„Lasst alle Hoffnung fahren“…

On 9. März 2016 by togo

Dantes Göttliche Komödie beginnt mit einer echten Höllentour. Der Dichter selbst spielt die Hauptrolle und hatte sich im Wald verirrt, und ausgerechnet sein antiker Kollege Vergil bot sich ihm als Führer an, als Führer durch das Schattenreich. „Ihr, die ihr hier eintretet, lasst alle Hoffnung fahren“, prangt es über dem Eingang zur Unterwelt. Ein passendes Motto für die Hölle.

Okay, eine Hölle ist das Eintrachtstadion ganz sicher nicht. Trotzdem könnte dieser Wahlspruch momentan auch über dem Stadioneingang stehen. Denn Hoffnung scheinen die Fans bei den Spielen ihrer Eintracht zurzeit keine zu haben brauchen. Selbst der Tabellenletzte MSV Duisburg konnte hier unlängst einen Zähler entführen, und Mitte Februar reichte es nur deshalb zu einem Duselsieg gegen Arminia Bielefeld, weil Ken Reichel in der 5. Minute einen Geistesblitz hatte, die Ostwestfalen das ganze Spiel über aber Pech am Hacken. Es ist bisher Eintrachts einziger Sieg im neuen Jahr geblieben. Ansonsten fuhren die Blaugelben drei Remis ein (zwei davon in Braunschweig) und zwei Niederlagen.

Die erhofften Aufstiegsränge? Die sind mittlerweile weit entfernt. Zwölf Punkte beträgt der Abstand auf den Drittplatzierten 1.FC Nürnberg bereits. Zur Winterpause waren es nur vier. Den Relegationsplatz, den machen die Clubberer und der FC St. Pauli unter sich aus. Vielleicht spricht auch der VfL Bochum noch ein Wörtchen mit. Aber Eintracht? Die kann vielleicht sogar froh sein, dass sie bereits so viele Punkte auf der Habenseite hat. Ansonsten ließen die bisherigen Auftritte im Jahr 2016 vermuten, dass man noch einmal gegen den Abstieg würde spielen müssen.

Das Abrutschen der Eintracht, raus aus den Hoffnungsplätzen, hinunter ins graue und langweilige Mittelfeld, gefühlt sogar in die Nähe der Unterwelt, es geschah mit Ansage. Hätte man oben mitspielen wollen, hätte Eintracht im Winter personell dringend nachbessern müssen. Einen Verteidiger, vielleicht, für die Breite. Im Mittelfeld, auf jeden Fall Ergänzungen für die oft enttäuschenden Schönfeld, Matuschyk und Zuck. Und auch Jan Hochscheidt ist nach seinen Verletzungen noch lange nicht wieder dort, wo er mal war. Ganz sicher aber im Sturm, wo Düker und Ademi den Nachweis ihrer Zweitligatauglichkeit noch nicht erbracht haben. Die Rückholaktion von Domi Kumbela – man darf sie als PR-Gag bezeichnen. Als Wohlfühlaktion für die Fans. Seht her: Der verlorene Sohn, der Aufstiegsheld, er ist zurück! Zum dritten Mal. Eineinhalb Jahre älter und komplett außer Form. Mag ja sein, dass Kumbela Sympathien im Verein genießt, Freunde hat. Aber sportlich war dieser Transfer sinnfrei. Vor allem vor dem Hintergrund, dass mit Berggreen und Hvilsom zwei Stürmer den Verein in der Winterpause verlassen haben. Als das Transferfenster schloss und allen klar wurde, dass Eintracht keine weiteren Transers getätigt hatte, unkten die ersten, dass man sich jetzt aus dem Aufstiegsrennen verabschiedet habe. Es ist eine kleine Sensation, eine negative, dass sich diese Stimmen so schnell bestätigt fühlen dürfen. Und man wird lange suchen müssen, um einen Profiverein zu finden, der mit voller Absicht auf seine Aufstiegschancen verzichtet hat.

In der kommenden Saison will Eintracht laut „Drei-Jahres-Plan“ mit um den Aufstieg spielen. Die Frage ist: Mit welchem Kader? Die Gefahr, dass die Leistungsträger den Verein verlassen, ist gegeben. Rafal Gikiewicz zum Beispiel weckt mit seinen Leistungen schon länger das Interesse anderer Vereine. Ihm werden konkrete Kontakte zu Werder Bremen nachgesagt. Ein drittes Jahr in der zweiten Liga ist bei ihm wohl unwahrscheinlich. Wer soll dann zwischen die Pfosten? Oder Joe Baffo, der nie ein Geheimnis daraus gemacht hat, dass sein eigentliches Ziel England ist. Das sind zwei Spieler, die man überzeugen müsste, bei Eintracht zu bleiben. Womit? Geld? Eintracht tickt hier defensiv, hat sehr eng definierte Schmerzgrenzen. Perspektive? Das ist die zweite Fußball-Bundesliga für einen Spieler, der höhere Ambitionen (und Angebote) hat, nur vorübergehend. Fakt ist: Eintracht fehlen die Argumente. Kommen die richtigen Angebote, sind die Spieler weg. Richten wir uns also darauf ein. Das gilt im Übrigen auch für Gerrit Holtmann oder Salim Khelifi. Und nicht nur die.

