Verbrettert Türen und Fenster: Sandhausen kommt!

On 1. November 2012 by gialloblu

Zuerst schraubte ich heute Nachmittag Spanplatten an den Außenwänden fest. Dann besorgte ich so viele Essenskonserven, wie die Regale in Küche, Keller und Wohnzimmer tragen können. Natürlich auch Ersatzbatterien für die Taschenlampe, da am Wochenende mit Stromausfällen zu rechnen ist. Nach Rückkehr von meinen Hamsterkäufen/Plünderungen im Einkaufszentrum schmiss ich ein paar Sandsäcke zu Hause vor die Tür. Selbstverständlich hatte ich auch das Auto vollgetankt, bevor demnächst hier keine Tankstelle mehr beliefert wird!

Meine Art der Vorbereitung aufs Wochenende mag einem typischen Braunschweiger etwas übertrieben vorkommen. „Wozu dieser Aufwand?“ würde er wohl fragen. „Eintracht spielt in diesem Jahr doch gar nicht gegen Hansa. Es ist doch bloß Sandhausen, das uns an diesem Freitag besuchen kommt!“

Doch die zu meiner Sicherheit durchgeführten Maßnahmen haben einen einfachen Grund: Der Jahrhundert-Hurrikan „Sandhausen“ (verharmlosend in den Medien nur „Sandy“ genannt), der in Nordamerika für Dutzende Tote und für Milliardenschäden verantwortlich ist, nimmt allmählich Kurs Richtung Osten, auf unsere Heimat. Ähnliches kennen wir von früheren Wirbelstürmen in den USA: Der Ausläufer eines Hurrikans, nennen wir ihn Sturmtief Ermin, zieht über den Atlantik und holzt anschließend ein paar Bäume in deutschen Mittelgebirgen um. Morgen, etwa ab 18:00 Uhr, erwarten wir Hurrikan „Sandhausen“ („Sandy“) – wobei Wetterforscher warnen, dass „Sandhausen“ direkt übers Eintracht-Stadion ziehen wird!

Dass in den USA „Sandhausen“ als Name für dieses extreme Wetterphänomen gewählt wurde, kann keinen Amerika-Experten überraschen. Schon vor 40 Jahren war „Sandy“ bei Soldaten der US Army Slang für Sandhausen: „I’d rather spend one year in ‚Nam fighting Charly, than spend another day here in Sandy“ war sicherlich ein Standardsatz unter jungen GIs, die der Langeweile auf der elterlichen Farm in Idaho entkommen wollten – und dann bitter enttäuscht wurden, als die Army sie in Nordbaden, im hintersten Winkel der amerikanischen Besatzungszone, stationierte. Mit anderen Worten: Für den Amerikaner ist „Sandhausen“ oder „Sandy“ ein Begriff für alles, was so ärgerlich ist wie ein Wespenstich auf der Zunge. Es ist ungefähr das, was wir „Hannover“ oder „Hanoi“ nennen.

Nach Abschluss meiner Wochenendbesorgungen und meiner häuslichen Umbaumaßnahmen rief ich, im Lichtschein meiner Taschenlampe, beim Wetterdienst an. Ich wollte etwas genauer wissen, wie gefährlich das Sturmtief „Sandhausen“ denn morgen für uns werden kann. Um es vorweg zu nehmen: Es gab eine leichte Entwarnung! „Was Sandhausen zu bieten hat, kann man echt nicht als Sturm bezeichnen“, sagte der Wetterfrosch am anderen Ende der Leitung. „Da ist dieser eine Ex-Paderborner, der eigentlich nur in Liga Drei Schaden anrichten kann. Und dann ist da noch dieser King: Vor ziemlich genau drei Jahren war der King in Braunschweig ein richtiger Orkan. Dann entschloss er sich Richtung Fürth weiterzuziehen, und plötzlich war bei ihm völlig die Luft raus.“

Vielleicht ist es also doch übertrieben, sich zu Hause zu verbarrikadieren, bloß weil „Sandhausen“ kommt. Bestens geschützt werde ich mir morgen das Spiel in der Glotze angucken – falls die Stromversorgung nicht vorher zusammenbricht. In der Halbzeit öffne ich mir eine kalte Konserve aus dem Regal im Wohnzimmer. Und falls das Auge des Hurrikans „Sandhausen“ morgen Abend tatsächlich über dem Eintracht-Stadion liegt: Im Auge des Sturms ist es am ruhigsten! Nähere Einzelheiten bitte der folgenden Grafik entnehmen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*