EM 2012: Holland versinkt in Deutschlands Sturmflut mit 2:1

On 14. Juni 2012 by gialloblu

„Creating History Together“ – diesen schönen Slogan wählten die Organisatoren dieser EM. Lasst uns gemeinsam Geschichte schreiben. „Creating History Together“ wäre übrigens auch der ideale Slogan für Deutschlands Beziehung zu Holland. Denn mit unserem kleinen Nachbarn im Westen schreiben wir seit über tausend Jahren Geschichte. Eine gemeinsame Geschichte, wie sie harmonischer und friedlicher kaum sein könnte.

Zum Beispiel standen wir Deutsche militärisch eigentlich immer auf der Seite der Holländer: Die gegen die Römer, wir gegen die Römer. Die gegen die Hunnen, wir gegen die Hunnen. Zuletzt beteiligten sich Deutsche und Holländer auch gemeinsam beim ISAF-Einsatz, bei dem unser Nachbar, glaube ich, ein paar afghanische Schülerlotsen ausbildete. Spontan fällt mir jedenfalls kein einziger Krieg ein, in dem Deutschland oder Holland mal das Land des anderen besetzt hätte.

Auch wenn die Karriere einer prominenten Persönlichkeit stagniert, wird in freundschaftlicher Verbundenheit jenseits der gemeinsamen Grenze geholfen: Als die Holländer Mark van Bommel und Arjen Robben bei ihren spanischen Vereinen feststellten, dass man aus Holz außer Schuhen auch ziemlich harte Ersatzbänke schnitzen kann, fanden sie in Deutschland – genauer gesagt in Bayern – eine gut zahlende Auffanggesellschaft. Und als Deutschlands letzter Kaiser, Wilhelm II, aus seinem Schloss gejagt wurde, kriegte er eine Stelle als Holz hackender Privatier im holländischen Asyl. Man hilft sich gegenseitig, so gut wie man kann!

Auch wirtschaftlich ist Holland einer der zuverlässigsten Partner Deutschlands überhaupt: Wie so viele andere europäische Staaten kaufen auch die Oranjes wie bekloppt unsere fantastischen Weltklasse-Produkte, die wir Deutschen mit dem uns typischen Fleiß herstellen – egal, ob Wohnmobile, Käseformmaschinen oder Salzwasserpumpen zur Entwässerung des überfluteten Kellers. Doch im Gegensatz zu Griechenland, Italien oder Spanien sind die Holländer in ihrem Kaufrausch für deutsche Produkte nicht pleite gegangen, so dass wir sie nicht täglich mit unseren Milliardenhilfen retten müssen. Wenigstens der Holländer funktioniert noch so, wie wir uns das damals bei der Einführung des Euros vorstellten. Darum lieben wir unser westliches Nachbarland!

In dieses Bild der allgemeinen Harmonie passt das gestrige Spiel in Charkov. Aus Sorge, dass eine seiner gefürchteten Grätschen jemanden verletzen könnte, hielt van Bommel stets fünf Meter Abstand zum Ball führenden Deutschen. Robben setzte ein Zeichen für den Weltfrieden, indem er in der ersten Halbzeit keinen Zweikampf gewann. Als er zehn Minuten vor Schluss ausgewechselt wurde, verließ er den Rasen übrigens auf der gegenüberliegenden Seite von der Trainerbank – wahrscheinlich, damit er auf dem Weg zurück zur Kabine entlang der weißen Kurve die Hände der deutschen Fans abklatschen konnte, die von Robbens Leistung gestern absolut begeistert waren. Extra für Arjen sangen sie ein letztes mal „So geh’n die Holländer, die Holländer geh’n so!“.

Doch auch die holländischen Fans kriegten von unseren Spielern so manch nette Geste geboten. Der Oranje-Fan kann sich nicht mehr daran erinnern, wie schön es ist, wenn ein Tor fällt? Ein Fall für den Gomez, der bereits nach wenigen Minuten vor der orange gekleideten Kurve einnetzte. Und für die verspätet angekommenen Käseköppe, die die Länge des Weges vom Campingplatz „Biwak Roter Stern“ bis zum Stadion unterschätzt hatten, traf der Gomez Minuten später gleich noch ein zweites mal. Wie in jedem Spiel waren fast alle deutschen Spieler – der Schweini und der Poldi, der Mesut und der Manu und der Miro – mal wieder furchterregend gut und sympathisch. Nur der Gomez musste mal wieder ausgewechselt werden, nachdem er eine halbe Stunde lang kein drittes Tor geschossen hatte. So geh’n die Deutschen, die Deutschen geh’n so. Bloß der Gomez, der ging gestern ja mal wieder gar nicht!

