EM 2012: Wirtschaftsgigant Deutschland besiegt Pleitezwerg Portugal 1:0

On 10. Juni 2012 by gialloblu

Das Schöne an einer Europameisterschaft ist, dass die Kleinen auch mal gegen die Großen spielen dürfen. Und bei dieser EM gibt es jede Menge Kleine zu bestaunen: Am Freitag Abend sahen wir im Eröffnungsspiel den Schlecker der EU, Griechenland, gegen Deutschlands Billig-Discounter, Polen. Heute Abend spielt Italien, wo Männer mit 40 noch bei Mutti wohnen. Morgen Abend England, das aus ähnlichen Gründen wie Robotron und Trabant vor 20 Jahren seine industrielle Produktion abwickelte.

Doch neben den fünfzehn Kleinen gibt es bei dieser EM zum Glück auch einen Großen: nämlich uns, Deutschland! Was sind wir schön, was sind wir fleißig, was sind wir erfolgreich: drei mal Weltmeister, drei mal Europameister, mehrfach Exportweltmeister, außerdem jedes Jahr der Zahlmeister Europas. Da sich andere tüchtige und leistungsfähige Nationen wie China, die Schweiz oder Singapur für diese Europameisterschaft nicht qualifizieren konnten, ist Deutschland in diesem Turnier der einzige Favorit. Deshalb kann es niemanden überraschen, dass die erfolgreiche Verteidigung unseres EM-Titels von 1996 gestern mit einem 1:0 gegen Portugal begann!

Deutschland gegen Portugal: ein Duell so ungleich wie Porsche gegen Portwein. Wie ein Kreuzfahrtschiff aus Papenburg gegen ein Fischerboot aus Portugal. Wie Frankfurt Stock Exchange gegen Fritten und Stockfisch. Denn Portugal leidet noch immer unter einem schmerzhaften Strukturwandel: Obwohl die kleine Nation im Südwesten Europas einst großen Reichtum in dieser Branche erwirtschaftete, wurde vor über 200 Jahren der Sklavenhandel aus irgendwelchen Gründen verboten.

Angesichts der uns zugelosten Kleinstaaten ist es kein Wunder, dass unsere sportliche Bundeskanzlerin, Jogi „Mutti“ Löw, die Gruppenspiele dieser EM als Testspiele nutzt, damit unsere Leistungsträger ab dem Viertelfinale richtig gut in Form sind. Zum Beispiel der Schweini, der mit seinen Elfmetern und Verletzungen in dieser Saison so viel Pech hatte. Oder der Poldi, der als Gruß an das Land seiner Geburt gestern ein paar Bälle Richtung polnische Grenze fackelte. Der kleine Philipp, als Kapitän der verlängerte Arm von Mutti auf dem Platz, sozusagen der Philipp Rösler unserer Nationalelf. Und der Jerome, quasi der Entwicklungshilfeminister in Muttis schwarz-weißem Kabinett, weil eigene Blödheit ihn in der vergangenen Woche mal so richtig in die Schlagzeilen brachte.

Ganz anders, nämlich hochmotiviert ab der ersten Minute, gestern die Portugiesen: Statt der üblichen drei Aktionen hatte Christiano Ronaldo von Real Madrid im gestrigen Spiel mindestens fünf gefährliche Aktionen. Kein Wunder: Nach der Auszahlung seines Gehalts für den Monat Juni – plus Urlaubsgeld – muss nun das gesamte spanische Bankensystem unter den Euro-Rettungsschirm gestellt werden. Da nutzt Ronaldo die internationale EM-Bühne, um finanziell etwas besser gepolsterte Vereine auf sich aufmerksam zu machen – sei es Al-Arabi aus Qatar, Anzhi Makhachkala aus Dagestan oder der VfL Wolfsburg aus der Betriebssportliga.

Doch wie bereits zuvor bei den Turnieren 2006 und 2008 schoss Ronaldo kein Tor gegen Deutschland. Denn der auf der Blumeninsel Madeira geborene Torschützenkönig der spanischen Liga weiß genau, welchem Land er seine Karriere zu verdanken hat. Wer ist nämlich der größte Nettobeitragszahler der EU? Natürlich wir! Und was macht Brüssel mit unserem Geld? Brüssel bezahlt davon Strukturhilfen für europäische Inseln, z.B. für Madeira. Mit wessen Geld wurden also die Straßen gebaut, über die Mama Ronaldo vor Jahren Klein-Christiano zum Training und zu Auswärtsspielen der B-Jugend fuhr? Natürlich mit unserem Geld, ohne das es seine Karriere wahrscheinlich nie gegeben hätte. Statt Fußballprofi zu werden wäre er Fassbauer, Blumenbinder, Teppichknüpfer, Ziegenmelker oder Vogelfänger geworden – so wie die anderen Jungen auf seiner Heimatinsel. Ähnlich wie Poldi nach seinen EM-Treffern gegen Polen 2008 auf den Torjubel verzichtete, hätte auch Ronaldo gestern nicht gejubelt, wenn ihm versehentlich ein Treffer gegen Deutschland unterlaufen wäre.

Kommen wir also zur Bilanz des gestrigen Spiels. Deutschland besiegte selbst im Testmodus ein bis in die gegelten Haarspitzen motiviertes Portugal. Für diese Lehrstunde könnte Deutschland von Portugal den marktüblichen Preis verlangen, wie er z.B. auch von Consulting-Unternehmen wie McKinsey verlangt wird. Da angesichts des schwachen portugiesischen Ratings (ein maues BB bei Standard & Poor’s) Geldforderungen wenig Sinn machen, sollte Deutschland auf Bezahlung in Naturalien bestehen – zum Beispiel, indem Christiano Ronaldo offiziell der deutschen Nationalmannschaft übergeben wird. Mutti Löw könnte ihn als Back-Up für Poldi einsetzen, denn auch er zimmert aus dem linken Halbfeld gerne mal Bälle mit solcher Wucht aufs Tor, dass der Torwart aus den Schuhen fliegt.

Man stelle sich dann folgende Szene vor: Am Mittwoch laufen die letzten zwanzig Minuten im Spiel des Tabellenführers Deutschland (Rating AAA, 1:0 Tore) gegen Holland. Erneut sollen Huntelaar und van der Vaart eingewechselt werden, um das Spiel für Holland noch zu wenden. Doch auch Deutschland wechselt: Wiese für Neuer, Höwedes für Lahm, Ronaldo für Poldi. Die Gesichter der Holländer möchte ich dann sehen!

Damit der ehemalige Superstar von Portugal sich in den siebzig Minuten vor seiner Einwechslung nicht langweilt, könnte er auf der Bank sitzend auf traditionelle Art einen Teppich knüpfen, wie er es als Kind auf Madeira vielleicht selbst einst lernte. Er könnte diesen Teppich dem Jerome, dem Entwicklungsminister im Kabinett von Mutti Löw, ja anschließend verkaufen. Doch dann werde ich persönlich darauf achten, dass dieser Teppich nach der Rückkehr aus der Ukraine Anfang Juli, genauso wie dieser silberne Pokal, brav verzollt wird!

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