Spiele verloren, Gewicht gewonnen

On 13. September 2013 by gialloblu

fettNeulich, beim Frühstück, ließ ich vor Schreck meinen Steakhouse Beefburger auf die Zeitung fallen. Denn ich hatte folgende Meldung gelesen: „Fans unterlegener Mannschaften ernähren sich besonders fett-, zucker- und kalorienreich„. Betrifft mich nicht, dachte ich zunächst, obwohl mein BTSV in dieser Saison alle fünf Pflichtspiele verloren hat. Doch meine Neugier war geweckt. Also leckte ich die Asia-Soße süß-sauer, in die ich neuerdings meine Frühstücks-Burger tunke, von der Zeitung. Und ich las weiter: Nach Niederlagen, so das Ergebnis der Studie, kann der Verzehr von Fettmachern um bis zu 28% zunehmen. Also um gut ein Viertel!

Passt schon, dachte ich. Denn ich hatte mich bereits gewundert, warum ich im August stets fünf statt der üblichen vier Nachspiel-Biere benötigte. Bisher hatte ich geglaubt, der extra Durst käme vom warmen Wetter. Und ich erinnerte mich an meine Portion Woknudeln nach dem Spiel beim HSV, auf die ich mir zusätzlich Hühnerbrocken im Backteig türmen ließ. Damals hatte ich gedacht, der gesteigerte Hunger käme vom kühlen Wetter, das mittags in Hamburg herrschte. Nein, seit meinem Blick in die Zeitung am Frühstückstisch kenne ich den wahren Grund für meinen zusätzlichen Appetit: die Niederlagen der Eintracht. Dies hat nun die Wissenschaft bewiesen!

Doch mit welchen langfristigen Folgen müssen wir Eintracht-Fans aktuell rechnen, falls der BTSV vor dem Derby im November tatsächlich kein Spiel gewinnt? Nun, während wir monatelang 28% mehr Fettmacher in uns reinschaufeln – oder in uns reinschütten – nehmen Gewicht und Körpervolumen voraussichtlich zu. Mit steigendem Körpervolumen bei unverändert großen Sitzschalen werden die Sitze im Stadion – so lautet die traurige Wahrheit – für den leidgeplagten Fußballfreund zu eng.

Dies wiederum hat unangenehme Konsequenzen: Zum Beispiel stand beim HSV-Spiel ein Eintracht-Fan auf der Hintertortribüne vor seinem vermutlich zu eng gewordenen Sitz. Selbst die vier Ordner, die hilfsbereit herbei eilten, kriegten ihn nicht zwischen seine sitzenden Nachbarn gepresst. Erst die einrückenden Polizeikräfte, die den blau-gelben Besuchern großzügig bemessene Sitzgelegenheiten in einem ihrer Fahrzeuge oder im Erste-Hilfe-Raum der Sanitäter anboten, konnten diesen kleinen Konflikt auf bewährt friedliche Weise lösen. Anmerkung: Es könnte sein – also es könnte sein – dass ich den soeben beschriebenen Vorfall etwas unzutreffend gedeutet habe. Aber versuch mal, während du deinen 5-Uhr-Snack (zwei Bratwürste mit Senf und Ketchup, Brezel, große Cola) durch die gefüllten Reihen zum eigenen Platz trägst, aus dem Augenwinkel sowohl das Spiel als auch die Bambule im Unterrang zu verfolgen. Schwierig! Beinahe hätte ich sogar Eintrachts Gegentore drei und vier verpasst.

Wie ein zeitgemäßes Stadion für den Supersize-Supporter konstruiert werden kann, zeigen uns die Engländer: Beim Umbau des Wembley-Stadions wurden anstelle der alten Sitzschalen (41 cm Breite) um ein Viertel größere Sitze (50 cm Breite) eingebaut. Spielt dann, wie in der vergangenen Saison, ein Absteiger – Wigan Athletic – im Pokalfinale, passt selbst der größte Hintern auf den Stuhl. Sogar, wenn er zu einem Frustfresser gehört, der 38 Spieltage lang mit 28% mehr Fish & Chips und frittierten Schokoriegeln seinen Körper formte.

An dieser Stelle verneige ich mich schonmal vor den weisen Menschen, die beim fast abgeschlossenen Umbau im Premiumbereich des Eintracht-Stadions für eine großzügigere Bestuhlung gesorgt haben. Hier und da gab es wohl vereinzelt Kritik, weil durch die teure Modernisierung der Haupttribüne das Fassungsvermögen sank. Fakt ist jedoch, dass jeder Besucher dort nun den angemessenen Platz findet, den man nach ständigem Verzehr von 28% mehr Fettmachern dringend benötigt.

Besteht für uns Fans eigentlich Hoffnung, dass wir unsere zusätzlichen Pfunde wieder loswerden, die wir uns seit Bielefeld angefuttert haben? Zitat: „Die Fans hingegen, deren Team am Wochenende als Sieger vom Platz gegangen war, verspeisten neun Prozent weniger Fettiges und Überzuckertes und nahmen fünf Prozent weniger Kalorien zu sich.“ Hurra, am Ende wird alles gut: Kommt der sportliche Erfolg, wird jeder Blau-Gelbe irgendwann wieder dünn und knackig. Dann reißen wir die Business-Class-Sessel auf der Haupttribüne raus und reaktivieren die alten Holzbänke von anno 1923. Genauso wie damals, zur Zeit der Generation Steckrübenwinter, passen dann auch wieder drei sitzende Fans nebeneinander auf einen Meter Holzbalken. Dann kann Eintrachts Schatzmeister knapp 10.000 statt 3.670 Besucher auf der Haupttribüne begrüßen. Alle werden glücklich sein!

Doch bereits heute können BTSV-Fans aus der Überschrift des Zeitungsartikels Hoffnung schöpfen: „Tabellenplatz verloren – Gewicht gewonnen“. Denn egal, was am Sonntag gegen den 1.FC Nürnberg passiert – wir können als einzige nicht in der Tabelle abrutschen. Durch einen Sieg würden wir Nürnberg sogar überholen. Dann würde ich mein Montagsfrühstück, einen Steakhose Beefburger mit Soße süß-sauer, gerne einem Club-Fan spenden. Denn er wird dringend ein paar zusätzliche Kalorien essen wollen. Falls ihm, beim Anblick der Tabelle auf der Sportseite, der Beefburger vor Schreck nicht auf die Zeitung fällt.

One Response to “Spiele verloren, Gewicht gewonnen”

  • Hmmm…bei mir isses irgendwie andersrum gewesen. Eintracht erfolgreich -> Zugenommen. Ordentlichen „Aufstiegsspeck“ am Körperäquator verortet. Aan Sixspeck sozusagen. Bei der derzeitigen Aaantracht’schen Punktediät aber auch keine Abnahme zu spüren. Daher gebe ich auf diese Statistik mal gar nüscht. Könnte aber auch daran liegen, dass ich gar nicht zu der beschriebenen Zielgruppe gehöre, da „Stehplatz“-Ganove. Es sei, wie es sei… Guten Morgen, ich nehme den Grillteller! 😉

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