Gib mir ein U. Gib mir ein B. Und die Zahl nach 00.

On 27. September 2013 by gialloblu

ub01Wir beginnen heute mit einer guten Nachricht für Eintrachts älteste Ultragruppe, die inzwischen auf ein paar Dutzend Aktivisten geschrumpft ist: Ihr werdet noch immer in bundesdeutschen Massenmedien ernst genommen. So darf ein „UB Sprecher“ in einem Artikel, der gestern auf Spiegel online erschien, von den Pöbeleien im Eintracht-Block beim Spiel in Mönchengladbach berichten: wie sie beleidigt, wie sie angeblich bespuckt, wie sie an einer freien Platzwahl gehindert wurden. Kaum eine andere Ultragruppe genießt in diesem Land das Privileg, dass sie auf großen Nachrichtenplattformen so regelmäßig und ausführlich zu Wort kommt. Doch UB01 ist ein besonderer Fall: Denn die Gruppe bezeichnet sich als antifaschistisch, während die Fanszene von Eintracht Braunschweig beim Fußball-nicht-im-Stadion-erlebenden Durchschnittsbürger als rechts gilt.

Sowas ist natürlich Stoff für eine tolle Story: die scheinbar Guten, UB01, im Dauerkonflikt mit den braunen Hohlbirnen, also den Fans von Eintracht Braunschweig. Klein gegen Groß, Gut gegen Böse, Schlau gegen Doof. Wie bei Hobbits gegen die Orks, wie bei Inglourious Basterds gegen Nazi-Deutschland, wie die blauen Urwaldkreaturen gegen die rohstoffgeilen Invasoren im Film Avatar.

Da solche Geschichten beim Publikum stets gut ankommen, waren die Rollen im Konflikt innnerhalb der Braunschweiger Fanszene schnell verteilt: in der linken Ecke die Guten von UB01, in der rechten Ecke die braune Horde der Eintracht-Fans. Wahrheit spielt dann kaum noch eine Rolle. So schrieb zum Beispiel das Neue Deutschland nach dem Spiel gegen FSV Frankfurt: „Bei den Aufstiegsfeierlichkeiten hat dann wieder eine breite Öffentlichkeit über die Medien mitbekommen, dass antisemitische Lieder gesungen wurden.“ Schon klar: Die Bengalos waren in Wirklichkeit Fackeln. Die gelben Trikots in Wirklichkeit Braunhemden. Und „Traum von Liga eins“ ist nun mal total leicht mit dem „Horst-Wessel-Lied“ zu verwechseln.

Eintrachts Fans in die rechte Ecke zu rücken war sicherlich auch ein Ziel von UB01. Im Stadionumfeld oder Samstag Abends wurden teilweise Eintracht-Fans umzingelt, denen dann das Geld oder der Rucksack gerupft wurde. Wehrte sich das Opfer, wurde dies schon mal als faschistisch motivierter Übergriff verkauft. Auch so kamen Schlagzeilen zustande, dass Eintracht-Fans grundsätzlich rechte Hooligans sind.

UB01 machte sich auch dadurch keine Freunde, dass die Gruppe traditionell so antifaschistisch ist wie der Schutzwall, der einst quer durch Berlin lief. Vor knapp zehn Jahren sangen Mitglieder von UB01 noch Lieder wie „Münster, ihr Zigeuner!“. Als „No Fans“ verkloppten sie mit gezogenem Gürtel in der Kurve Fans, die eine andere Art von Support wünschten (Klar, angespuckt und beleidigt werden, wie am letzten Freitag, tut viel mehr weh!). Deshalb waren viele froh, als die Gruppe UB01 2008 jahrelanges Stadionverbot kriegte. Die politische 180-Grad Wende vollzog die Gruppe erst in den Folgejahren. U wie unglaubwürdig!

