Maya-Kalender nachgerechnet: Weltuntergang in Braunschweig erst im März 2013!

On 5. März 2013 by gialloblu

msv_btsvErinnert sich noch jemand an das große Hype-Thema im letzten Jahr? Genau, der Maya-Kalender! Was waren wir alle froh, als am 20.12.2012 jene Erdbeben und Vulkanausbrüche ausblieben, die nach dem Kalender der Jungs aus Yucatan das Ende der Zeitrechnung einläuten sollten. Okay, einige hatten durchaus Positives an der Prophezeiung erkannt: Weil man sich, im Gegensatz zu all den anderen Jahren zuvor, im Dezember mal keinen Kopf über Weihnachtsgeschenke machen musste. Oder weil man hoffte, dass sich die Braunschweiger Kontinentalplatte während der geologischen Bambule 70 Kilometer nach Westen verschiebt, und so die Stadt an der Leine tief in glühend heiße Magma taucht. Bloß das Timing fürs Ende unseres Planeten schien schlecht gewählt: drei Tage nach Eintrachts 4:3-Sieg gegen Union. „Typisch. Da steht die Eintracht erstmals in der Weihnachtszeit auf einem direkten Aufstiegsplatz zur Bundesliga, und prompt geht die Welt unter“, dachten viele Blau-Gelbe.

Tage später, am 21.12, schien alles wieder gut: Man wachte auf, zog das Rollo hoch und stellte erleichtert fest, dass es draußen noch genauso aussieht wie am Tag zuvor. Doch jetzt kommt die schlechte Nachricht: Für Braunschweig hat sich der Maya-Kalender verrechnet. Denn wochenlang stand das Leben in der Löwenstadt still: als Eintracht 1967 Meister wurde; als 1974 und 1981 jeweils die Rückkehr in die Bundesliga gelang; als 1988, 2002, 2005 und 2011 Aufstiege aus der Drittklassigkeit gefeiert wurden. Diese Stillstandzeiten des öffentlichen Lebens müssen für Braunschweig hinzugerechnet werden. Ergebnis: Nach dem Maya-Kalender droht Braunschweigs Weltuntergang nicht schon am 20.12.2012, sondern ab einem anderen markanten Datum, dem 1.3.13. Also ungefähr… jetzt!

Doch woran erkennt der Ahnungslose, der keine Erfahrung mit Weltuntergängen hat, einen solchen? Möglicherweise daran, dass „glühender Regen auf die Erde prasselt und Vögel plötzlich rückwärts fliegen“, so lehren uns alte Schriften. Oder daran, dass „der Löwe hoch oben auf dem Felsen der Tabelle plötzlich dem falschen Löwen unterliegt. Und acht Tage später sogar vom größten Joke im Jungle, von einem blau-weißen Zebra, besiegt wird.“ Bumm, so eine Prophezeiung sitzt! Kein Wunder, dass sich spätestens seit gestern Abend viele orientierungslose Blau-Gelbe sicher sind, dass der Maya Recht und der Weltuntergang begonnen hat!

Was aber tun, wenn man sich als Orientierungsloser am Ende der Welt wähnt? Auch hier lohnt ein Blick in die alten Schriften: „Großes Wehklagen gehe einher mit sinnloser, öffentlicher Selbstgeißelung. Suchet auf jene Foren, in denen man eure niedere Meinung zulässt. Suchet auf das Gesichterbuch. Hauet eure heidnischen Ängste in die Tasten. Verdammet euren eigenen Torwart für sein Stellungsspiel. Verdammet eure Innenverteidigung für ihre Irrungen und Wirrungen. Verdammet den Mangel an Vielfalt im Spielaufbau. Verdammet die Harmlosigkeit bei Standards, die Abhängigkeit von Domi Tormanufaktur vorm gegnerischen Himmelstor; das Fehlen des gelernten Zimmermanns, Jesus Merkel; die Sedisvakanz vom Stellvertreter des Fußballgotts auf Erden, von Kapitänspapst Kruppke. Heult euch aufs Lächerlichste aus, dass der Bauer vom Betzenberg oder der Jeck vom Dom dem Löwen von Braunschweig schon nächste Woche auf den Pelz rückt.“ Doch weshalb sollten die Orientierungslosen sowas öffentlich posten? „Sobald der Hahn am Tag des Weltuntergangs dreimal kräht, wird man euch mit einem Platz im Raumschiff belohnen, das aus Broistedt oder Bleckenstedt abheben wird.“ Oder aus irgendeinem anderen Dorf mit B – wie aus dem französischen Dorf mit B, aus dem am 20.12.2012 die Bekloppten aus aller Welt Richtung Space entkommen wollten.

Genau an diesem Punkt hören die Ungläubigen auf zu denken, und beginnen im Internet zu schreiben: Wie kacke diese Mannschaft ist, was für einen Dreck sie spielt, dass alle Leistungsträger mal eine Pause brauchen, und dass die Truppe da oben in der Tabelle nichts zu suchen hat. Denn sie haben Angst, dass in diesen Tagen die Welt untergeht, bloß weil Eintracht gegen 1860 und in Meiderich verloren hat. Angst, dass sie am allerletzten Tag der Menschheit vom rettenden UFO vergessen werden. Joaah, geht klar! Antwortet diesen Foren-Usern nicht. Lacht sie nicht aus. Denn sie sind einfach nur kleine Spinner, die plötzlich die Hosen voll haben, weil sie an die Prophezeiung eines längst vergessenen Volkes glauben.

Ganz anders der standhafte Eintracht-Fan: Er oder sie glaubt an diese Mannschaft und an das Konzept, das seit Jahren beim BTSV verfolgt wird. Zwei Niederlagen hintereinander? Völlig normal! Wer vor der Saison auf einen möglichst frühen Klassenerhalt gehofft hatte, lässt sich – insbesondere beim aktuellen Verletzungspech – so schnell nicht aus der Bahn werfen. Statt sieben Spieltage vor Schluss, zu Hause gegen Dresden, kann die Eintracht nun erst frühestens sechs Spieltage vor Schluss, bei Hertha, aufsteigen. Welch ein Unglück!

Deshalb: Habt keine Angst wegen der beiden Niederlagen. Wahre Eintracht-Fans haben bekanntlich noch nicht mal Angst vor einem Weltuntergang. Denn völlig zutreffend heißt es vor jedem Heimspiel: „Wir stehen immer zu dir – bis ans Ende der Welt! … EINTRACHT!“

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