Der Grundstein für eine Aufstiegssaison 16/17 hätte im vergangenen Winter gelegt werden müssen. Mit sinnvollen Neuverpflichtungen, die sich auf diese Weise bereits ein halbes Jahr an die Mannsschaft, den Trainer, das komplette Umfeld hätten gewöhnen können. Mit einem Signal an die Spieler und die Fans: Wir wollen etwas erreichen! Wir greifen an! Und selbst, wenn am Ende dieser Saison der dritte Platz verfehlt worden wäre, hätte es Eintracht niemand übel genommen. Schließlich hätte Eintracht alles versucht gehabt. Aber so? Jetzt ist das Signal ein ganz anderes: Wir wollen gar nicht hoch. Lasst alle Hoffnung fahren…

5 Responses to “„Lasst alle Hoffnung fahren“…”

  • Hallo Oliver,

    genau das, was Du eingangs schreibst, bedeutet das Wort „vorübergehend“.

    Das Ziel, 2016/17 ernsthaft um den Aufstieg mitspielen zu wollen, hat aber der Verein 2014 ausgegeben, nicht wir. Wir schauen lediglich, wie realistisch diese Aussage noch ist, angesichts einiger Entwicklungen. Und: Das Ziel, das Team im Winter „zu optimieren“ (hier kann man sich an der Definition aufhängen, aber üblicherweise bedeutet optimieren eben verbessern, verstärken), wurde von Torsten Lieberknecht kommuniziert. Ja, natürlich darf und muss man dann schauen, was daraus geworden ist. Und sei ehrlich: Verbessert oder verstärkt wurde der Kader nicht. Im Gegenteil erleben wir jetzt den schlechten Rückrundenstart, den viele prophezeit hatten.

    Wir stimmen mit Deiner Bewertung „Ausbildungsverein“ übrigens durchaus überein. Trotzdem sind wir kritisch, was die Entwicklungen angeht. Und das ist ein Teil der Meinungsfreiheit. Wir wissen, dass die heutzutage immer unpopulärer wird und nur noch derart definiert wird, dass jeder die gleiche Meinung haben darf. Aber da machen wir nicht mit. Schießlich sind wir Libertäre 😉

  • Achso, alleine schon die Aussage:

    „Perspektive? Das ist die zweite Fußball-Bundesliga für einen Spieler, der höhere Ambitionen (und Angebote) hat, nur vorübergehend.“

    ist totaler Quatsch.

    Natürlich kann Eintracht mit „Perspektive“ Spieler ködern, nämlich mit der Perspektive sie hier weiterzuentwickeln und zu höheren Aufgaben zu formen. Dafür hat man it Berggreen, mit Bicakcic, mit Omar El, mit Bella, etc hervorragende Beispiele der jüngsten Vergangenheit vorzuweisen und genau DAS ködert überhaupt erst Spieler wie Baffo oder Decarli hierher und hält Talente wie Khelifi oder jetzt Tietze noch immer für 1-2 Jahre mehr hier.

    Mensch, man muss sich einfach mal von der Illusion verabschieden, dass ein Aufstieg für Eintracht planbar wäre. Planbar ist es, sich unter den Top 25 zu etablieren, für mehr braucht es für einen Verein wie Eintracht einen „Betriebsunfall“. Wir sind ein Ausbildungsverein und wenn man sieht wie lange Mainz und Freiburg dies waren (und immer noch sind), dann weiss man wie lange wir dies noch sein werden. Mainz und Freiburg sind eben mittlerweile „Ausbildungsvereine“ für die Top10 der Bundesliga und das Ausland. Wir sind halt Ausbildungsverein für die Top20 in Deutschland und kleinere Top Vereine im Ausland in ihren jeweligen Ligen. Für mehr wird es für uns in den nächsten 10 Jahren nicht reichen, ausser wir haben Glück, dass eine Truppe aus jungen Spielern (plus ein paar „Gestandene“) mal so gut zusammen für eine Saison harmoniert, dass wir mal hochrutschen. Aber auch das machen wir dann maximal für 1 wenns es ganz glücklich läuft, für 2 Jahre denn auch dann sind wir weiterhin ein Ausbildungsverein, der IMMER seine besten Spieler an andere Vereine abgeben wird.

    Wenn man das nicht akzeptieren will und meint, man muss solche unsachgemäßen Artikel verfassen, dann sollte man lieber zu Wob an den Kanal fahren, die sind kein Ausbildungsverein, da ist Erfolg dann auch planbar mit Zukäufen von Stars.

  • Sorry, aber was für ein Schrottartikel mit Null Substanz. Es wird mit irgendwelchen Ängsten gespielt, dass wir nächstes Jahr komplett ohne Leistungsträger darstehen würden und der Verfasser hat scheinbar null verstanden, was Eintracht derzeit alles leistet, ich sage nur, Kölmel Ablöse, extrem talentierte Spieler aus dem NLZ die hochkommen, etc.

    Aber ja, wir steigen dieses Jahr nicht auf, deswegen sind nächste Saison alle Leistungsträger weg und wir können eigentlich generell den Laden jetzt schon zusperren, wir sind quasi „am Arsch“ *Ironie off*

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