Lieber Event-Fan…

On 22. April 2013 by togo

Blaugelbe Wand bei Eintracht Braunschweig

…setz‘ Dich, nimm Dir ’n Keks… darf ich ehrlich sein? Nicht die Mannschaft, sondern Du hast mir gestern den Tag versaut. Ein Remis gegen Aue, das ist immer drin, denn Wismut ist ein spezieller Gegner für uns. War es, ist es, und wird es wohl auch immer sein. Die liegen uns nunmal nicht (kannst Du nicht wissen). Aber mit dem Spiel, dem absurden Spielverlauf und dem Ergebnis kann ich leben. Bestens sogar. Denn jetzt stehen die Chancen gut, dass die Fans, die mit nach Ingolstadt fahren, dort nicht nur eine spannendes Spiel zu sehen bekommen, sondern auch was zu Feiern haben werden.

Für diese Feier warst Du, lieber Event-Fan, gestern im Stadion. Für nichts anderes. Weil Eintracht gerade in ist. Da kann man ja mal vorbeischauen. Wahrscheinlich warst Du gestern sogar zum ersten Mal im Eintracht-Stadion. Woran ich das bemerkt habe? Nun, Du kanntest die Spieler nicht, auch nicht die Tabellenkonstellation. Du hast Dich immer wieder über das Spiel beschwert („so haben die in der Bundesliga aber nichts zu suchen“, oder „spielen die schon die ganze Saison so?“). Und streckenweise war Dir die lebhafte Diskussion über irgendwelche Schichtpläne mit Deinem Kumpel (ihr beide trugt brandneue Schals – klar, Ihr habt ja keine alten) wichtiger als das Geschehen auf dem Rasen.

Zur Stimmung hast Du nichts beigetragen. Nur gemeckert, dass „die da hinten“ ja viel zu leise seien. Als der Block die Spieler anfeuerte und zum Legendewerden aufforderte, schautest Du sparsam, denn Du kanntest den Text nicht.

Für Leute wie Dich sind gestern eine Menge echter, langjähriger Fans draußen geblieben. Klar, das ist nunmal das Windhund-Prinzip: wer zuerst kommt, hat die Karte. Es gibt keinen Fan-Test. Jeder darf ins Stadion, wenn er ein Ticket bekommt. Leider. Und jetzt, in Zeiten des Erfolges nach langen Jahren in den Niederungen des deutschen Fußballs, bist Du plötzlich da. In Herzlake oder Lurup habe ich Dich damals übrigens nicht gesehen. Da stand neben mir der Typ, der für heute keine Karte mehr bekommen hat, weil er zum Verkaufsstart nicht am Rechner sitzen konnte.

Können wir es nicht beim Sky-Abo belassen? Bitte? Im Stadion ist es doch eh viel zu unbequem. Die Sitze sind ja nur einfache Schalensitze, ohne jede Polsterung. Du müsstest darauf zwei Stunden sitzen! Und die Toiletten erst… mit mehreren Menschen in einem Raum, dicht gedrängt, kannst Du da überhaupt? Und dann das Wetter – das Stadion hat ja nicht einmal ein Dach überm Spielfeld, für den Fall, dass es mal regnet – von Deckenheizungen kann man in dieser zugigen Bude eh nur träumen. Und die Leute… der Typ vor Dir, der mit dem selbstgestrickten Schal, hat am hellichten Tag Bier getrunken – ich habe Deine Blicke gesehen, das hat Dich schockiert. Nein, das Stadion ist doch gar nicht der Ort, wo Du sein möchtest. Zuhause ist es warm, trocken, und Du hast keine Parkplatzsorgen, musst also auch nicht wieder nach 85 Minuten – Du hattest doch für 90 bezahlt! – das Stadion verlassen, um dem Verkehrschaos noch zu entgehen.

Denk mal darüber nach. All die Vorteile! Danke.

5 Responses to “Lieber Event-Fan…”

  • Hallo Togo,

    ich kann Dich und Deine Sicht der Dinge durchaus nachvollziehen. Seit Jahrzehnten gehe ich ins Stadion und war auch z.B. in Herzlake.

    Dennoch mag ich diese „Fan-Diskussion“ nicht wirklich. Haben wir als sog. echte Fans wirklich das Recht, entscheiden oder beurteilen zu wollen, wer uns in unserem Stadion genehm ist? Würden nur die kommen (dürfen), die Deine Kriterien erfüllen, würden wir wohl nur vor 10.000 spielen.

    Diese sog. Eventfans sind somit auch ein wirtschaftlicher Faktor. Selbst 2 neue Schals, wenn denn bei Eintracht und nicht an der Tanke gekauft, sind 30 Euro Umsatz + Karte + Getränke (auch wenn es Latte M. sein sollte). Ich ärgere mich nicht über diese „Besucher“, ich freue mich über die Atmosphäre eines vollen Stadions.

    Die Diskussion über den vermeindlich echten Fan, der keine Karte bekommt, ist müßig. Ne Dauerkarte wär ja durchaus angebracht, selbst wenn man nicht immer kommen kann. Der Fan kennt soviele Gleichgesinnte, daß man sie weiter geben kann. Funktioniert bei uns prima. Wer aus dem Fanclub nicht kann, gibt sie weiter (ob gegen Erstattung oder nen Pils bleibt offen); dann kommt halt mal ein Familienmitglied oder nen Kumpel mit.

    Am Ende bleibt, daß jeder von uns irgendwann mal das erste Mal im Stadion war, und sei es vor 40 Jahren gewesen. Aus Leuten, die heute ihr Interesse an der Eintracht entdecken, werden vielleicht die Fans von morgen.