Kommen wir also zur Bilanz des gestrigen Spiels: Deutschland ist dem Rest von Europa nicht nur wirtschaftlich, sondern auch fußballerisch so haushoch überlegen, dass es langweilig wird. Da hilft nur eins: Wir müssen zurück aufs wirtschaftliche und fußballerische Niveau der anderen sinken. Am besten, indem uns Holland – dies ist gleichzeitig der Preis für die gestern erteilte Lehrstunde auf dem Rasen von Charkov – Königin Beatrix ausliefert. Ihr durftet unseren Kaiser kriegen, also kriegen wir eure Königin. Sie muss ja auch nicht Holz hacken, wenn sie nicht will. Der entscheidende Punkt ist, dass wir durch ihre Auslieferung Hollands Koninginnedag übernehmen würden. Statt eines einzigen Feiertages zu Ehren der Königin würde es bei uns allerdings einen kompletten Feiermonat geben – den Koninginnemaand. Einen Monat Zwangsparty unter freiem Himmel für alle Bundesbürger. Wir verwandeln Deutschland, obwohl an Nord- und Ostsee gelegen, in einen Mittelmeerstaat!

Es wäre ein gutes Geschäft für Holland: Deutschland säuft sich runter auf das wirtschaftliche Niveau von Ibiza oder Griechenland. Gleichzeitig wird unser weltberühmter Arbeitseifer und unsere weltweit so sehr geschätze teutonische Ordnung per Gesetz verboten. Was automatisch bedeuten würde, dass auch unsere Nationalelf nur noch lauffaul und ungeordnet über den Platz traben darf. So würde Holland zukünftig bei keiner EM in einer Flut von deutschen Toren absaufen!

Überlegt mal, liebe Holländer: Ihr müsstet eurem verarmten deutschen Nachbarn sicherlich ab und zu mal mit einer Milliardenhilfe aus dem Schlamassel helfen. Ihr müsstet eure Wohnmobile, Käseformmaschinen und Salzwasserpumpen natürlich woanders kaufen, weil wir nur noch Kartoffeln ernten und Bier brauen. Aber dafür könntet ihr Oranjes mal wieder Europameister werden, weil unsere Mannschaft nichts mehr taugt. Deal or no deal?

Eine solche Absprache wäre übrigens vollkommen legal: Wir und die Holländer sprechen gemeinsam ab, wer sich als Europameister ins Geschichtsbuch des Fußballs eintragen darf. Oder, wie man bei der UEFA sagen würde: „Creating History Together“!

2 Responses to “EM 2012: Holland versinkt in Deutschlands Sturmflut mit 2:1”

  • Danke für das Lob, 18Maddin95. Die kriegerische Vorgeschichte ist mir natürlich bewusst – denn ohne sie hätte es die extreme Rivalität zwischen Deutschland und Holland beim Fußball nie gegeben. Wenn also ein Satz auftaucht wie “Spontan fällt mir jedenfalls kein einziger Krieg ein…” soll es eine diskrete Andeutung sein, dass die Verbrechen der Vergangenheit ja eigentlich bekannt sind.

    Also nicht wundern, wenn in späteren Spielberichten (toi-toi-toi) völlig naiv festgestellt wird, dass Griechen, Franzosen oder Spanier uns Deutsche doch eigentlich auch lieben und bewundern müssten. 😉

  • http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Niederlande#Mai_1940

    Die Niederlanden waren von Mai 1940 bis April 1940 von der Wehrmacht besetzt und die letzten deutschen Soldaten in den Niedelranden kapitulierten erst am 5.Mai 1945.
    Ich weiß zwar nicht, inwieweit das ernst gemeint zwar dort oben, aber nur für den Fall: Es gab kriegerische Auseinandersetzungen, sogar vor nicht allzu langer Zeit.;)

    Ansonsten ein guter Artikel 🙂 .

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