Wenig Punkte zu Hause? Wegen Chemtrails!

On 18. Oktober 2013 by gialloblu

chemtrailsSo, Schluss jetzt mit Party. Zwei Wochen lang durften wir die drei Auswärtspunkte aus Wolfsburg feiern, doch heute wurde endlich aufgeräumt: Konfetti verschwand im Staubsauger, Leergut wurde aus dem Aquarium geborgen. Auf dem Sofa, unter den leeren Pizzakartons und Chipstüten, fand ich meinen schnarchenden Kumpel Stulle. Mit dem Auftrag, unterwegs die Mülltüten voll Kronkorken zu verklappen, schickte ich ihn die Treppe runter nach Hause. Denn die Party ist vorbei. Denn morgen kommt Schalke zum Heimspiel an die Hamburger Straße. Und nach Spielen im Eintracht-Stadion gibt es in diesem Jahr, 2013, leider selten Grund zum feiern: 12 Spiele (zweite Liga, Saisoneröffnung, erste Liga), bloß ein einziger Heimsieg – damals, als der Osterhase noch die Eier anmalte, gegen Dynamo Dresden. Also gegen den Verein, der in der Relegation selbst im lila-weißen Kuh- und Schweinestall keine Beute machte. Statistisch gesehen haben wir morgen, gegen den S04, absolut keine Chance.

Eintrachts diesjährige Horrorbilanz an der Hamburger Straße erscheint zunächst als großes Rätsel: Denn im gleichen Zeitraum gewann der BTSV immerhin sechs mal in der Fremde, unter anderem gab es unvergessliche Auswärtssiege in Bochum, Ingolstadt und Wolfsburg. Doch Stulle erklärte mir vorgestern den wahren Grund für Eintrachts Heimschwäche. Er zeigte mir das offizielle Foto vom Löwentempel auf eintracht.com und flüsterte: „Da, guck mal, da oben am Himmel: die weißen Streifen am Himmel. Weißte, was das ist? Das sind Chemtrails!“

Chemtrails? Was ist das denn, fragte ich. Und Stulle erklärte es mir: Chemtrails sind Gifte und Drogen, die im geheimen Auftrag der Regierung aus Flugzeugen versprüht werden, um die Menschheit zu beeinflussen. Deshalb also diese weißen Streifen am Himmel! Stulle weiß echt Bescheid: Er weiß sogar, dass noch nie ein Amerikaner auf dem Mond war – außer Elvis, der dort heute noch lebt. Neulich knipste die CIA meinem Kumpel Stulle sogar das Telefon ab – wenige Stunden, nachdem er mir fernmündlich berichtet hatte, dass Bill Gates in Wirklichkeit ein Außerirdischer ist, der in einem Hangar in Nevada lebt, und seit dem Tag des Kennedy-Attentats im Dunkeln leuchtet.

„Und diese Chemtrails, die du quer über der Haupttribüne siehst, verlaufen alle von West nach Ost“, erklärte mir Stulle. „Weil die von Flugzeugen versprüht werden, die alle aus der Kackstadt kommen. So sorgen die dafür, dass Eintracht zu Hause keine Spiele gewinnt!“ Bestimmt hat er Recht: Allein beim letzten Heimspiel, am späten Sonntag Nachmittag gegen Stuttgart, konnte man teilweise ein halbes Dutzend Flugzeuge und ihre Chemtrails am Himmel überm Eintracht-Stadion sehen. Noch nicht mal Eintrachts Mannschaftsbus wurde vor dem Match verschont. Kein Wunder, dass es am Ende 0:4 stand!

Als kritischer Geist gab ich zu bedenken, dass die Chemtrails ja nicht nur die Spieler, sondern auch uns Zuschauer negativ beeinflussen müssten. „Kannste drauf wetten“, antwortete Stulle. Und er erinnerte mich an folgende Situation in der zweiten Halbzeit gegen Stuttgart: Weil es bei uns beiden mal wieder drückte, gingen wir zum Bratwurststand hinter der Kurve, machten gemeinsam Pippi in den Mülleimer, bestellten jeder eine Wurst und stellten beim Essen fest, dass wir völlig vergessen hatten, warum wir überhaupt im Stadion waren. Plötzlich ein Raunen in der Kurve, Stulle schlug sich – die Bratwurst noch immer in der Hand – vor die Stirn und sagte: „Alter, jetzt fällt’s mir wieder ein: Eintracht spielt ja heute!“ Eine Situation, die 100%ig zu den Symptomen passt, unter denen Beobachter von Chemtrails leiden: negative Auswirkungen auf Gedächtnis, Sozialverhalten, Intelligenz und Kontinenz. Ganz normal Braunschweig asozial, hatte ich bisher immer gedacht. Liegt’s in Wahrheit also an den Chemtrails?

Endgültig überzeugte mich Stulle dann mit naturwissenschaftlichen Details, die kein Mensch sich hätte ausdenken können: „All diese Flugzeuge versprühen am Spieltag Nanopartikel. Damit wird bei unseren Spielern die Blut-Hirnschranke überwunden, und plötzlich empfangen sie per Elektrosmog Befehle aus der Niedersächsischen Staatskanzlei: ‚Petko, lass den Ball abprallen!‘ ‚Ella, lass deinen Stuttgarter auf der rechten Seite laufen!‘ ‚Domi, köpf daneben!‘. Und dass Eintrachts Heimpleiten aus der sogenannten Landeshauptstadt gesteuert werden, passt ja zu den vielen anderen miesen Aktionen der Drecksundneunziger!“

Stimmt: Erst diese Kampagne mit dem angeblichen Derby-Shirt. Dann geben sie uns viel zu wenig Karten fürs Derby ab. Dann sprühen ihre Schnüffelkinder die Kassenhäuschen am Eintracht-Stadion voll. Kein Wunder, dass in der Woche vor dem Schalke-Spiel in Braunschweig kaum über Schalke geredet wurde. Mal abgesehen von der einen Personalie, ob ein Uralt-Roter im Schalker Trikot – Asamoah, glaub ich, oder Schatzschneider – mit Wolldecke und Blasentee am Samstag auf der Ersatzbank sitzen wird.

Doch vielleicht wird morgen alles gut, denn Stulle und ich stießen im Internet auf ein Produkt, mit dem wir der feigen Chemtrail-Aktion der H***overaner jede Wirkung nehmen können: Wir kauften einen etwa 20 cm großen Gipskegel, den sogenannten Energie Kegel! „Über dem Energie Kegel haben chemtrails keine Chance sich zu halten, sobald das Flugzeug den Wirkradius des Energie Kegels erreicht hat, löst sich der chemtrail von der Mitte her auf!“, versprach der Hersteller. Gekauft!

Drückt uns also morgen bitte alle die Daumen, dass wir den Gipskegel an der Security vorbei erfolgreich ins Stadion geschleust kriegen. Denn dann werden sich die Chemtrails am Braunschweiger Himmel quasi in Luft auflösen – und Eintracht wird endlich, endlich mal wieder zu Hause gewinnen!

In diesem Fall wäre es natürlich unheimlich nett, wenn der Verein uns die unschlagbar günstigen 30€ Kaufpreis für den Energie Kegel erstatten könnte. Wir versprechen auch, diesen Betrag im nächsten Discounter in Getränke umzuwandeln. Dann könnten ein paar Eintracht-Fans in der kommenden Woche mal auf ’ne Dose bei bei der Party von Stulle und mir vorbeischauen, wenn wir bis Freitag Eintrachts ersten Heimsieg seit Gründonnerstag feiern dürfen!

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