    BGG
    Pepe

  • Klar ist das so.Ich bin auch gekommen als wir Erfolg hatten. Ich war 16 gegen Dynamo Kiew ( 1977 ) aber ich bin immer noch da. Gebt den Leuten eine Chance.
    Einmal Löwe immer Löwe hat auch einen Anfang.

  • netter artikel.

    als anhänger des – allseits geliebten – grün-weißen vereins aus der nachbarstadt, muss man allerdings sagen: „endlich“:
    dieses phänomen kennen viele fans der erstliga-vereine und besonders gern wird dies dem vfl bescheinigt und es wird sich köstlich darüber amüsiert in braunschweig. allerdings betrifft es (fast) jeden verein: je erfolgreicher, desto mehr event-publikum. dies haben viele fans in braunschweig bisher nicht verstanden, bzw. fühlten ihren verein davon gefeit.
    nun haben sie den „salat“. und lasst euch gesagt sein: nächste saison wird das noch schlimmer. der umstand, dass das stadion an der hamburger straße nicht ganz ausverkauft war und man nun sagen könnte „warum setzt ihr euch nicht auf die haupttribüne?“, braucht glaube ich keiner weiteren ausführung, denn da „geht halt nix“, der support kommt schließlich aus der kurve. dieses problem haben fans aller vereine (und in wob sind die steher auch immer ausverkauft).

    achja, in england gibt es übrigens ein modell, mit dem teilweise versucht wird dieses phänomen zu unterdrücken: durch den erwerb von karten für besonders unattraktive spiele (sagen wir fa-cup gegen einen drittligisten) bekommt man punkte gutgeschrieben, die man dann wieder verbrauchen kann für besonders attraktive spiele (derby auswärts, fa-cup-halbfinale, usw.). ob dieses system „fußball-touristen“ halbwegs aus der kurve raushält, weiß ich nicht….

  • @ Herzlöwe
    Gut gebrüllt, Löwe! 🙂 Ich war gestern auch das allererste Mal mit im Stadion. Mein Freund ist jahrelanger Fan, sein Bruder hat ne Dauerkarte und bisher so gut wie kein Spiel verpasst! Ich stand im Prinzip auch „blöd“ da & habe fast kein Lied mitsingen können.. aber das ist normal. Bin auch mitgekommen, weil jemand abgesprungen ist & die Karte quasi ne Stunde vor Spielstart frei wurde.

    Ich finde Eintracht cool, denn sie haben sich von ganz unten wieder nach (fast) ganz oben hochgespielt. Beim letzten Saisonspiel wär ich gern dabei… schauen, ob wir Karten bekommen – wäre toll. Wenn nicht – Pech gehabt. Dabeisein ist alles! 😉

    Beste Grüße,
    DeMi

  • Schön geschrieben, wirklich! Aber darf ich ehrlich sein? Leider mal so gar nicht passend, danke. Mir ist es egal, ich habe eine Dauerkarte für die Südkurve und brauche mich über den sogenannten Eventfan, der mir vlt eine Karte vor der Nase wegschnappt, nicht zu ärgern. Und ja, ich habe gestern gefeiert und laut gesungen, wie es sich gehört (und fand die Stimmung nicht so schlecht wie überall beschrieben).

    Aber ich nehme trotzdem auch gerne mal jemanden „Stadionfremden“ mit. Der bislang nur selten im Stadion war und weder Herzlake noch Hoisdorf kennt. Der nicht alle Namen der jetzigen Mannschaft weiß, sich bei der Mannschaftsaufstellung aber dank der großen Tafel alle Mühe gibt und mitbrüllt. Der gerne mal nach dem Text oder Sinn eines Liedes fragt oder sogar zwischendurch fußballfremde Diskussionen führen möchte. Und nochmal ja, manchmal nervt mich das auch!

    Aber eines ist merkwürdig: mal abgesehen davon, dass viele jahrelange Stadiongänger oder DK-Besitzer neben mir im Block am lautesten über die eigene Mannschaft oder einzelne Spieler meckern können oder sich auch gerne mal über schlechte Schichtdienste und zu lange Schlangen am Wolters-Stand aufregen (aber das ist ja ok, deren Schal ist ja älter als 2 Monate… mich nervt es fast noch mehr) – alle „Stadionfremden“, die gerne mal die im Moment gute Stimmung im Stadion genießen wollen oder „einfach nur mal so“ vorbeischauen, also die sogenannten Eventfans, die wissen immer ganz genau, wann der Vorverkauf für ein Spiel losgeht. Die haben komischerweise den A… in der Hose, sich selbst mal anzustellen, an den Rechner zu begeben oder ein Telefon zu greifen, um sich Punkt 10 Uhr eine Karte zu besorgen. Und wenn das mal nicht geht, machen sie was noch seltsameres: sie fragen andere Leute wie mich, die um die Zeit am Rechner sitzen könnten, ob ich ihnen eine oder mehrere Karten für ein Spiel besorgen kann. Und ich mache das sogar, mit Freude, und war bisher immer (!) erfolgreich!

    Tja, vielleicht ist das doch genau der Ort, wo der Eventfan gerade sein möchte, er hat immerhin das geschafft, was so manche langjährige Fans irgendwie scheinbar nicht schaffen: sich zu kümmern. Obwohl der langjährige, echte Fan ja am besten weiß, wie der VVK abläuft. Und sicher gerade in der großen Löwengemeinde genügend Kartenbeschaffer und Freunde hat, die das eigentlich für ihn erledigen könnten. Aber nein, ist ja viel einfacher, davon auszugehen, das klappt schon irgendwie mit meiner Karte. Hauptsache, ich schimpfe laut genug über die Eventfans, die mir meine Karte wegnehmen!

    Denk auch mal darüber nach, bitte!
    BGG 🙂

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