrenze und … der Schiedsrichter pfeift! Entsetzen macht sich breit, er zeigt auf den Elfmeterpunkt. Eine Fehlentscheidung, denn Washausen hatte klar den Ball gespielt, doch Okuwangu ließ sich theatralisch fallen! Und wenn es ein Foul gewesen wäre, dann vor dem Strafraum! Alle Proteste sind vergebens, Patrick Lejeune legt sich das Leder auf den Punkt, läuft an, schießt flach in die rechte untere Ecke … doch Davari hat ihn! Mit den Fingerspitzen dreht er den nicht schlecht geschossenen Ball um den Pfosten! Keine Zeit zum Verschnaufen, Ecke für den HSV kommt herein, Davari kommt aus seinem Tor und faustet die Kugel aus der Gefahrenzone. Kodes erobert sie im Mittelkreis, während die Hamburger immer noch weit aufgerückt sind. Pass auf die linke Angriffsseite, wo Raffael Korte gestartet ist, dieser legt von der Eckfahne zurück auf Müller, der am Strafraumeck lauert. Ein satter Schuss, der Hamburger Torwart Hallreither streckt sich vergeblich … doch der Ball prallt vom Innenpfosten zurück ins Feld. Merkel läuft ein und zieht vom Elfmeterpunkt ab. Toooooooooooooooooorrr für Eintracht! 3:1 in der 89. Minute durch Pierre Merkel! Das muss es doch gewesen sein! Eintracht ist zurück in der Bundesliga! Das Stadion gleicht einem Tollhaus! Auch der Wille der Hamburger ist nun endgültig gebrochen. Zwar versuchen sie noch einen Angriff, der hohe Ball in den Strafraum wird aber eine sichere Beute von Daniel Davari. Und dann ist Schluss … !

Jetzt brechen alle Dämme! „Nie mehr 2. Liga!“, schallt es aus Tausenden von Kehlen durch das Stadionrund, während die Hamburger konstatieren müssen, dass sie durch ein 4:2 der Bremer in Wolfsburg tatsächlich noch auf den Relegationsplatz zurückgefallen sind und demzufolge nachsitzen müssen. Die Tore öffnen sich und die begeisterten Fans strömen auf das Spielfeld, um mit ihren Helden den Bundesligaaufstieg zu feiern. Die ersten überdimensionalen Wolters-Gläser kreisen bei den Spielern und unser Trainer hat offensichtlich schon den kompletten Inhalt eines dieser Behältnisse abbekommen. Präsident Sebastian Ebel wird ebenso wenig verschont wie Zeugwart „Bussi“ Skolik und Marc Arnold. Völlig egal! „Nie mehr zweite Liga!“ Die Stadionregie hat sich noch etwas ganz besonderes einfallen lassen. Die Hits der Aufstiegssaison 2011 klingen aus den Lautsprechern! „Werdet zur Legende“ und dann (natürlich!) „Schatzi, schenk mir ein Foto …!“ Damit beginnt eine riesige Party in blau-gelb.

Hamburg wird sich übrigens in der Relegation gegen Leverkusen durchsetzen und ebenfalls den Weg zurück ins Oberhaus finden. Die am besten platzierte norddeutsche Mannschaft in der kommenden Saison heißt …

An dieser Stelle bin ich aufgewacht! Aber wäre das nicht schön?

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