Wer pfeift, soll nach Volksburg geh’n!

On 27. September 2012 by togo

Über Eintracht geht die Sonne auf!Eintracht ist Spitze! Sieben Spieltage hat die Zweite Bundesliga jetzt bereits absolviert, und unsere Löwen stehen mit einer nie für möglich gehaltenen Traumquote von sechs Siegen und einem Unentschieden (und auch das nur, weil uns beim 1:1 in München ein Tor geklaut wurde) auf Platz 1 der Liga. Dabei hat Eintracht nicht nur die beste Punktequote eingefahren, sondern stellt auch bei den geschossenen (12 – zweitbester Wert) und den kassierten Toren (2 – Ligaspitze) Bestmarken auf. Klar, dass da so mancher anfängt vom Aufstieg zu träumen. Aber bitte: lassen wir es dabei.

Denn, auch wenn es noch so viel Spaß macht, einen Aufstieg zu feiern – dieser käme locker zwei Jahre zu früh. In Braunschweig wird – endlich! – seriös und nachhaltig gearbeitet, etwas aufgebaut. Da existieren gute Konzepte, die mit Leben gefüllt werden und die für die sportliche Entwicklung sorgen. Was würde passieren, wenn Eintracht aufstiege? Ganz sicher würden Todde und Marc ihren Weg nicht mehr derart konsequent weitergehen können. Denn – sind wir mal ehrlich – für einen Klassenerhalt in der Bundesliga ist unser Kader noch nicht stark genug. Man müsste also „nachbessern“, was höchstwahrscheinlich bedeuten würde, mal wieder die Ersatzbänke anderer Bundesligisten leer zu kaufen. Das bisher so sympathische und erfolgreiche Konzept, mit hungrigen Nachwuchskräften etwas aufzubauen, wäre dahin.

Manche könnten argumentieren, dass Eintracht im Falle eines Aufstiegs ja auch deutlich mehr Geld zur Verfügung hätte. Das ist richtig. Aber was Eintracht bisher (noch) nicht hat – und was für uns ein großer Wettbewerbsnachteil ist – sind die professionellen Strukturen. Die konnten in der langen Zeit in der Versenkung nicht aufgebaut werden, weil sie vielleicht wünschenswert gewesen wären, aber ganz sicher nicht bezahlbar.

Eintracht holt diesen Rückstand bei den Strukturen jetzt auf – langsam, aber nachhaltig. Da wird nichts übers Knie gebrochen, sondern sorgfältig ausgewählt und installiert. Diese Vorgänge werden noch einige Jahre benötigen. Das müssen wir verstehen – und akzeptieren. Eintracht gehört in die Erste Bundesliga, natürlich. Aber damit die Rückkehr keine Eintagsfliege ist, muss vorher erst noch eine Menge passieren.

Womit wir beim eigentlichen Thema wären: die Pfeifen, die gestern Abend beim 3:0-Sieg gegen den MSV Duisburg die eigenen Spieler ausgepfiffen haben, nur weil man die Meidericher nicht an die Wand gespielt hat. Das war nicht nur unsportlich, sondern auch dämlich. Denn mit diesem Verhalten haben diejenigen lediglich eines gezeigt: sie haben von Eintracht keine Ahnung. Sie wissen nichts mehr vom Regionalliga-Sumpf. Sie haben ganz sicher nicht im Fanbus nach Herzlake gesessen, den Hacky Meyer damals mit viel Überredungskunst und einigem Risiko auf die Beine gestellt hat (und der dann doch nicht ganz voll wurde – ja, diese Zeiten gab es!). Sie haben keine Ahnung, auf welchem Platz der SV Lurup spielt. „Düsternort“ klingt für sie wie ein Roman irgendeines drittklassigen Fantasy-Autors. Und die skurrile Situation, während eines Pflichtspiels der Eintracht im Stadion dem Kumpel, der mehrere Blocks entfernt steht, etwas zurufen zu können, was der dann auch versteht und beantwortet, haben sie auch nie erlebt. Warum? Weil sie nicht da waren. Sei es die Gnade der späten Geburt oder – wahrscheinlicher – das erst jetzt, in erfolgreichen Zeiten, entfesselte Eintracht-Fieber, Ihr versteht nichts von Eintrachts Seele! Setzt Euch auf Euren Platz, singt mit, klatscht mit – aber traut Euch nie wieder, diese junge Mannschaft auszupfeifen. Denn sie ist das Beste, was uns seit 30 Jahren passiert ist. Es ist endlich wieder einmal UNSERE Mannschaft. Und sie hat verdient, dass wir ihr Zeit geben. Bisher hatten wir schließlich keinen Grund, das zu bereuen.

