Vorschau + Faktencheck: BTSV – Werder

On 9. August 2013 by gialloblu

btsv_werderGestern, am 8. August, war der alljährliche internationale Tag der Katze. Im Idealfall wird dies nicht der einzige Feiertag für die Eintracht-Löwen in dieser Woche sein, denn morgen ab 18:30 Uhr sollen elf Wiesenhof-Hähnchen bzw. Wiesenhof-Bruzzzler (so stehts während der Grillsaison auf der Banderole der laufenden Werder-Würste) in den Löwenkäfig geworfen werden. Endlich wieder Liga, endlich wieder Fütterung!

Okay, der Begriff laufende Werder-Würste ist so respektlos, dass ich ihn auf der Stelle wieder zurücknehme. Denn an der Weser – wie übrigens auch an der Oker – musste man sich spätestens nach dem Pokalaus schon genug Respektlosigkeiten gefallen lassen. Werder? Gilt aktuell als Geheimfavorit für den Abstieg. Der BTSV? Gilt als bombensicherer Tipp für den Abstieg. Mit anderen Worten: Am Samstag steigt im Eintracht-Stadion das erste Sechs-Punkte-Spiel der Saison. Glaubt man den Experten, ist das Spiel für beide Teams die letzte Chance vor der Winterpause, punktemäßig einen Dreier zu landen!

Vor dem halb-offiziellen Endspiel um Platz 17 also schnell noch die wesentlichen Fakten, die für den Leistungsvergleich von Werder und dem BTSV relevant sind: Eintrachts letztes Heimspiel gegen Werder, vor sechs Jahren im Pokal, ging durch ein Last-Minute-Tor mit 0:1 verloren. Die Liga-Heimspiele unmittelbar davor und danach verlor der BTSV übrigens gegen Kickers Emden und gegen Babelsberg 03. Als Eintracht zuletzt in der Bundesliga gegen Werder spielte, war „Live is Live“ von Opus Nummer eins der deutschen Single-Charts. Eintrachts letzter Torschütze gegen Werder heißt Günter Keute, der inzwischen 57 Jahre alt ist. Bei Eintrachts letztem Heimsieg gegen Werder war Leonid Breschnew noch Staatschef der UdSSR. Letztmalig stand Eintracht in der Abschlusstabelle vor Werder, als „Der Große Preis“ mit Wim Thoelke im ZDF Premiere hatte. Als Eintracht das letzte mal bei Werder (nicht bei Werder II) gewann, kostete eine 20er-Packung HB 2,30 DM. Immerhin sollen die Dampfschiffahrt und das Mikroskop damals schon erfunden worden sein.

Seit dem letzten Aufeinandertreffen in der Bundesliga 1985 wurde Werder drei mal Meister – nämlich drei mal Deutscher Meister. Eintracht gewann ebenfalls drei Meistertitel: jeweils einen in Liga drei, in der Regionalliga Nord und in der Oberliga Nord. Zu Werders längsten Auswärtsfahrten in diesem Zeitraum zählen 2.500-km-Trips zu den Europacup-Endspielen im Estadio da Luz (Lissabon, 1992) und im Şükrü Saracoğlu (Istanbul, 2009). Eintrachts längste Pflichtspielreise, über 670 km, führte ins Estadio da Wacker (Burghausen).

Auch finanziell lagen beide Vereine jahrzehntelang auf gleicher Augenhöhe – Werder auf gleicher Augenhöhe mit einer Giraffe, Eintracht auf gleicher Augenhöhe mit einem Meerschweinchen: Im Sommer von Werders Rekordtransfer (8,2 Mio Euro für Marko Marin von Borussia Mönchengladbach) kostete Eintrachts teuerster Transfer 0,05 Mio Euro (Marco Calamita von Wacker Burghausen). Es ist nicht überliefert, ob in diesem Betrag schon die Spritkosten für seinen 670-km-Umzug nach Braunschweig enthalten waren.

Auch was die Marktwerte der Spielerkader angeht, hat es inzwischen eine deutliche Annäherung gegeben. Laut transfermarkt.de war Eintrachts komplette Startelf vom letzten Sonntag genausoviel wert wie anderthalb Arnautovics. Da war der Abstand schon mal wesentlich größer: Es gab Zeiten, da war der Marktwert von Eintrachts kompletten Kader geringer als der Marktwert von Ailtons Kühlschrank nach einem Großeinkauf beim Schlachter. Solche Zeiten sind zum Glück vorbei!

Zwei weitere Fakten sollten den Löwen morgen ebenfalls Mut machen: Als Eintracht zuletzt Werder am ersten Spieltag empfing, gewann Eintracht am Ende der Saison den größten Titel aller Zeiten (1967). Und als beide Vereine zuletzt während eines Umbaus der Haupttribüne an der Hamburger Straße spielten, stand Eintracht am Ende der Saison vor Werder (1979).

„Träum was Schönes“ vom Bremer James Last war in jenem Jahr zu Weihnachten übrigens die Nummer eins der deutschen Album-Charts. Auch wir träumen was Schönes: Von drei Punkten gegen Werder. Nicht als Geschenk zu Weihnachten, sondern als nachträgliches Geschenk für alle Löwen – zum internationalen Tag der Katze!

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