Nicht vergessen: Morgen spielt Eintracht!

On 1. November 2013 by gialloblu

btsv_levSeit drei Tagen ist Zwei-Mann Party hier bei mir im Wohnzimmer: Ich bin hier, weil ich wohn hier. Und mein Kumpel Stulle liegt hier auf dem Sofa, obwohl er ursprünglich vor hatte, vorgestern wieder nach Hause zu gehen. Doch so eine „10 Jahre Derbysieg“-Party gibt’s halt nicht alle Tage. Die Nächste dieser Art steigt frühestens am 8.11.2023. Kein Mensch weiß heute schon, ob wir im nächsten Jahrzehnt körperlich und mental noch in der Lage sein werden, drei Tage durchzufeiern. Stulle ist’s egal, denn er hat sich für den Fall der Fälle schon mal für den 8.11.2023 bei mir eingeladen. „Wird ein Mittwoch sein“, sagte Stulle, als er den Termin in seinen Business Calendar eintippte, in dem er sonst sonst nur seine Pflichttermine bei der Arge und vor Gericht gespeichert hat. „Könnte natürlich sein, dass Eintracht am Jubiläumstag Champions League spielt. Egal, dann feiern wir ’10 Jahre Derbysieg‘ halt in Barcelona oder Istanbul.“

Das wäre keine gute Nachricht für Barcelona oder Istanbul, denn Partys mit Stulle enden oft in Chaos und Verwüstung. Stopp, ich muss mich korrigieren, sie beginnen oft in Chaos und Verwüstung. Als Stulle am Jubiläumstag, am Dienstag, mit diversen Einkaufstüten an meiner Tür klingelte, waren seine ersten Worte: „Komm, wir feiern. Und zur Feier des Tages hab ich ein wenig Tischfeuerwerk besorgt.“ Zehn Minuten später musste Stulle zugeben, dass das tifo in tifoshop vielleicht doch nicht für tischfoierwerk steht, wie er ursprünglich behauptet hatte: Wie auf Schalke beim Heimspiel gegen Dortmund flog uns im Wohnzimmer Leuchtspur um die Ohren, wie bei Dynamo gegen Cottbus brannte sich Pyro in den Boden: nicht in den Rasen, sondern in meinen Teppich. Stulle riss das Fenster auf, so dass der schwarze Rauch aus meiner Wohnung in den sonnigen Herbsthimmel aufsteigen konnte. „Wehe, eine von euch Rotznasen ruft die Feuerwehr!“ rief er den Kindern unten im Innenhof zu, als er die glimmenden Reste der Gardine Richtung Sandkasten warf.

Dann stellte er eine 24er-Trinkhallen-Box auf den Wohnzimmertisch und erklärte die Spielregeln: „Lass uns nur über Eintrachts nächstes Spiel gegen Leverkusen reden. Sobald jemand Derby, Kackstadt oder Hannoi sagt, muss er einen Jägi exen!“ Es dauerte nicht lange, da war die Box leer: Haste das auf der kicker-Seite gelesen? Ein Spieler, der angeblich Kevin Bellarabi heißt, soll vielleicht gegen die Pillen fehlen. Hauptsache, er ist im Derby wieder dabei! Gluckgluckgluck. Habe gehört, dass ein Spieler namens Karim Reichel Probleme mit der Wade hat. Glaube nicht, dass er am Samstag für Kackstadt geschont wird! Gluckgluckgluck. Also ich würde gegen Bayer mit einer defensiven Zerstörerkette im Mittelfeld antreten: Theuer, Pfitze, Calli, dazu diesen Ken Kratz. Dahinter eine Fünferkette, dahinter ein Ausputzer oder Libero. Wenn wir auf diese Weise morgen einen Punkt klauen, sollten wir mit der gleichen Taktik in Hannoi spielen! Gluckgluckgluck.

Es lagen bereits ein paar zerknüllte Bierdosen zwischen den Brandlöchern auf dem Teppich, als Stulle mir erklärte, warum der Ausgang der kommenden Spiele unserer Eintracht sowieso längst feststeht: „Du weißt ja, zuerst war da die Sache mit dem Phantomtor: Damals pfiff der Schiri pro Leverkusen und gegen Hoffenheim. Eine Woche später pfiff der Schiri dann pro Hoffenheim und gegen Hannoi. Morgen wird der Schiri dann pro Eintracht und gegen Leverkusen pfeifen. Und weißte, was die große Sauerei ist? Nächste Woche, im Derby, Gluckgluckgluck, pfeift der dann gegen Eintracht und für die Roten. Verstehste? Dann hatten alle vier Vereine einmal Glück und einmal Pech mit dem Schiri. Aber ausgerechnet im Derby pfeifen die gegen uns, bloß damit nach dem blöden Phantomtor vom Kießling alle quitt sind!“

„Haste einen drinne?“, fragte ich Stulle. Gegen Hoffenheim wurde Hannoi, Gluckgluckgluck, nicht verpfiffen. Nimm mal die Gelb-Rote nach 12 Minuten für Diouf: Zweimal vor den Augen des Schiris in so ’nem roten Lappen mit ’ner 9 und ’ner 6 im Logo aufgetaucht, bedeutet zwei mal Beleidigung der Geschmacksnerven, also liegt hier ein doppelter Fall von Schiedsrichterbeleidigung vor. Ist doch logisch, dass der Spieler dann Gelb-Rot sieht!

„Die Regel ist mir neu, aber ich finde sie sehr sinnvoll“, meinte Stulle, klappte meinen Laptop auf und wischte mit dem Ärmel den Ruß vom Display. „Wir müssen also davon ausgehen, dass auch an diesem Wochenende ein paar Hannoier wegen Beleidigung der Schiedsrichtergeschmacksnerven vom Platz fliegen. Meine Sorge: Die kriegen nicht mehr genug Leute fürs Derby zusammen und das Derby fällt aus. Das wäre sehr, sehr schade.“ Daraufhin erklärte Stulle mir seinen Plan: Hannoi kauft doch gerne Mittelfeldspieler, die in Wirklichkeit viel kleiner sind als man an der Leine glaubte – wie diesen ‚Schrumpf-Brasilianer‘. „Kann doch nicht so schwer sein, so ’ne Transfermarkt-Seite zu hacken. Komm, wir stellen Hannoi mal ein paar hübsche Puppen ins Schaufenster: Albert Streit machen wir ein Meter 95 groß, Marktwert… den ändern wir auf sagen wir mal drei Millionen. David Odonkor, zwei Meter zehn, Marktwert vier Millionen. Marcelinho, zwei Meter dreißig, sechs Millionen. Dann kauft Kackstadt bis nächsten Freitag diese Spieler, und schickt ’ne Truppe von Fußball-Rentnern auf den Platz, denen sogar Mirko Boland auf den Kopf spucken kann. Und denen Derbyheld Jürgen Rische noch heute davonsprinten würde. Da kann den Seuchenvögeln noch nicht mal der Schiri helfen, der auf Anweisung vom DFB für die Roten pfeifen soll. Weißt schon, wegen dem Phantomtor.“

Und so schlief Stulle zwischen Bierdosen und Laptop auf dem Sofa ein. Manchmal grunzt er glücklich, vermutlich wenn er vom Derbysieg träumt. Morgen früh werde ich ihn wecken und daran erinnern, dass Eintracht heute gegen Leverkusen spielt – und dass der Schiedsrichter ausnahmsweise mal für den kleinen Pi*sverein pfeifen wird. Du weißt schon, wegen dem Phantomtor!

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