Bayern – Eintracht: Aktuelle Maulwurf-Infos!

On 28. November 2013 by gialloblu

btsv_bayernDie einen, Eintracht, haben Regenwürmer im Rasen. Die anderen, Bayern, plagen sich mit einem Maulwurf. Keinen von der Sorte, der den tippi toppi gepflegten Zierrasen in der Arena mit kleinen Erdhaufen verunstaltet, sondern einen Maulwurf, der die großen Geheimnisse verpetzt: Welche Taktik, welche Aufstellung plant der Trainer? Und welch bösen Worte benutzte Pep Guardiola, als er nach dem dürftigen 3:0 in Dortmund oder nach dem knappen Scheibenschießen auf Schalke einen Wutanfall kriegte?

Da unser Niveau ebenfalls knapp unterhalb der Grasnarbe zu Hause ist, sind wir, natürlich, Maulwurfs bester Freund. Deshalb teilt er mit uns seine Gedanken vor jenem Spiel, das – um beim Tiermotiv zu bleiben – wie ein Wettrennen zwischen Elefant und Schnecke ist. Oder wie ein Gewichtheben zwischen Elefant und Schnecke. Oder wie ein Um-die-Wette-Blumen-kaputt-trampeln zwischen Elefant und Schnecke: FC Bayern gegen den BTSV Eintracht!

Tag Nr. 153 unter Trainer Guardiola
Heute üben wir im Geheimtraining das 4-6-0-System. Der System-Coach meint, dass wir im nächsten Jahr, wenn wir Özil und Reus gekauft haben, öfters so spielen werden: Götze als falsche Neun im Sturm, Lewandowski als saure Neun auf der Bank. Kriege vom Coach einen Anpfiff, weil ich mit dem System nicht klar komme. Hätte das System schon längst verinnerlicht, wenn man bei Fifa 14 auf der Playstation im 4-6-0 antreten könnte.
Am Nachmittag kurzes Gespräch mit El Señor: Er plant eine Rotación! Gegen Eintracht Braunschweig soll ich spielen – von Anfang an! Abends zocke ich zu Hause das Spiel schon mal auf Fifa 14 durch: Ich selber treff zum 4:1 beim lockeren 9:2 unserer Bayern!
Anschließend ein Telefonat mit meinem Berater: Er soll mal seine guten Connections nutzen und mir ein Date mit einer der Kandidatinnen aus ‚Germany’s Next Top-Model‘ vermitteln. Eine aus den Top-3 wäre perfekt, notfalls tut’s auch eine aus den Top-12. „Aber sag ihr, dass ich allergisch gegen Katzenhaare bin. Und dass ich ab und zu mal ’ne leckere Kalbshaxe auf dem Teller sehen möchte. Und dass sie am neuen 60-Zoller nicht Fernsehen gucken darf, wenn ich gerade Fifa zocke.“

