Hubschraubereinsatz

On 21. März 2013 by gialloblu

braunsche_roehreEs gibt Ereignisse, die sind tragisch. Noch tragischer sind Ereignisse, die tragisch und obendrein überflüssig sind. In genau diese Kategorie fällt wohl die Großübung der Bundespolizei am Berliner Olympiastadion, die heute ein Todesopfer und mehrere Schwerverletzte forderte. Zwei Hubschrauber kollidierten im Schneetreiben auf dem Maifeld, als ein Einsatz bei schwerer Gefährdung der öffentlichen Ordnung simuliert wurde.

In der Geschichte der Bundesrepublik gab es bisher – zum Glück – eigentlich erst ein Ereignis, bei dem die Begriffe Olympiagelände, Hubschrauber und Todesopfer im gleichen Zusammenhang auftauchen: 1972, als palästinensische Terroristen israelische Olympiateilnehmer entführten, und der Befreiungsversuch durch den Bundesgrenzschutz – inklusive ausgebranntem Hubschrauber in Fürstenfeldbrück – in einem tödlichen Desater endete. Andere Länder, wie die USA, mussten auch in den Jahren danach im Kampf gegen ihre Feinde schlechte Erfahrungen mit gecrashten Hubschraubern machen: zum Beispiel 1980 beim gescheiterten Versuch, gekidnappte Botschaftsangehörige in Teheran zu befreien. Oder 1993, als nach Black Hawk Down nackte Soldatenleichen durch die Straßen von Mogadischu geschleift wurden. Um es mit den Worten von Torsten Lieberknecht zu sagen: Wenn man die eigenen Truppen schon per Helikopter ins Krisenzentrum schicken muss, ist die Kacke so richtig am dampfen.

Nun drängt sich an dieser Stelle die Frage auf, welcher skrupellos brutale Gegner wohl der Anlass für die Übung der Bundespolizei in Berlin war. Gegen welchen vermeintlichen Feind probt man den Einsatz mit mehreren Hubschraubern am Olympiastadion? Gegen palästinensische oder iranische Entführer? Gegen somalische Warlords? Vielleicht auch gegen verfeindete arabische Clans, die sich vorgestern vor der KfZ-Zulassungstelle in Kreuzberg eine Straßenschlacht lieferten? Nein – denn es gibt Feinde der öffentlichen Ordnung, die sind tausendmal gefährlicher: Menschen, die sich eine „gewalttätige Auseinandersetzung am S-Bahnhof Olympiastadion“ liefern, „bei der auch Pyrotechnik zum Einsatz komm[t]“, wie die B.Z. schreibt. Hilfe! Erst nach einer endlos langen Schrecksekunde wage ich leise die Frage zu flüstern: Woher kommen bloß solche „Menschen“?

An dieser Stelle bedanken wir uns beim Tagesspiegel für seine Fotostrecke. Denn auf einem Bild kann man wunderbar erkennen, dass diese „Menschen“, diese Entführer und Warlords und Pyrotechniker, eine Fahne ihrer Gesinnung bei sich tragen, deren Aufschrift mit „Brauns“ beginnt:
hubschraubereinsatz
Vielleicht nehmen wir uns an dieser Stelle zu wichtig, wenn wir voreilig folgern, dass der zu bekämpfende Feind in der Großübung der Bundespolizei offenbar der Braunschweiger ist. Ist doch reiner Zufall, dass Herthas nächster Heimspielgegner im Spitzenspiel der zweiten Liga Eintracht Braunschweig heißt! Nein, das „Brauns“ auf der Fahne steht natürlich für „Braunsche Röhre“. In der Großübung simulierte die Polizei lediglich eine Massenschlägerei zwischen Anhängern der Kathodenstrahlröhre (Braunsche Röhre) und der moderneren LCD-Bildschirme. Es gibt doch keinen Samstag Abend, an dem sich CRT- und LCD-Fans draußen vor der Kneipe gegenseitig die Knüppel in die Fresse hauen. Weiß man! Also übt die Bundespolizei das Einfliegen von Hundertschaften mit dem Hubschrauber, damit solche Chaoten voneinander getrennt werden. Ähnlichkeiten mit den mordenden und zündelnden Braunschweiger Horden in Stadionnähe wären reiner Zufall!

Und es widerspräche ja auch den Erfahrungen der letzten beiden Spiele zwischen Eintracht und Hertha, als die Lager beider Fans auch in der Straßenbahn und am Stadion weitgehend respektvoll miteinander umgingen. Man freut sich aufeinander: Knapp 10.000 Eintracht-Fans sind trotz des ungünstigen Termins am Montag Abend im Gästebereich zu erwarten. Vermutlich werden beide Vereine (nach der zweiten Winterpause dieser Saison) zu Hause gegen ihre Gegner aus der Abstiegszone punkten. Vielleicht werden sich Lautern und Köln zwei Tage vor dem Spiel im Olympiastadion gegenseitig zwei Punkte klauen. Dann wären doch eigentlich alle Voraussetzungen geschaffen, dass wir zwischen Hertha und Eintracht einen völlig entspannten Fußballabend erleben dürfen.

Daher ist klar: Nehmt euch in Zunkunft alle in Acht vor verfeindeten Anhängern verschiedener Darstellungstechniken. Fans der Kathodenstrahlröhre, der LCDs, LEDs und OLEDs hassen sich (nach Erkenntnissen der Bundespolizei) wie die Pest und schrecken am S-Bahnhof selbst vor dem Zünden eines Rauchtopfs nicht zurück. Geht diesen TV-Talibans aus dem Weg und sucht stattdessen einen sicheren Ort auf – zum Beispiel das Olympiastadion am übernächsten Montag, wenn das Spitzenspiel der zweiten Liga steigt!

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