Wer diese junge Mannschaft auspfeift, pfeift das Eintracht-Konzept aus und gehört nicht ins Eintracht-Stadion. Ein paar Kilometer weiter im Nordosten ist viel Platz für solche Leute. Da gibt es zwar nur Betriebssport zu sehen, aber pfeifen kann man da sicher prima.  Lasst uns in Braunschweig etwas Tolles, Sympathisches aufbauen – wer pfeift, soll nach Volksburg geh’n!

7 Responses to “Wer pfeift, soll nach Volksburg geh’n!”

  • Ich stimme den Beitrag mit den Pfeifen vollends zu, aber ein Aufstieg kommt nie zu früh. Klar hat der Großteil der Mannschaft keine Bundesliga-Erfahrung, aber viele junge Spieler die wir aus den Niederungen der Regionalliga geholt haben (die Korte-Zwillinge, Merkel) oder aus dem Ausland (Ademi) und wo viele Klugschnacker erst getönt haben: „Die kennt doch keiner, in der 2.Liga werden die nichts, blablabla“ haben gezeigt, dass sie in der 2.Liga mithalten können. Auch die „Alteingesessenen“ wie Reichel, Correia, Boland usw. hatten vor dem Aufstieg gar nicht bis wenig in der 2.Liga gespielt, hat auch mit der Anpassung geklappt. Kurz: Wenn der Kern der Mannschaft zusammenbleibt und man punktuell das Team verstärkt (2-3 gute Vakanzen) dann traue ich meiner Eintracht zu, dass wir auch in der 1.Liga bestehen können.

    Ansonsten sag ich nur, was kommen mag, das Gleiche wie Franz Beckenbauer: „Schau’n mer mal.“

  • Ich bin ebenfalls in vielen Punkten gleicher Meinung, sehe aber das Problem nicht, ein Aufstieg käme zu früh. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Eintrachts Führung in diesem Fall von seiner Linie abweicht, vernünftig den Kader anzupassen und nicht übermäßig Geld in die Mannschaft zu stecken. Ein Aufstieg hätte sogar den Vorteil, dass die Einnahmen stark ansteigen würden und dadurch die Infrastruktur schneller ausgebaut werden könnte. Das würde dem Augenmaß entsprechen, mit dem seit Jahren gehandelt wird.

  • Nu, ist aber gut.

    Im Forum, hier und was weiß ich noch wo, wird ja so getan, als ob das Stadion in Grund und Boden gepfiffen wurde.
    Die einzigen Pfiffe, die ich vernahm, waren die bei Domis Auswechslung. Kurz und knapp.

    Ansonsten gab es ein Raunen und Stoehnen bei den unzaehligen Fehlpaessen.
    Und das wird ja wohl noch erlaubt sein. Dies sind Emotionen die hoffentlich erlaubt sind.

    Und selbst wenn z. Bsp. im ‚fernen‘ Block 15 einer gepfiffen hat, so stellt der noch lange nicht das Konzept der Eintracht in Frage oder wuerdigt nicht die Entwicklung des Vereins und insbesondere der ersten Mannschaft. Nein, so einfach ist das nicht.

    Ach eins will ich nicht vergessen: Ich kenn auch diese Dorfplaetze. Ich stand auch schon im halbleeren Block. Und peiffen kann ich leider nicht so toll. Diese Feststellung mußte sein. Denn diese scheint in aufkommenden Zeiten von ‚guter Fan – schlechter Fan‘ langsam an Bedeutung zu gewinnen.

    Voellig im Gegensatz zum Motto ‚Wir sind Eintracht‘.

  • So wahr! Danke für diesen tollen Beitrag. Ich habe die dunkle Zeit auch mitgemacht, und wäre am letzten Spieltag auch mit einem Unentschieden zufrieden nach Hause gefahren. So wie die Eintracht momentan spielt ist es einfach nur schön-aber auspfeiffen-das hat diese Mannschaft nicht verdient.
    Immer nur Eintracht!

  • Ein Aufstieg kann nie zu früh kommen. Wenn sich die Chance bietet (und so sieht es aus) mit beiden Händen zupacken. Und seht zu das Ihr schnell aufsteigt. Ich kann die Volksburgspacken nicht mehr sehen 🙂

  • Wer sagt denn, dass wir im Aufstiegsfall (den ich für extrem unwahrscheinlich halte) nicht genau so weitermachen können. Die Mannschaft punktuell gezielt mit jungen hungrigen Spielern verstärken. Klar können wir dann absteigen, aber wir müssen nicht. Und selbst im Abstiegsfall hinterlassen wir keinen Trümmerhaufen, sondern eine gefestigte Mannschaft.

  • Ein super Beitrag, dem ich vollumfänglich zustimme! Schick den Teil mit den Pfiffen doch als Leserbrief an die Braunschweiger Zeitung. Vielleicht ohne die Seitenhiebe auf Wolfsburg, das haben wir nicht nötig!

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