Tag Nr. 154 unter Trainer Guardiola
Heute üben wir die offensive Variante vom 4-6-0. Mit zwei offensiven Außenverteidigern, in der Mitte Daniel als hohe Fünf, ich als aufgerückte Vier. In der Kabine, wenn El Señor weit weg ist, nennen wir es das 0-10-0-System. Das taktische Ziel: „100% Posseción de la Bola“ – 100% Ballbesitz!
Nach dem Training quatsche ich kurz mit ’nem Videoanalyse-Scout über Braunschweig: Bei denen kommen maximal drei Leute über die Mittellinie. Über links ein Zwerg namens Boland. Der machte für Eintracht sein erstes Spiel in der dritten Liga gegen Emden. Über rechts Bellarabi. Der machte für Eintracht sein erstes Spiel in der dritten Liga gegen Regensburg. Und in der Mitte ein Zwerg namens Kumbela, der sein erstes Spiel für Eintracht in der Regionalliga in Babelsberg machte. Beim Zuhören googel ich auf dem iPhone, was die Worte Emden, Babelsberg, Regionalliga und Drittenliga bedeuten. Denke mir: Das wäre ein richtig schlechter Deal, wenn ich nach dem Spiel mein schönes Bayern-Trikot mit einem T-Shirt von einem dieser Amateure tauschen müsste.
Co-Trainer Tiger Gerland stellt sich zu uns und erzählt, wie heftig es in seiner aktiven Zeit, also vor hundert Jahren, auswärts in Braunschweig zur Sache ging. Krasses Publikum. Beschissener Rasen. Die Verteidiger alles Pferdefreunde, die sich vor dem Spiel Hufeisen unter die Fußballschuhe nagelten. Freut mich, dass der Tiger wieder ganz normal mit mir plaudert. Letzte Woche war er total ausgerastet, bloß weil ich meinen vom Verein gestellten Wagen, einen TT RS plus Coupé 2.5 TFSI quattro S tronic (340 PS), von ibisweiß in camouflage hatte umlackieren lassen. Balotelli fährt doch auch im Auto mit Military Look durch die Gegend, genauso wie der Kruse von Gladbach! Ich wollte doch bloß, dass ich meinen Flitzer nicht immer mit dem vom Contento verwechsel!
Abends rufe ich in der Werkstatt an. Will wissen, ob die meinen Wagen inzwischen endlich wieder in langweiliges weiß umgespritzt haben. Keiner mehr da. Muss ich morgen früh also im Werkstatt-Leihwagen zum Flughafen fahren: in einem stinknormalen Audi Q6 in silber metallic. Hoffentlich erkennt mich niemand!

Tag Nr. 155 unter Trainer Guardiola
Wir treffen uns im VIP-Bereich vom Flughafen. Das ewige Reisen nervt: Erst unter der Woche Champions League, dann am Wochenende Bundesliga. Unter der Woche Pokal, dann am Wochenende Champions League Finale. Unter der Woche Bundesliga, danach am Wochenende Klub-WM. Da verliert man total den Überblick, von wo nach wo man gerade unterwegs ist.
Philipp, unser Kapitän, kommt in die Airport Lounge und verkündet, dass es dieses Jahr für jeden 200.000 Euro Weihnachtsgeld gibt. Hier und da enttäuschte Gesichter. „Davon kann ich meiner Frau gerade mal einen Weltraumflug spendieren“, sagt ein Kollege. „Wovon soll ich jetzt ein Geschenk für meine zweijährige Tochter kaufen?“
Ich muss mich vor dem Abflug erstmal um mein eigenes Geschenk zum ersten Advent kümmern: „Am besten, du kochst dir eine Thermoskanne Tee und stellst dich schon am Donnerstag Abend vorm Saturn an“, sag ich am Handy zu meinem Berater. „Denn am Freitag, wenn die Playstation 4 rauskommt, wird sie ruckzuck ausverkauft sein. Und hast du mir schon ein Date mit Germany’s Next Top Model arrangiert?“ Ich höre keine Antwort. Das Netz hier draußen am Flughafen ist unter aller Sau.
In der First Class hol ich erstmal etwas Schlaf nach. Beim Landeanflug werde ich von der hübschen Stewardess geweckt. Alles weiß da draußen – in Braunschweig liegt schon Schnee!
Als wir den Bus Richtung Innenstadt betreten, hab ich schon meinen Kopfhörer von audez’e auf. Der ist jeden Cent von seinen tausend Euro Kaufpreis wert: unglaublich, welche Klangwelten dieser Kopfhörer aus einem mp3-File von Helene Fischer rausholt! Durch die Fensterscheibe vom Bus guck ich mir Braunschweig an: Überall Plattenbauten und kaputte Typen, die hier bei minus zehn Grad im Trainingsanzug rumlaufen. Ein Besoffener taumelt uns fast vor den fahrenden Bus. Man merkt, dass Braunschweig vierzig Jahre lang in der Zone lag. Selbst auf den Schildern überall noch russische Buchstaben. Denn früher war die DDR ein Sputnikstaat, also eine Kolonie von Russland.

