Warum die Braunschweiger Zeitung richtig handelt

On 16. Juli 2014 by togo

Die Braunschweiger Zeitung hat ihr Online-Angebot kostenpflichtig gestellt - und hat damt rechtHeute geht es bei uns mal nicht um Fußball – oder nur ganz am Rande. Thema des heutigen Artikels ist die Braunschweiger Zeitung. Die ist in den vergangenen Wochen arg in die Kritik geraten, weil sie ihr Online-Konzept umgestellt hat. Die Leopedia, Euer Online-Fachmagazin für Printwissen- und wirtschaft, hat sich das Gemeckere darüber jetzt lange genug angeschaut und haut jetzt mal dazwischen. Denn: die Braunschweiger Zeitung macht es richtig. Leider. Und Schuld daran sind wir selbst. Und die Verlage, die Online komplett verpennt haben und viel zu spät umswitchen.

Erst einmal müssen wir eines verstehen: die Produktion von Artikeln kostet Zeit, und damit Geld. Denn die Menschen, die die Artikel verfassen, müssen davon leben können. Sie sind keine Altruisten wie die Autoren der Leopedia, denen Euer „Gefällt mir“ reicht, weil sie ihre Brötchen anders verdienen. Die Braunschweiger Zeitung muss also – wie jede Redaktion – Geld verdienen, um Löhne zahlen zu können. Die Abozahlen sinken stetig (was nichts mit der Qualität der Zeitung zu tun hat, sondern den wechselnden Lesegewohnheiten – Zeitung aus Papier ist Old School und out. Irgendwie. Ich hab‘ trotzdem ein Abo), damit einhergehend kann man für die Anzeigen im Print nicht mehr so viel nehmen wie vorher. Sollen die Menschen bei der Braunschweiger Zeitung jetzt weniger verdienen? Natürlich nicht. Bereits unter normalen Umständen sind Redakteure in Relation zu ihren Arbeitszeiten schlecht bezahlt. Die BZ muss also schauen, dass das Geld anders reinkommt. Und da bleibt, wenn man nicht gerade bezahlten PR-Journalismus abliefern will, fast nur noch Online.

Das allerdings haben die deutschen Verlage verbockt. Anders als in anderen Ländern hat man auf die Annahme gesetzt, dass kostenfreie Artikel Appetit machen würden auf ein Print- oder Online-Abo, oder zumindest für ausreichende Klickzahlen bei den geschalteten Anzeigen auf der Webseite. Dass die BZ ihr Konzept jetzt ändert, bedeutet, dass diese Annahmen falsch waren. Und da kommen wir ins Spiel: okay, dass man die Zeitung nicht abonniert, wenn man die interessantesten Inhalte auch so lesen kann, ist nachvollziehbar, hier haben die Verlage falsch gedacht. ABER: wer von Euch hat nach dem Lesen eines Artikels denn Danke gesagt mit dem Klick auf eine Werbeanzeige? Und wer von Euch hat sogar einen Werbeblocker installiert, damit er die Anzeigen noch nicht einmal angezeigt bekommt? Dadurch, dass die Werbeanzeigen weder gesehen noch geklickt wurden, entgehen der BZ die Einnahmen, die für ein kostenloses Bereitstellen der Inhalte nötig wären. Es ist immer ein Geben und Nehmen! Übrigens kann ich dieses Verhalten auch auf der Leopedia perfekt nachvollziehen. Da haben manche Artikel an einem Tag mehrere Tausend Views, aber bei den geklickten Anzeigen (Eure Art, Danke zu sagen) bleibt die Zahl deutlich einstellig. Zum Glück müssen wir nicht davon leben, dass Ihr klickt. Andere müssen es aber.

Für die Braunschweiger Zeitung geht es darum, wirtschaftlich zu arbeiten. Die gesamte Online-Strategie muss neu überdacht werden. Und da sich kostenlose Artikel nicht rentiert haben (weil wir weder Abos abschlossen noch Anzeigen klickten), macht man es jetzt so, wie es jeder von uns macht: Leistung nur noch gegen Geld. Oder arbeitet Ihr umsonst, nur weil es die anderen gern so hätten? Der Aufschrei in der Leserschaft ist übrigens ein tolles Indiz dafür, dass die BZ richtig liegt, denn Euch ärgert es, dass man Euch die kostenlosen Artikel wegnimmt. Aber wenn etwas es wert ist, gelesen zu werden, dann ist es auch wert, dafür zu zahlen. Immer daran denken: auf der anderen Seite sitzen Menschen, die davon leben müssen.

Die Braunschweiger Zeitung handelt also richtig, wenn sie ihre Arbeit nicht mehr verschenkt. Andere, besonders amerkanische und britische Medien, machen das bereits seit vielen Jahren so, und es hat sich als die richtige Strategie erwiesen. Wir selbst haben uns die Online-Artikel verbockt, also meckern wir jetzt nicht rum, dass die BZ die Notbremse zieht.

Übrigens: Dinamo Moskau ist die richtige Schreibweise. Mit Y schreibt man die Lichtmaschine nur im Zusammenhang mit dem BFC oder der SGD. Wenn es ein russischer Verein ist, ist das I aber der richtige Buchstabe. Nur so am Rande.

2 Responses to “Warum die Braunschweiger Zeitung richtig handelt”

  • Wenn ich auf diversen Webseiten sehe, was einem ohne Adblocker im Firefox so an Werbung an den Kopp geworfen wird, bin ich froh, dass ich diese Scheiss-Werbung ausschalten kann. Diesen ganzen Flash, Geblinzelgefunkel, teilweise auch mit Sound hinterlegte Werbung ist i.m.Augen ein Grund, wieso die Leute Tools wie z.B. den Adblocker benutzen. Abgesehen davon hält es u.U. auch Besucher ab, die Homepage wieder zu besuchen.

    Dass die Redakteure nicht umsonst arbeiten, ist klar und verständlich. Daher sehe ich den Vorgang bei der Prawda ebenso als richtigen Schritt. Allerdings erhält man seine überregionalen News auch von woanders her, und die regionalen Themen werden auch woanders zu finden sein. Und das ohne unzähligen Rächtshraybfälehrn und schlecht recherchierte Artikel. Und ohne den offensichtlichen Klamaukstil wie man es von der BILD-Zeitung her kennt.

  • Sicherlich hat die BZ recht mit Ihrem Vorgehen – nur ich werde mir dennoch kein ABO zulegen. Warum: Selbst wenn ich für die Online-Inhalte bezahle, werde ich trotzdem ungefragt mit Werbung bombardiert. So lange das nicht verstanden wird von den Verlagen lese ich dann lieber keine Zeitung online

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