Für eine Handvoll Fuffis – Kostenfalle Bundesliga!

On 23. Juni 2013 by gialloblu

nike_btsvDie erste Lektion, die man als Fan eines Erstligisten lernt: Das Leben ist ganz schön teuer, wenn man ganz weit oben angekommen ist. Eine Dauerkarte in der Südkurve? Letzte Saison 161,50€, in dieser Saison 217,50€ – also mehr als ein Fuffi extra! Eintrachts neues Trikot? Als Nike „Classic IV gelb-blau“, ohne Logo, aktuell für 18,40€ im Versandhandel. Als neues Heimtrikot, mit Werbung, demnächst für 74,95€ im Eintracht-Shop. Mehr als ein Fuffi extra! Mit knallharter Logik erkennt man ein System: In Bundesliga kostet alles, egal ob ein Ticket oder ein Trikot, einen Fünfziger mehr!

Andererseits ist so ein Fuffi nur ein kleiner Preis für das Jahrhundertwunder, das wir Eintracht-Fans in der letzten Saison erleben durften. Und deshalb, da lass ich mich als Erstligist nicht lumpen, beschloss ich jeden Preis auf den vollen Fuffi zu runden. Zum Beispiel beim Bäcker: „Fünf Schrippen!“ – „Macht eins dreißig!“. Ich reiche einen 50-Euro Schein über den Tresen und sage: „Stimmt so. Denn ich bin zurück in Liga eins!“. Oder im Schreibwarenladen: „Einen schwarzen Edding und eine Packung Filzstifte!“ – „Macht zusammen vier sechzig!“. Ich knalle einen Fuffi auf den Tisch und sage: „Behalte den Rest. Denn meine Eintracht ist zurück im Oberhaus!“ Egal, ob in der Drogerie, im Zeitungskiosk oder in der Dönerbude: Neuerdings gucken alle total happy, sobald ich den Laden betrete.

Zweifel kamen in mir auf, als ich einen Brief an meine Hausverwaltung (mit der Bitte um eine angemessene Mieterhöhung), statt mit einer 58-Cent Briefmarke mit einem 50-Euro Schein frankiert, in den Briefkasten warf: Könnte es sein, fragte ich mich, dass ich in absehbarer Zeit völlig pleite bin, wenn ich weiter so viel Geld ausgebe? Könnte ich am Abenteuer erste Bundesliga finanziell scheitern? Ich hörte mich um und stellte fest, dass auch andere Eintracht-Fans nicht glücklich über die Höhe ihrer Mehrausgaben sind. Weder über die inzwischen teuersten Stehplätze für Heimfans in der ersten Liga, noch über über die frechen Preise für 0815-Trikots von der Stange, die in der Auswärtsvariante – Nike hat für Erwachsene halt nur einen einzigen Trikotsatz in gelb und blau – eher wie gelb und lila aussehen. Doch wie kann man als Fan diese Mehrkosten am besten stemmen?

Ein typischer Sparvorschlag lautet, im Stadion weniger zu saufen: Auf 20 Wolters verzichten, schon hat man sich den Preisaufschlag einer Dauerkarte erspart. Weitere 25 Biere nicht bestellt, schon reicht die Knatter für ein neues Trikot. Das Dumme ist: In der kommenden Saison wird man gegen Bayern, Dortmund oder Leverkusen auch mal fünf oder mehr Tore fangen. Wie soll man sich dann mit leerem Becher das Spiel schönsaufen? Es wird auch Tage geben, an denen man bei Abpfiff plötzlich schnallt, dass man Auswärts- oder Derbysieger ist. Um einen herum gehen die Leute in besoffen-fröhlicher Ekstase ab, und man selber freut sich auf Getränke, die zu Hause im Kühlschrank warten? Nee, aufs Stadionbier verzichten geht in der kommenden Saison mal überhaupt nicht!

Die richtig großen Sparpotenziale haben Fans stattdessen bei der An- und Abreise: In der Regionalbahn aufpassen, dass man nicht der sechste Mitfahrer auf dem Wochenendticket ist – 40 Euro erhöhtes Beförderungsentgelt gespart! Unterwegs im Auto am Dreieck Nuthetal (maximal erlaubt: Tempo 100) nicht mit 130 km/h am Blitzer Richtung Braunschweig vorbeischießen – 50 Euro Bußgeld gespart! Beim Umsteigen am Bahnhof Fallersleben ‚Nur der BTSV ihr Werksfotzen‘ so diskret mit Edding aufs Touchscreen vom Ticketautomaten schreiben, dass man auf dem Überwachungsvideo nicht zu erkennen ist – 180 Euro Strafe wegen Sachbeschädigung gespart! Am Ende der Reise in Bahnhof Berlin-Südkreuz schön am Geländer festhalten, damit man nach Stunden der Selbstnarkose nicht die 67 Stufen der Bahnhofstreppe runterrollt – 670 Euro Selbstbehalt für Behandlungskosten gespart! Macht insgesamt eine sensationelle Ersparnis von 940 Euro! Dieser Betrag reicht ja mal locker für eine Dauerkarte, selbst zu Bundesligapreisen. Plus für zwei Nike-Trikots von der Stange, Farbe egal, ebenfalls zu Bundesligapreisen. Plus für 200 Becher Wolters hinter der Kurve. Jawoll, die neue Saison ist durchfinanziert! (Falls jemand an diesem Finanzplan zweifelt: In Aachen, Duisburg, Offenbach und Osnabrück haben gut bezahlte Experten beim Bau von Arenen und Tribünen mit der gleichen Logik kalkuliert!)

Jetzt gilt es, die beschriebenen Sparpotenziale auch tatsächlich abzurufen. Und ich stelle fest: Ich brauch den schwarzen Edding gar nicht mehr, mit dem ich The Truth auf Touchscreens an Ticketautomaten hinterlassen wollte. Denn ich will ja 180 Euro sparen. Ich brauch auch keine bunten Filzstifte mehr, mit denen ich auf schwarz-weißen Blitzerfotos meine neuen Trikots in gelb und blau (oder lila) nachkolorieren wollte, bevor ich sie an die Pinnwand neben meinen Kühlschrank hänge. Denn ich will mich ja ans Tempolimit halten und das Bußgeld sparen. Also werde ich morgen zurück in den Schreibwarenladen gehen, den Edding und die Packung Filzstifte zurück geben und – schließlich habe ich soviel dafür bezahlt – meine fünfzig Euro zurück fordern. Geil, schon wieder ein Fuffi im Portemonnaie. Und keine Ahnung, was ich mit so viel Kohle anstellen soll…

Halt, Stop, ich hab da eine Idee: Hatte zufällig irgendjemand vor, den Aufpreis zur neuen Dauerkarte mit dem Verzicht auf viele Liter Stadionbier zu finanzieren? Melde dich bei mir – denn ich hab ab morgen den Fuffi, mit dem ich dir fast 20 Wolters hinter der Südkurve spendieren kann. Könnte tröstend sein, wenn Eintracht mal hoch verliert. Könnte aber auch die Stimmung ins Endlose heben, wenn Eintracht mal wieder das Derby gewinnt!

2 Responses to “Für eine Handvoll Fuffis – Kostenfalle Bundesliga!”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*