Tag Nr. 156 unter Trainer Guardiola
Unser Abschlusstraining musste gestern ausfallen, weil in dem Schnee- und Verkehrschaos unsere Klamotten nicht ankamen. In der Mannschaftssitzung heute Vormittag fällt mir dann fast der Kaffeebecher aus der Hand: El Señor lässt heute Nachmittag mit der Viererkette Rafinha, Boateng, Dante und Alaba spielen. Dabei hatte er mir vor drei Tagen einen Einsatz gegen Braunschweig versprochen – und zwar von Anfang an!
Auf dem Weg ins Stadion dreh ich die Lautstärke vom Kopfhörer auf volle Pulle, so dass von Helene Fischer meine Ohren schlackern. Weil ich auf meinem iPhone mal wieder kein Netz habe, schnapp ich mir kurz vom Kollegen Weiser das Handy und rufe meinen Berater an. Quatsche ihm auf die Mailbox, dass er mir in der Winterpause einen neuen Verein suchen soll. Egal, welcher. Notfalls geh ich auch zum HSV, nach Piräus oder zu Dinamo Moskau. Alles außer Braunschweig – denn hier in dieser Stadt hält man es nur als besoffener Pinguin aus!
Im Schneetreiben, ich auf der Bank, beginnt dann das Spiel. Eintracht in blauen Hosen und roten Trikots, obwohl deren Trikots bei Fifa 14 eigentlich gelb sind. Arjen nach schöner Vorarbeit von Thomas zum 1:0 für den kommenden Meister gegen den Tabellenletzten. Ich frage einen unserer Betreuer, warum die Hintertortribüne komplett leer ist. „Der Block ist gesperrt, weil die Fans hier farbige Spieler mit Affenlauten beleidigt haben. Da hängen sonst auch oft Fahnen mit SS-Runen und Keltenkreuzen im Block. Der Capo trägt gerne eine Kapuze vom Ku-Klux-Klan. Wenn kein Spiel ist, jagen die gerne Leute durch die Stadt, die asiatisch aussehen.“ Stimmt, wir sind hier ja in Braunschweig. Hab über deren Fans genau die gleichen Geschichten im Internet gelesen.
Nach zwanzig Minuten warmlaufen in Halbzeit zwei fällt das 3:1. Ich denke mir: Los Trainer, wechsel mich jetzt gefälligst ein, dann besorge ich das 4:1, so wie vorgestern zu Hause an der Playstation. Stattdessen darf der Kirchhoff ran. Und, als letzte Einwechslung, der Green. Darf der Junge überhaupt schon Mofa fahren? El Señor mobbt mich. „Guardiola lügt“, sag ich ganz beiläufig zu einem Münchener Journalisten, der am Spielertunnel steht. „Guardiola hat mir versprochen, dass ich gegen Braunschweig von Anfang an spiele.“
„Aber das Spiel gegen Braunschweig ist doch erst in drei Tagen“, antwortet er.
„Ja klar, natürlich“, sage ich, als wäre ich auf seinen blöden Witz reingefallen. Verlasst euch drauf: Ich werde auch weiterhin Bayerns Maulwurf sein. Bis Guardiola fliegt. Hoffentlich blamiert sich die Truppe mit Peps elf Lieblingen schon am kommenden Samstag!
Ich melde mich erneut, sobald ich wieder Netz habe. Dann weiß ich endlich auch, gegen wen El Señors Elf sich am Wochenende hoffentlich auf den Arsch setzt: Ich glaube, im Pokal in Augsburg. Oder bei der Klub-WM in Marokko gegen Al-Ahly Kairo? Keine Sorge, ich krieg das bis Samstag noch raus…

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