Doch nun kommen wir zur schlechten Nachricht für UB01: Seit heute Nachmittag ist euch untersagt, im Stadion als Gruppe aufzutreten. Wir sind gespannt, ob dies zu einem weiteren Sinneswandel führen wird, so wie einst von rechtsaußen nach linksaußen. Da politisch das komplette Spektrum bereits abgearbeitet wurde, empfehle ich als kommendes Thema die Religionen: Kommt doch in Jahren als Jehovas Zeugen wieder, und veröffentlicht im Wachtturm Namen von gottlosen Eintracht-Fans, die vorehelichen Sex hatten. Oder lasst euch zum Islam bekehren und ladet Jihad-Videos hoch, auf denen ihr den Kreuzfahrern, die den BTSV auswärts begleiten, einen explosiven Tod androht. Oder werdet militante Veganer und rechnet der taz vor, wieviel Tiere täglich für Eintracht-Fans sterben oder ihre Milch abgeben müssen. Es gibt auch für die kommenden Jahre noch so viele Möglichkeiten, sich neue Vorwürfe auszudenken. Sicherlich werdet ihr erneut Medien finden, die mit Freude eure Erkenntnisse in die Welt hinaus tragen!

Auch ohne eine organisierte Gruppe UB01 bleiben zwei Gewissheiten bestehen. Ersten Gewissheit: Wer, wie in Gladbach, andere Fans als „Judenfotze“ bezeichnet, gehört in der Tat aus dem Block geworfen. Antisemitische oder rassistische Parolen will ich – eine Ansicht, die viele Eintracht-Fans teilen – weder im noch vor dem Stadion hören. Dass vereinzelte Hohlkörper in blau-gelb im Block stehen ist leider Fakt. Ich hoffe, dass der Verein Antisemiten und Rassisten vor die Tür setzt, auch ohne öffentlichen Druck.

Die zweite Gewissheit: Unter den bundesdeutschen Medien wird sich schnell jemanden finden, der Eintracht Braunschweig jetzt als rechten Verein brandmarken wird, weil die Guten, weil die antifaschistische UB01, nicht mehr gemeinsam auftreten dürfen. Gewonnen hat… völlig überraschend die taz. Das journalistisches Highlight ist die Bildunterschrift: „Rechte Braunschweiger Hooligans versuchen den Nachbarblock der Ultras zu stürmen“.  Jetzt sollte es doch möglich sein, ein paar der rechten Übeltäter zu greifen, oder …?

8 Responses to “Gib mir ein U. Gib mir ein B. Und die Zahl nach 00.”

  • Das einzige Eigentor kommt von Dir, weil Du einen Artikel verlinkst, in dem ein Journalist (?) einen erfundenen Gesprächspartner interviewt.

    Ach ja: Deine IP sagt, Du kommst aus Gerolstein. Darf ich fragen, wann Du das letzte Mal bei uns im Stadion warst, dass Du die Szene so gut kennst und bewerten kannst? Oder reicht Dir dafür immer ein schlecht recherchierter, tendenziöser Presseartikel? Dann solltest Du Dir dringend Gedanken darüber machen, ob Du auch in anderen Bereichen derart leicht zu manipulieren bist 😉

  • Ganz schönes Eigentor die Aktion – genau wie dieser Artikel. Interessant dazu:
    http://www.zeit.de/sport/2013-09/fussball-ultras-braunschweig-rechtsextremismus

