Domi für Deutschland!

On 16. April 2013 by gialloblu

dfbAb und zu gucken hier interessierte Fachleute rein, die sich fragen: „Seid ihr echt Fans vom ehemaligen Bundesligisten Eintracht Braunschweig? Die spielen doch immer noch in der Oberliga Nord, stimmts? Das muss ja ganz schön hart sein!“ Und diese Experten haben Recht: Gelegentlich ist es ganz schön hart, Eintracht-Fan zu sein. Denn in fast jedem Spiel gibt es eine Sekunde, in der furchtbare Dinge passieren: Steht man im Stadion, fliegt einem plötzlich ein Plastebecher an den Hinterkopf, und ein jubelnder Zwei-Zentner-Koloss hüpft einem auf den Fuß. Sitzt man zu Hause vorm Fernseher, sprüht plötzlich das Bier über den Teppich und der Hund bellt los wie blöd. Was jeweils in dieser Sekunde passiert ist? Domi Kumbela hat per Seitfallzieher Eintrachts zweites Tor erzielt!

Domis Treffer sind einerseits von märchenhafter Schönheit. Andererseits sorgen sie auch dafür, dass das große Eintracht-Märchen wahr werden kann. Beim letzten Heimspiel, gegen Dresden: Zuspiel von der rechten Seite, Seitfallzieher Kumbela, der Ball schlägt am linken Pfosten ein. Beim letzten Auswärtsspiel, in Sandhausen: Flanke von der rechten Seite, Seitfallzieher Kumbela, der Ball schlägt unter der Latte ein. Drei Punkte gegen Dresden, drei Punkte in Sandhausen. Schon drei Spieltage vor Saisonende könnte der BTSV als Rückkehrer in die Bundesliga feststehen!

Eintrachts bisherige Aufstiege ins Oberhaus wurden ebenfalls von herausragenden Torschützen geprägt: 1974 ballerte Bernd Gersdorff Dorfvereinen wie Itzehoer SV und Heider SV die Bude voll. 1981 knallte Ronnie Worm Kleinstadttruppen wie RW Lüdenscheid und SC Herford die Bälle um die Ohren. Beide Stürmer standen ein Jahr später zumindest im Dunstkreis der deutschen Nationalelf: 1975 wurde Bernd Gersdorff beim Spiel in Österreich eingewechselt, und Ronnie Worm stand 1982 im vorläufigen 40-Mann-Kader für die WM in Spanien.

Daher wäre es konsequent und logisch, wenn Domi Kumbela – der regelmäßig gegen richtige Vereine wie 1.FC Köln und 1.FC Kaiserslautern trifft – endlich mal folgende Mail aus Frankfurt erhält: „Lieber Domi, bitte teile uns deine Konfektionsgrößen für Trikot, Sakko und Bademantel mit. Trägst du deinen Anzug lieber klassisch regular oder modern casual? Benutzt du eine Creme für trockene oder für empfindliche Haut? Wir kümmern uns um alles! Liebe Grüße, dein DFB. PS: Du bist zum nächsten Länderspiel eingeladen!“

Interessierte Fachleute könnten an dieser Stelle einwerfen, dass die Konkurrenz im Angriff der Nummer zwei der Weltrangliste – Deutschland – sicherlich viel zu groß für einen Stürmer von Eintracht Braunschweig ist. Mal schauen: Da wäre zunächst Mario Gomez, über den Mehmet Scholl bereits bei der letzten EM alles sagte. Da ist Miro Klose, zur Zeit dauerverletzt, der demnächst vierzig Kerzen auf seiner Geburtstagstorte auspusten muss. Stefan Kießling, der vermutlich keine Einladung mehr kriegt, weil er Jogi Löws Frisur doof findet. Sogenannte Hoffnungsträger wie Lasogga, Esswein und der ehemalige Braunschweiger Polter, die zusammen in dieser Saison sechs Tore geschossen haben. Konkurrenz für Domi? Exisitiert nicht!

Kein Wunder also, dass Kumbela im Februar auf die Teilnahme am Afrika-Cup verzichtete: Mit einem Pflichtspiel für die DR Kongo hätte er die Chance verspielt, bei der WM 2014 in Brasilien für Deutschland zu stürmen! Frei wäre auch die Rückennummer 12, die bei den letzten Turnieren noch von Tim Wiese getragen wurde. Domi mit seiner Nummer 12, da würde es schon in der Gruppenphase ständig im gegnerischen Kasten klingeln: Erst zwei Kopfballtore gegen Japan, dann zwei Seitfallzieher gegen Kolumbien. Anschließend zwei Kontertore gegen England, die zu Unrecht vom Linienrichter aus Österreich wegen Abseits aberkannt werden.

Gibt es überhaupt ein Argument, dass gegen Domi im Nationaldress spricht? Leider ja: Der DFB bevorzugt brave Streber gegenüber weniger braven Typen wie zum Beispiel Kevin Prince Boateng oder Jermaine Jones. Lieber die pflegeleichten Jungs aus den Nachwuchs-Leistungszentren anstelle der schwierigen Jungs aus dem Fußballkäfig. Vor gut einer Woche eröffnete die Berliner Morgenpost einen Artikel mit dem Satz „Einst bestimmten Gewalt und Drogen das Leben von Stürmer Domi Kumbela.“ Darf man so einen Spieler mit gutem Gewissen als Dauergrinser in einen Werbespot für Nutella, Mercedes-Benz oder Mas Integracion  einsetzen? Einen Spieler, der einst aus der U19 des 1.FC Kaiserslautern flog, weil er zum Runterkommen eine Tüte Weed statt – wie unter den Mannschaftskameraden vermutlich üblich – ein paar Liter Pfälzer Bier konsumierte? Nein, dem Premium-Partner des DFB, Bitburger, dürfte so ein Verhalten überhaupt nicht schmecken…

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