  • 1) Ich bin kein Braunschweig Fan, sondern eines anderen Vereins, aber verfolge Euer Geschehen seit ca. 2005 aus den Medien und dem Internet.
    2) Das Braunschweig ein Sprachroh bei Spiegel Online bekommt, ist nichts besonders, dass würde jede Ultrágruppe nach Ausschreitungen bekommen, wenn sie einen Ansprechpartner für die Presse benennen würde. 90% der deutschen Ultrágruppen verweigern sich jedoch einer Zusmmenarbeit mit der Presse aufgrund negativen journalistischen Erfahrungen.
    3) Die Braunschweigerfanszene gilt auch bei Fußballaffinen Menschen als rechts. Ich fahre seit über 10 Jahren zu jedem Spiel meiner Mannschaft, ein so rechtes Auftreten (angefangen bei euren Thor Steinar tragenden Ordnern über Exessboys, Alter Kameraden, Fette Schweine oder euerm „Ich seh nix Vorsänger Thilo“) wie in Braunschweig sind mir bisher nur in Chemnitz und Halle aufgefallen.
    4) Nur weil man vor 10 Jahren noch Faschomüll gesungen hat, muss das nicht heißen dass man reifer geworden sein kann. Eventuell gab es ja auch eine personellen Führungswechsel von UB (das weiß ich aber nicht).
    5) Muslime gleich in die Ecke von terroristischen Dschihadisten zu stellen ist dummdeutsche Stammtischpolemik.
    6) Du scheinst an einer thematischen Auseinandersetzung kein Interesse zu haben, sondern verschanzt deine Argumentation lediglich hinter Polemik und Vorurteilen.

  • Unschuldig ist da keiner. Meine Meinung nach sollte man UB wie auch Fette Schweine/Hunger Haken(Schöne Abkürzung: FS/HH…) und die Alten Kameraden vor die Tür setzen. Das es genug antilinke(was nicht unbedingt rechtsextrem bedeutet) Schläger im Block rumhängen sieht man wirklich allein an den Thor Steinar Shirts, die gerne mal unter dem Fanschal aufblitzen.
    So sehr ich UB auch als Gruppe nicht unterstütze, so muss man doch anerkennen, dass die immer wieder den Finger in die Wunde legen.

    Nazis Raus!

  • Niemand bezeichnet doch die ganze Braunschweiger Fanszene als rechts. Wer aber Kritik an (kleinen) rechten Gruppierungen in der Fanszene nicht toleriert, weil dadurch angeblich die gesamte Braunschweiger Fanszene ins falsche Licht gestellt wird, der verschließt sich der Wirklichkeit und einer ernsthaften Diskussion.

    Eine Versachlichung der Dinge würde allen Seiten sichtlich gut bekommen.

  • Danke für die Erkenntnis, dass ich mich positiv auf die rechte Fanszene von Hellas beziehe. Brigate gialloblu gibts übrigens auch in Modena und Parma. Selbst Chievo wird als gialloblu bezeichnet, weil’s ja bekanntlich die Stadtfarben von Verona sind. Ich lebte bisher im Irrglauben, dass ich mit gialloblu (gelbblau) die Farben des BTSV meinte.

    Nazis raus!

  • Unter dem namen „gialloblu“ einen Artikel zu veröffentlichen, der die Situation, wie sie in vielen Traditionsvereinen herrscht, derart zu beschönigen, sagt schon viel über den Autor und seine politischen Ansichten aus.
    In vielen traditionellen Fanszenen herrscht eine latent rechte (was nicht heisst das alle gleichzeitig adolf hitler gut fanden oder so einen scheiss) Hegemonie und das faustrecht. Lügt euch doch nichit selbst in die Tasche verdammt!

    Aber ein Autor, der sich positiv auf die rechte Fanszene von Hellas Verona bezieht (daher kommt dieser Name nämlich…) hat wohl nicht im Sinne, sein engstirniges Weltbild zu hinterfragen.

    NAZIS RAUS!!!!!!!!!!!!!!!

  • Liebe Leute,
    ich lese euren Blog sehr gerne. Aber in dieser Frage sprecht ihr nicht für mich. Ich will keine Anti-Linke-Grundhaltung bei meinem Verein. Es war wichtig, dass nach zwei Jahrzehnten rechter Hegemonie in der Südkurve (d.h. nicht alle sind rechts!!!) dieser Zustand breit thematisiert wurde. Ich teile nicht alles, was Ultras Curva Nord macht, ich finde es aber sehr wichtig, dass es im Fußballsport eine antirassistische Grundhaltung gibt. Das Verbot dieser Gruppe sendet ein völlig falsches Signal aus.
    Gruß
    Bernd Meyer

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